Streit der Wirtschaftsexperten

Bert Rürup kritisiert Sinns Renten-Vorschlag

Mehr Kinder = mehr Rente. Auf diese einfache Formel bringt es Ifo-Chef Hans-Werner Sinn, wenn er für ein neues Renten-System für Deutschland plädiert. Gegen seine Meinung stellt sich nun ein anderer Top-Ökonom: der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup. Warum er Sinns Ansatz für grundfalsch hält.
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© Getty Images
Bert Rürup

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn ist mit dem deutschen Renten-System, genauer mit der Umlagefinanzierung, anscheinend nicht zufrieden. Zumindest machte er kurz vor Jahresende 2014 einen Vorschlag für ein alternatives Modell. Sein Lösungsansatz: Deutschland benötige „von der Kinderzahl abhängige Rentenansprüche“ (wir berichteten).

Gegen diesen Vorschlag stellt sich nun Wirtschaftsexperte Bert Rürup. Hinter Sinns Überzeugung stehe die Annahme, dass Menschen im Vertrauen auf die Rentenversicherung nach rein ökonomischen Kriterien „überlegen, ob es sich wirtschaftlich lohnt, Kinder zu bekommen oder nicht“. Eine solche Sichtweise blende aber aus, dass die Rentenversicherung in Deutschland keine Bürgerversicherung ist. Beamte oder Freiberufler würden zum Beispiel nicht erfasst, weil sie nicht in die gesetzliche Rentenvericherung einzahlen.

Darüber hinaus sei die aus dem Vorschlag folgende „markante Senkung des Rentenniveaus für Kinderlose“ vermutlich verfassungswidrig, meint Rürup. Um tatsächlich die von Sinn erwünschte höhere Geburtenrate zu erreichen, empfiehlt der ehemalige Wirtschaftsweise:

– die gesellschaftliche Gleichstellung von Frau und Mann zu forcieren,
– eine familienfreundliche Arbeitsmarktpolitik durch kostengünstige und qualitativ gute Einrichtungen zur Kinderbetreuung zu flankieren,
– Ganztagsschulen zur Regel zu machen und
– das von der Bundesregierung im August 2013 eingeführte Betreuungsgeld wieder abzuschaffen.

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