Risiken bei dynamischen Hybridprodukten

Bafin rügt Lebensversicherer

Dynamische Hybridprodukte boomen im Neugeschäft von Lebensversicherern. Doch eine Analyse der Finanzaufsicht Bafin zeigt: Viele Anbieter unterschätzen zentrale Verbraucherrisiken wie das Cash-Lock-Problem – und handeln zu zögerlich. Nun kündigt die Aufsicht schärfere Prüfungen an.
Die Bafin in Bonn: Anbieter von dynamischen Hybridprodukten stärker prüfen
© Bafin / Jens Erbeck
Die Bafin in Bonn: Anbieter von dynamischen Hybridprodukten stärker prüfen

Dynamische Hybridprodukte haben inzwischen einen erheblichen Anteil am Neugeschäft von Lebensversicherern. Der Grund: Diese Produkte versprechen Sicherheit und Rendite. Sie bergen aber erhebliche Risiken für Verbraucher, findet man bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Dort hat man nämlich diese Risiken analysiert und festgestellt: Viele Lebensversicherer weisen noch deutlichen Nachholbedarf im Risikomanagement auf.

Was sind dynamische Hybridprodukte eigentlich?

Dynamische Hybridprodukte kombinieren klassische kapitalbildende Lebensversicherungen mit Zinsgarantie und fondsgebundene Produkte. Die Produkte bieten eine garantierte Mindestleistung. Diese wollen die Anbieter durch Umschichtungen zwischen einem klassischen und einem fondsgebundenen Vertragsteil gewährleisten. Diese Teile nennt man häufig auch Töpfe.

Diese Umschichtungen wirken sich auf die Kapitalanlage auf Rechnung und Risiko des Lebensversicherers aus. Die Krux dabei: Die Effekte aus diesen Umschichtungen beeinflussen auch die Überschussbeteiligung anderer Versicherter – und damit auch indirekt deren Rendite. Warum das so ist, erklären wir hier.

Ein zentrales Risiko für Versicherte ist laut Bafin das sogenannte Cash-Lock-Risiko. Der entsteht bei Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten, wenn der Versicherer Anlagen aus dem fondsgebundenen in den klassischen Teil verschiebt, um zu sichern. Wenn sich der Markt später erholt, profitieren die Kunden dann nur noch eingeschränkt, weil ihr Geld nicht mehr im Fonds steckt.

Bafin kritisiert die folgenden Schwachstellen bei Lebensversicherern

Die Finanzaufsicht Bafin befragte zehn Lebensversicherer, bei denen dynamische Hybridprodukte einen hohen Anteil am Neugeschäft ausmachen. Zwar berücksichtigen alle Anbieter das Cash-Lock-Risiko und mögliche Auswirkungen auf den Gesamtbestand – dennoch zeigen sich erhebliche Schwachstellen:

  • Fehlende oder unzureichende Analyse der Transaktionskosten durch Umschichtungen

  • unklare Langzeitfolgen für Bestandskunden, falls das Neugeschäft mit dynamischen Hybridprodukten weiter wächst

  • unzureichende Integration der Verbraucherrisiken in Produktfreigabeprozesse

Die Umschichtungsalgorithmen beeinflussen das Chancen-Risiko-Profil eines dynamischen Hybridproduktes erheblich.

Versicherer sollen Verbraucherrisiken bei Produktfreigabe berücksichtigen

Die Bafin fordert daher, dass Versicherer Verbraucherrisiken systematisch in das Produktfreigabeverfahren einbinden. Nur so lassen sich aus Sicht der Aufsicht ungeeignete Produkte für bestimmte Kundengruppen vermeiden.

Für Lebensversicherer mit hohem Neugeschäft in dynamischen Hybridprodukten wird es künftig ernst: Die Bafin kündigt an, diese Anbieter bei aufsichtlichen Prüfungen verstärkt zu kontrollieren – insbesondere im Hinblick auf die in der Abfrage erkannten Schwachstellen.

Die Prüfungen erfolgen laut Finanzaufsicht auf Basis des Merkblatts zu wohlverhaltensaufsichtlichen Aspekten bei kapitalbildenden Lebensversicherungen. Ziel ist es, Verbraucherschutz und Transparenz bei dynamischen Hybridprodukten spürbar zu verbessern.

Weitere Informationen zur Bafin-Analyse zu dynamischen Hybridprodukten lesen Sie hier.

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Autorin

Barbara Bocks ist seit 2011 als Journalistin im Wirtschafts- und Finanzbereich unterwegs. Von Juli 2024 bis Dezember 2025 war sie als Redakteurin bei der Pfefferminzia Medien GmbH angestellt.

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