Der Provinzial-Konzern hat eine erste Hochrechnung der Schadenzahlen nach der Flutkatastrophe veröffentlicht – das Schadenausmaß ist gewaltig und womöglich nur zu einem kleinen Teil von Rückversicherern gedeckt. © picture alliance / imageBROKER | Karl F. Schöfmann
  • Von Lorenz Klein
  • 04.08.2021 um 17:09
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Nach der Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz könnten über zehn Prozent der versicherten Schäden allein auf den Provinzial-Konzern entfallen, wie Rückversicherungskreise Pfefferminzia berichteten – das scheint sich nun zu bewahrheiten: Der Versicherer selbst geht von einem historischen Großschaden von mindestens 760 Millionen Euro aus – der weitaus größte Teil dürfte nicht rückversichert sein, wie Pfefferminzia erfuhr.

Das Unwettertief „Bernd“ hatte im Juli ganze Landstriche von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen schwer verwüstet – und dürfte in der Folge auch sichtbare Schäden in der Bilanz des Provinzial-Konzerns hinterlassen. In einer ersten Schadenschätzung, die von der Provinzial-Holding am Dienstag in Münster vorgestellt wurde, geht der Konzern von einem versicherten Schaden von mindestens 761,3 Millionen Euro aus.

Wie viel übernehmen die Rückversicherer?

„Das Tiefdruckgebiet Bernd ist das größte und teuerste Schadenereignis in der Geschichte der Provinzial. Jetzt geht es um schnelle Hilfe für die Betroffenen“, erklärte Holding-Chef Wolfgang Breuer. Die Summe könne durch weitere Schadenmeldungen und Nachreservierungen noch steigen, hieß es. Wie viel davon durch Rückversicherer gedeckt ist, ist den Angaben zufolge noch unklar. Wie Pfefferminzia allerdings aus Kreisen von Rückversicherungsmaklern erfuhr, soll weitaus weniger als die Hälfte der genannten Schäden von Rückversicherern gedeckt sein.  

Die Provinzial, die aktuell mitten in den Schadendokumentationen und -regulierungen steckt, bezifferte die bisher eingegangenen Schäden auf 33.142 (Stand 2. August) bei einem gesamten Schadenvolumen von besagten 761,3 Millionen Euro. Davon entfiel der weitaus größte Teil mit 29.045 Schäden – und damit 730,1 Millionen Euro – auf die Sachsparte.

In der Kfz-Sparte hat die Provinzial bisher 4.097 Schäden gezählt und geht dafür von einem Kostenaufwand von 31,1 Millionen Euro aus. 70 Millionen Euro seien bereits ausgezahlt worden, schreibt der Versicherer weiter. Die Gesamthöhe des entstandenen Schadens sei derzeit jedoch noch nicht absehbar, dies liege an der Vielfalt und der Komplexität der Schadenbilder und dem unfassbaren Ausmaß der Katastrophe, wie es hieß.

Auch eigene Geschäftsstellen massiv betroffen

Durch das Unwetterereignis seien zudem über 40 Provinzial-Geschäftsstellen sowie einige Sparkassenfilialen zum Teil erheblich beschädigt worden. „Mit vereinten Kräften und kollegialer Unterstützung war es möglich, Erreichbarkeit, Arbeitsfähigkeit sowie Betreuung der Kunden vor Ort aufrecht zu erhalten“, schreibt der Versicherer dazu.

Zur Koordination und Unterstützung der Schadenregulierung habe der Versicherer deshalb in Hagen und in Bonn zwischenzeitlich Lagezentren eingerichtet. Und während das Zentrum in Hagen mittlerweile nicht mehr gebraucht werde, starteten von Bonn aus weiterhin täglich die Schadenregulierer des Provinzial-Konzerns in die hauptbetroffenen Gebiete.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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