Ein Containerschiff der China Shipping Line liegt am Terminal Tollerort im Hamburger Hafen. Die wechselvolle Lage auf den Weltmärkten macht auch den Versicherern zu schaffen. © pict. all. / imageBROKER | Holger Weitzel
  • Von Lorenz Klein
  • 06.09.2023 um 16:46
artikel drucken artikel drucken
lesedauer Lesedauer: ca. 01:50 Min

Geopolitische Konflikte, Klimawandel, Naturkatastrophen und Cyberkriminalität beeinflussen den Versicherungsmarkt erheblich – das stellt der aktuelle Marktreport 2023 des Maklers Aon fest. Der Schadenverlauf befinde sich auf hohem Niveau. Wie sollte die Branche handeln?

„Die Zukunft hält mehr Unwägbarkeiten bereit als je zuvor, und auch der Versicherungsmarkt wird sich zweifellos entsprechend verändern“, konstatiert Hartmuth Kremer-Jensen, Vizechef des Versicherungsmaklers Aon in Deutschland, in seinem Vorwort zum aktuellen „Aon Marktreport 2023“. Die Lage sei für Versicherer nach wie vor anspruchsvoll – so etwa in der industriellen Sachversicherung: Trotz Schadenkostenquote von zuletzt solide erscheinenden 98 Prozent – im Vorjahr waren es noch tiefrote 177 Prozent – seien keine substanziell verbesserten Erträge zu erwarten, stellen die Studienautoren fest.

Denn Inflation und verzögerte Lieferketten hätten „überwintert“, erklärt Kremer-Jensen. Das wiederum beeinflusse die Schadenaufwendungen enorm und verringere die Rentabilität für die Versicherer. Damit nicht genug: „Hoher Risikoqualität und hohem Prämienvolumen in bestimmten Bereichen stehen Anpassungen der Rückversicherer gegenüber.“ Heißt im Klartext: Die Kosten für den Rückversicherungsschutz steigen, bei zugleich sinkenden Kapazitäten.

Auch der Schadenverlauf befinde sich nach einer volatilen Phase auf hohem Niveau, wie es heißt. Speziell im Haftpflichtmarkt zeigten sich immerhin Signale der Entspannung: Der Markt habe sich eingependelt, Prämiensteigerungen fielen moderater aus als im Vorjahr.

Für Unternehmen hat Kremer-Jensen einen guten Rat: Die lückenlose Dokumentation von Risiken werde unverzichtbar, um Ausschlüsse zu vermeiden. „Generell begründen Klimawandel, Naturkatastrophen, aber auch die Transformationen bei Energie und Digitalisierung eine neue Betrachtung der Risikoqualitäten“, so der Aon-Vize. Dabei sei diesen Risiken mit konventionellen Standardlösungen nicht beizukommen. „Expertenwissen, digitale Tools und individuelle Speziallösungen werden immer wichtiger“, schlussfolgert Kremer-Jensen.

Risiken „unerschrocken und realistisch ins Auge sehen“

Vor allem aber gelte es für Unternehmen, den Risiken „unerschrocken und realistisch ins Auge zu sehen“. Unternehmen sollten ein agiles Risikomanagement betreiben, um auch mit unvorhersehbaren Langen zurechtzukommen, empfehlen die Experten. Es sei eine Kultur nötig, in der Risikomanagement ganz klar zur strategischen Unternehmensführung gehöre. „Nur so lassen sich Risiken als Katalysator für positive Veränderungen nutzen“, sagt Kremer-Jensen. „Es gilt, sich mutig neuen Technologien und innovativen Denkweisen zu öffnen, und gleichzeitig ethisch und nachhaltig zu handeln.“

Der komplette Aon Marktreport 2023 steht hier zum Download zur Verfügung.

autorAutor
Lorenz

Lorenz Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

kommentare

Hinterlasse eine Antwort