Die Nachricht schlägt ein. Ende September 2017 verkündet das Branchenschwergewicht Ergo, für die Bestände seiner Lebensversicherungstöchter Victoria und Ergo Leben (ehemals Hamburg-Mannheimer) einen Käufer zu suchen. Von dem Schritt betroffen wären etwa 6 Millionen Kunden und 1.000 Mitarbeiter (mittlerweile hat sie den Plan verworfen).

Und nur einen Tag später gibt auch die Generali umfangreiche Umbaupläne bekannt. Eine Maßnahme ist, das Neugeschäft der Generali Leben im ersten Quartal 2018 einzustellen und die Bestände alsdann nur noch zu verwalten – die Lebensversicherungstochter also in den sogenannten Run-off zu schicken.

Am Dienstag meldet sich nun auch die Axa zu Wort, sie verkauft ihre Pensionskasse Pro bAV an die Run-off-Plattform Frankfurter Leben Gruppe.

Beim Thema Run-off kochen die Emotionen hoch: Die Versicherten würden zur Ware degradiert, Lebensversicherungen würden nun auf der Resterampe verscherbelt. Von anderen Versicherern – etwa Allianz, Alte Leipziger, die Bayerische, Nürnberger, R+V, Stuttgarter, Talanx und Zurich – kommt die Ansage: Man werde das Vertrauen seiner Versicherten nicht verspielen. Man stehe zu seinen Verpflichtungen.

Aber mal langsam. Worum geht es überhaupt? Was ist ein Run-off? Und was ändert sich dabei für die Kunden? Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammengefasst.

  1. Was ist ein Run-off?

Bei einem Run-off stellt der Lebensversicherer das Neugeschäft ein. Die bestehenden Verträge verwaltet er selbst weiter oder er verkauft sie an einen Dritten, zum Beispiel an eine spezialisierte Plattform oder an einen anderen Versicherer.

  1. Warum schicken die Versicherer ihre Bestände in den Run-off?

Es lohnt sich für die Unternehmen oft nicht mehr, die Verträge weiter anzubieten. Das zeigt eine Umfrage des Beratungsunternehmens Willis Towers Watson aus dem vergangenen Jahr. Danach stehen zwei Drittel der 50 befragten Versicherungsvorstände der Abwicklung von Beständen offen gegenüber. 87 Prozent zählen die hohen Kapitalanforderungen zu den wichtigsten Treibern für das Schließen einzelner Produktlinien. Weitere Gründe sind die hohen Garantien (80 Prozent), zu geringe Produktprofitabilität (74 Prozent) sowie zu kleine Portfolios (61 Prozent).