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Cordula Vis-Paulus ist Expertin für die private und betriebliche Altersversorgung. © privat
  • Von Karen Schmidt
  • 10.05.2023 um 16:25
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lesedauer Lesedauer: ca. 03:15 Min

Der Großteil der Frauen bekommt weniger Rente als Männer. Das zu ändern, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – und auch die Versicherungsbranche und Arbeitgeber müssen hier aktiv werden. Das findet bAV-Flüsterin Cordula Vis-Paulus. Aus diesem Grund veranstaltet sie Ende Juni das German Equal Pension Symposium. Details verrät sie im Interview.

Pfefferminzia: Cordula, man kennt dich in der Branche als bAV-Flüsterin, also als Expertin für die betriebliche Altersversorgung. Nun hast du dir zum Ziel gesetzt, mehr Bewusstsein für den sogenannten Gender Pension Gap, kurz GPG, zu schaffen – also die Differenz in der Rentenversorgung der Geschlechter. Wie kam es dazu?

Cordula Vis-Paulus: Ich habe schon vor 25 Jahren angefangen, ein Buch für Frauen und Finanzen zu schreiben – aber schnell entnervt aufgehört. Damals waren Frauen dem Thema Geld gegenüber noch zurückhalten bis abweisend. Wir kamen gerade aus der Blümschen „Die Rente ist sicher“-, „Mein Mann ist meine Altersvorsorge“- und „Die Mutter gehört zum Kind.“-Zeit. Eine Lebensversicherung zu haben, gehörte zwar „zum guten Ton“ – aber nicht mit dem Fokus auf Altersversorgung. Dass Frauen da Nachholbedarf haben, habe ich also früh realisiert.

Durch die vielen tausend Einzelgespräche mit Mitarbeitenden zur bAV, habe ich außerdem fast genauso viele persönliche Geldgeschichten und Charaktere kennengelernt. Zeugin bin ich daher davon, dass mit Beginn der Elternzeit häufig die Altersvorsorge der Frau eingestellt wird. Parallel läuft die des Mannes weiter und für den Nachwuchs wird ein Sparplan abgeschlossen. Die Langfristfolgen der Beitragsfreistellung von Mamas Altersvorsorge werden ausgeblendet. Völlig!

Weil über die bAV exakt die erreicht werden, die vom System unterversorgt sind, sehe ich in der Einbindung der Arbeitgeber und der Nutzung der bAV den entscheidenden Hebel, die Situation sowohl für jeden einzelnen Mitarbeitenden als auch für die Gesellschaft zu verbessern – Solange es sich um ununterbrochene Vollzeitbeschäftigungen handelt. Sobald wir jedoch von Teilzeitbezahlung und beschäftigungsfreien Zeiten sprechen, entwischen uns genau die, für die sich dann langfristig die Unterversorgung in der Rentenphase existenzbedrohend verschärft: Die Mütter. Mütter steht hier übrigens für alle Care-Gebenden, die deshalb nur einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen.

Und so landen wir von der bAV beim Gender Pension Gap. Wenn Unternehmen all ihre Möglichkeiten ausschöpfen würden, wären wir Equal Pension ein großes Stück näher.

Zu diesem Thema veranstaltest du am 30. Juni auch das sogenannte German Equal Pension Symposium, kurz GEPS. Welches Ziel verfolgst du damit?

Diese besondere, zusätzliche Form der Rentenlücke ist nicht wirklich präsent. Bei Beratern, Versicherern, bei Kunden und Kundinnen, bei Arbeitgebern. Meine Mission, so viele Menschen wie möglich vor der Altersarmut zu bewahren, ist nicht erfüllt, wenn jemand eine Altersvorsorge beginnt, sondern wenn daraus eine Altersversorgung wird, die angepeilte Lebensqualität auch ermöglicht. Das funktioniert nicht mit den üblichen Beratungsansätzen, die zu Beitragsfreistellungen und vernachlässigten Vorsorgeplänen führt, weil der Fokus auf dem eigenen Erwerbseinkommen liegt.

Die Versicherungsbranche muss sich dieses Thema annehmen. Sie kann mit ihren Produkten und mit ihrem Know-how ein Teil der Lösung sein. Es geht darum, Expertise zu zeigen, innerhalb der Branche Impulse zu setzen, im eigenen Haus aktiv zu sein, Budgets einzuplanen, Ressourcen bereitzustellen. Equal Pension darf nicht als Inselproblem von ein paar durchgeknallten Feministinnen übersehen werden. Equal Pension muss vielleicht sogar als eigenständiges Bedarfs- und Beratungsfeld gesehen werden. Immerhin betrifft es die Hälfte der Belegschaft direkt. Am Hebel bAV – als Multiplikator – ist es unsere Aufgabe, die Arbeitgeber einzubeziehen durch Information und Lösungsvorschläge.

Der Moment könnte günstig sein. Unternehmen nehmen gerade jeden Benefit ins Visier, um Mitarbeiter zu finden und dann dauerhaft für sich zu begeistern. Da können Lösungsansätze für bessere Vereinbarkeit, für finanzielle Entlastung von Familien, um sozialer Verantwortung ein Gesicht zu geben, auf offene Ohren, Herzen und Verantwortliche treffen.

Es geht also vor allem darum, Sichtbarkeit zu erzeugen?

Genau! Sichtbarkeit für das Thema und die Teilnehmerinnen möchte ich erzeugen. Dann möchte ich andere Versicherer aus ihrem Dornröschenschlaf wecken. Wir wollen den vielen Beratern ein Signal geben und Impulse setzen, dieses Thema mit auf dem Schirm zu haben. Aber zuallererst wollen wir sensibilisieren, aufmerksam machen und als Frauen in verantwortungsvollen Positionen zeigen, was „über Bande“ möglich ist.

Wer nimmt denn am Symposium teil?

Dr. Heinke Conrads, Vorständin Allianz Lebensversicherung, Dr. Henriette Meissner, Vorständin Aba, Sandra Mekler, Vorständin Advertum/Managing Partner MRH Trowe, Ute Thoma, Leiterin Unternehmensvorsorgewelt, die Bayerische, Ines Freiboth, Agenturinhaberin, Martina Pophal, Ex Gründerin Mamifest und Aktuarin – und ich bin natürlich auch dabei.

Wird es nach dem German Equal Pension Symposium #1 auch ein #2 geben?

Ich hoffe es! Das Thema braucht sicher einen großen Anlauf, dann auch mit anderen Zusammensetzungen. Wichtig wird sein, auch männliche Entscheider einzuladen und sie zu mobilisieren.

Wie wichtig ist das Thema für Arbeitgeber heute und in 10, 15 Jahren?

Aktuell interessiert sich tatsächlich kaum ein Arbeitgeber für die Rente seiner Mitarbeiter. Allerdings gehen immer mehr Arbeitgeber auf das Thema Benefits, Altersversorgung und Gesundheit – weil sie sich attraktiver darstellen wollen wegen der Fachkräfte- und Bewerbersituation. Ich kann mir vorstellen, dass das Thema für Arbeitgeber in den nächsten Jahren noch zunehmen wird. Die zum Teil exorbitanten Gehaltserhöhungen werden in überschaubarer Zeit zu einer Sättigung auf einem ähnelnden Niveau führen. Dann werden die Benefits, die Zusatzleistungen, der Umgang miteinander, die gefühlt wahrgenommene Wertekultur und die passenden Entwicklungs- oder Gemütlichkeitsfaktoren entscheidender sein.

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Karen

Karen Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

kommentare
cw.3017cw@gmail.com
Vor 1 Jahr

Wie blöd sind eigentlich die Frauen? Oder für wie blöd hält man Sie?
Wir leben in einer Zeit der Helicopter- Mütter welche ihrem Nachwuchs jede Möglichkeit von Eigenentwicklung nehmen. Statt zu arbeiten kutschiert man die lieben Kleinen im Auto oder Kastenfahrrad durch die Gegend anstatt zu arbeiten. Auf die Frage, warum denn nichtwieder Vollzeit gearbeitet wird hört man regelmäßig “ICH habe mich so arrangiert und halbtags reicht doch. und die Steuer nimmt mir eh weg (verstehen die Menschen eigentlich nicht was klasse 3/5 bedeutet?) Und dann wenn die Rentenzeit kommt, ist das Geschrei gross. Sind die Frauen zz Blöd? Jeder mag seine Entscheidung treffen

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Vor 1 Jahr

Wie blöd sind eigentlich die Frauen? Oder für wie blöd hält man Sie?
Wir leben in einer Zeit der Helicopter- Mütter welche ihrem Nachwuchs jede Möglichkeit von Eigenentwicklung nehmen. Statt zu arbeiten kutschiert man die lieben Kleinen im Auto oder Kastenfahrrad durch die Gegend anstatt zu arbeiten. Auf die Frage, warum denn nichtwieder Vollzeit gearbeitet wird hört man regelmäßig “ICH habe mich so arrangiert und halbtags reicht doch. und die Steuer nimmt mir eh weg (verstehen die Menschen eigentlich nicht was klasse 3/5 bedeutet?) Und dann wenn die Rentenzeit kommt, ist das Geschrei gross. Sind die Frauen zz Blöd? Jeder mag seine Entscheidung treffen

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