Pfefferminzia: Überschwemmungen, Hagel, Stürme, sogar Tornados waren zuletzt häufig in den Medien. Wie haben sich die Elementarschäden in Deutschland entwickelt?

Hans-Gerd Coenen: Naturkatastrophen richteten 2016 bundesweit verheerende Schäden an. Ein besonderes Phänomen waren dabei Gewitterfronten, die nicht abziehen wollten und Überschwemmungen in Regionen brachten, die Hochwasser bisher nicht kannten. Regenfälle von 150 Litern in zwei Stunden waren dabei nicht selten. Auch der BGV war hier betroffen. Wir haben noch keine abschließenden Zahlen für 2016 vorliegen, aber so viel kann ich sagen: Von 2014 auf 2015 hat sich bei uns das Schadenaufkommen in der Wohngebäudeversicherung vervierfacht, in der Hausratversicherung sogar nahezu verzehnfacht.


Ist die Zahl der gegen diese Naturgewalten abgesicherten Hausbesitzer entsprechend gestiegen?

Nein, laut aktueller Zahlen des GDV sind bundesweit nur 37 Prozent aller Hausbesitzer gegen Elementarschäden versichert. Rund 11 Millionen Wohngebäude fehlt dieser wichtige Schutz. Hier hat sich nicht viel getan, was auch vielfach daran liegt, das Hausbesitzer das Risiko immer noch unterschätzen und fälschlicherweise glauben, dass sie über die Wohngebäudeversicherung bereits gegen Naturgefahren aller Art versichert sind. Zwei Drittel glauben laut einer GDV-Umfrage zudem, dass sie nie von Überschwemmungen betroffen sein werden. Und jeder Zweite hält die Elementarschadenversicherung für zu teuer.

Sollte man den Elementarschutz zu einer Pflichtversicherung machen?

Ich halte nichts von einer Pflichtversicherung in diesem Bereich. Politik, Versicherer und Vermittler müssen hier Aufklärungsarbeit leisten und die Bürger sensibilisieren. Zugegeben haben wir in Baden-Württemberg, wo die Elementardeckung zu Zeiten des Monopols Pflicht war, heute noch eine 90-prozentige Elementarabdeckung. Aber das hat eher was mit Automatismus zu tun, als mit einem vorhandenen Gefahrenbewusstsein. Wäre dieses Bewusstsein da, müssten die Hausbesitzer auch ihren Hausrat entsprechend gegen Elementargefahren absichern, was aber selbst beim BGV nur 27 Prozent der Hausbesitzer tun.