Ist Geschäftsführer des Analysehauses Zielke Research Consult: Carsten Zielke. © Zielke Research Consult GmbH
  • Von Juliana Demski
  • 21.12.2021 um 17:26
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Die Reform der deutschen Altersvorsorge steht ganz oben auf der Agenda der neuen Bundesregierung. In den Augen des Analysehauses Zielke Research Consult gehören im Zuge dessen gleich zwei Dinge abgeschafft: der Garantie- sowie der Verrentungszwang. Produkte wie die Riester-Rente hätten in Zeiten von Niedrigzinsen und einer steigenden Lebenserwartung ausgedient, so Carsten Zielke.

„In Zeiten der Niedrig- oder gar Negativzinsen hat die Riesterrente ausgedient“, findet Carsten Zielke, Geschäftsführer des Analysehauses Zielke Research Consult. Denn Riester sehe vor, das Kapital zu erhalten und zu verrenten – eine Auszahlung des gesamten angesparten Riester-Kapitals ist zwar möglich, aber mit erheblichen Nachteilen verbunden, weil dann die staatliche Förderung komplett zurückgezahlt werden müsste. Versicherer müssten somit das Geld in festverzinsliche Papiere investieren, um das Kapital zu erhalten – und das führe zu Verlusten beim Versicherungsnehmer, meint Zielke.

Für seine These stützt sich Zielke auf Berechnungen: Für 100 eingezahlte Euro bekomme ein Riester-Kunde demnach nur 110,30 Euro zurück. Und: „Bei jährlich 100 eingezahlten Euro ergibt sich nach 35 Jahren ein Kapital von 4.820,63 Euro.“ Hinzu komme dann noch die Inflation; bei 2 Prozent bleibe demnach ein Realwert von nur 2.410,45 Euro übrig. Hinzu käme, dass die Versicherer aktuell von einer Lebenserwartung von 93 Jahren bei Riester-Rentenbeziehern ausgehe – trotz einer tatsächlichen Lebenserwartung von 76,6 Jahren bei Jungen und 83,4 Jahren bei Mädchen, wie Zielke anmerkt.

„Verrentungszwang aufheben“

Für die Analysten von Zielke Research ist die Sache klar: „Um eine angemessene Rendite zu erzielen, sollte die Regierung den Verrentungszwang aufheben und den Auszahlungsplan bis zum 85. Lebensjahr festlegen“, so die Forderung. „Für eine längere Lebenszeit des Einzelnen müsste die Gemeinschaft aus Steuergeldern aufkommen. Das wäre effizienter. Von einer Abschaffung des Verrentungszwangs würde nicht nur der Kunde, sondern auch der Versicherer profitieren, wenn Lebensversicherer sich an diesem Markt beteiligen wollen.“

Als positiver Nebeneffekt würde sich auch die Solvenz der deutschen Lebensversicherer um den Faktor 1,6 bis 2,0 verbessern, schreiben die Experten weiter. Der Altersvorsorgemarkt würde so für die Bürger attraktiver, das Risiko für den Staat geringer. Hinzu komme, „dass durch das erhöhte Vertrauen auch Kapitalströme gezielt für den Klimaschutz eingesetzt werden können, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen“, wie es weiter heißt.

Zielke ist außerdem der Meinung, dass die „verstaubte HGB-Rechnungslegung“ wie in den meisten EU-Ländern durch die ökonomischere IFRS-Rechnungslegung ersetzt werde. Dies würde es den Versicherern ermöglichen, mehr in Realwerte wie Aktien zu investieren, so die Empfehlung.

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Juliana Demski

Juliana Demski ist seit 2021 Junior-Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört sie seit 2016 an.

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