Wer einen Fernseher oder einen Computer kauft, bekommt über die gesetzliche Gewährleistung hinaus im Fachgeschäft meist auch eine zusätzliche längerfristige Garantie des Herstellers angeboten. Der Verkäufer nennt den Preis und der Kunde kann ihn zur Leistung in Relation setzen und eine sinnvolle individuelle Entscheidung treffen.

In der Altersvorsorge und Geldanlage geht das nicht, denn hier fehlt dem Kunden eine wesentliche Größe. Der tatsächliche Preis für eine Garantie ist unbekannt. Auch dem Vermittler, denn die Branche deckt einen Mantel des Schweigens darüber.


Die Deutschen sind traditionsgemäß sehr sicherheitsorientiert und halten auch in der privaten Altersvorsorge gern an Garantien fest. Das ist fatal, denn mit sinkendem Zinsniveau sind diese in den Produkten versteckten Kosten erheblich gestiegen. „Vor 15 Jahren waren Garantien noch einfacher darzustellen, bei einem Zinsniveau unter 2 Prozent ergibt sich jedoch ein äußerst unattraktives Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Frankfurt School of Finance & Management.     

Der Wissenschaftler hat den Zusammenhang zwischen Zinsniveau und Garantiekosten bei der Geldanlage gegen Einmalbetrag analysiert und wurde selbst überrascht von dem gravierenden Ergebnis: „Je länger die Anlagedauer ist, desto höher fallen die Garantiekosten aus. Die Kosten liegen dabei bei langen Laufzeiten bei einem Vielfachen der eingezahlten Anlagebeträge“, so Stotz. Zudem gelte: Je niedriger die Zinsen sind, desto teurer wird eine Garantie, die 100 Prozent der eingezahlten Beiträge garantiert.

Garantiekosten schmälern Ertrag

Stotz hat die Garantiekosten über einen Opportunitätskostenansatz für verschiedene Anlegertypen und Anlagesummen ermittelt. Er verglich eine Anlage mit 100-prozentiger Garantie und eine Anlage ohne Garantie mit Anlage in Aktien und Renten und einem mittleren Risiko.