Aufräumarbeiten im saarländischen Kleinblittersdorf: Versicherer müssen auf Extremwetter reagieren © picture alliance/dpa | Andreas Arnold
  • Von Sabine Groth
  • 21.05.2024 um 13:51
artikel drucken artikel drucken
lesedauer Lesedauer: ca. 01:15 Min

Mit zunehmenden Extremwetterereignissen steigen die Kosten für Versicherer. Können sich diese überhaupt noch ausreichend gegen diese Kumulrisiken absichern? Das wollte die Bafin wissen und fragte bei den Versicherern nach.

Ob Starkregen mit Überschwemmungen, verheerende Stürme oder Waldbrände – mit dem Klimawandel steigt die Zahl der Naturkatastrophen, auch Deutschland ist betroffen. Nicht nur die Bevölkerung, sondern ebenfalls die Versicherer, die solche Risiken absichern. Für die Finanzaufsicht Bafin ist das Grund genug, 176 deutsche Erst- und Rückversicherer, die einem Naturkatastrophenrisiko ausgesetzt sind, zu ihrer Situation zu befragen. Analysiert wurden unter anderem die Rückversicherungsstruktur sowie der Einfluss des Starkregentiefs „Bernd“ im Sommer 2021 auf die Prämien. Die Ergebnisse der Analyse wurden in einem Beitrag im Bafin-Journal zusammengefasst.

Beruhigend: Bis auf einige Ausreißer beurteilen die befragten Erst- und Rückversicherer ihre passive Rückversicherungsstruktur, unter anderem im Hinblick auf die beim Starkregentief 2021 regional gehäuft aufgetretenen Schäden, als angemessen. Eine ganze Reihe hat die Rückversicherungsstruktur angepasst oder plant das noch, um vor allem bei Kumulschäden, also bei geballt auftretenden Schadensfällen, einen höheren Rückversicherungsschutz zu erreichen.

Weniger beruhigend: Es wird teurer, und zwar nicht nur für die Versicherer. Die Kosten für den Rückversicherungsschutz sind deutlich gestiegen. Die Versicherer müssen hierfür nun 20 bis mehr als 70 Prozent mehr zahlen. Preistreibend wirken gleich mehrere Faktoren. Erstens die höhere Nachfrage nach Rückversicherungsschutz, insbesondere nach Flutdeckungen. Zweitens ziehen sich einige Rückversicherer aus speziellen Naturkatastrophen-Deckungen zurück. Und drittens kommt die Inflation hinzu.

Viele Erstversicherer geben daher in der Bafin-Umfrage an, in den betroffenen Versicherungszweigen die Preise bereits erhöht zu haben oder dies zu planen. Im Hinblick auf die künftige Schadenserwartung und die teureren Rückversicherungen würden die Prämien nicht mehr reichen. Wermutstropfen: Die Preise für die Versicherungskunden steigen nicht so stark wie die Kosten der Versicherer für den Rückversicherungsschutz. Und einen Kapazitätsengpass im Erst- und Rückversicherungsmarkt für die Absicherung von bei Naturkatastrophen gehäuft auftretenden Schäden sehen die befragten Versicherer nicht – sofern die gestiegenen Preise akzeptiert werden.

autorAutorin
Sabine

Sabine Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

kommentare

Hinterlasse eine Antwort