Pfefferminzia Logo rgb
Redakteuer Andreas Harms fragt sich, wer das alles eigentlich bezahlen soll © Pfefferminzia
  • Von Andreas Harms
  • 06.03.2024 um 08:23
artikel drucken artikel drucken
lesedauer Lesedauer: ca. 02:55 Min

Die Diskussion um die gesetzliche Rente spielt sich zu sehr auf Seiten der Rentner ab. Nicht fair, findet Redakteur Andreas Harms und schiebt reichlich Frust. Deshalb nutzt er – dem Rat eines Lesers folgend – die Mathematik und rollt das Problem in mehrere Richtungen aus.

Unser Leser mit dem Kürzel MCS hat es sehr treffend ausgedrückt: „Schade, dass die Diskussionen immer wieder die sachliche Grundlage verlieren.“ Und dann verweist er oder sie auf „die unbestechliche Mathematik“. Hintergrund ist die Kritik an dem Sozialwissenschaftler Bernd Raffelhüschen, der kürzlich eine Nullrunde bei den Renten vorschlug (mehr dazu hier).

Doch nun möchte ich einmal die unbestechliche Mathematik bemühen. Die Gleichung für die Zukunft der Rente besteht aus diesen Variablen:

  • Rentenhöhe
  • Beitragshöhe
  • Bundeszuschuss
  • Eintrittsalter in die Rente

Und aus der Welt der Demografie die nur mit sehr bösem Willen (und damit praktisch gar nicht) beeinflussbaren Faktoren:

  • Lebensdauer (steigt)
  • Zahl der Rentner (steigt)
  • Zahl der Beitragszahler (sinkt)

Die mathematisch unumstößliche Grundannahme lautet auch: Nur was ich einnehme, kann ich auch ausgeben. Was Rentner bekommen, muss also auch jemand bezahlen. So weit zu den Fakten.

Nun hat unser Arbeitsminister Hubertus Heil ein paar Variablen für nahe Zukunft zu Konstanten erklärt:

  • Die Rentenhöhe soll nicht unter 48 Prozent sinken
  • Das Eintrittsalter soll nicht über 67 Jahre hinaus steigen

Damit bleiben nur noch Beiträge und Bundeszuschuss, die diese Rechnung im Gleichgewicht halten können. Doch hier endet die sachliche Ebene erst einmal.

Denn um einmal kurz emotional werden zu dürfen: Beides dürfen meine Generation (Jahrgang 75) und die nachfolgenden blechen. Direkt über die Beiträge und indirekt über Steuern. Schon heute liegt der Zuschuss laut Finanzminister Christian Lindner bei mehr als 100 Milliarden Euro und damit fast einem Viertel des Etats.

Jetzt haben Lindner und Heil das Rentenpaket II vorgestellt. Doch das ändert am gesamten Konflikt: nichts. Denn das Generationenkapital kann frühestens in den Dreißigern was beitragen, und alles andere ist nicht neu. Und Heil hat die Konstanten sogar noch bestätigt.

Die heutigen Rentner haben sich eine Rente verdient

Natürlich hat er emotional betrachtet recht, wenn er sagt, dass sich Rentner ihre Rente verdient haben. Sachlich betrachtet müsste es aber heißen: Die heutigen Rentner haben sich eine Rente verdient. Denn tatsächlich bezahlt haben sie die Rente der früheren Rentner. Umlageverfahren, wir erinnern uns, Generationenvertrag: Nicht jeder spart etwa für sich, sondern die Jüngeren zahlen für die Älteren.

Wenn Heil gutmütig die Renten erhöht, begründet er das gern mit dem „robusten Arbeitsmarkt“ und der guten Einnahmesituation. Damit denkt er aber nicht besonders weit. Er bürdet jetzt den Beitragszahlern Kosten auf, die sich nicht zurückdrehen lassen, sich aber jedes Jahr auf weniger Schultern verteilen. Danke, Herr Heil!

Seite 2: Bei der Rente gilt die Weisheit: „Der Teufel sch**** immer auf den größten Haufen.“

autorAutor
Andreas

Andreas Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

kommentare
Norbert Wichmann
Vor 5 Monaten

Die “Babyboomer“ sind nicht alleine ursächlich für das sich anbahnende Rentendesaster in den nächsten Jahren! Jetzt schlagen ebenso die seit Jahrzenten aufgelaufenen “Fremdentnahmen” von ca. 1 Billionen Euro aus der Rentenkasse voll durch. Aber das wird weder von der Politik noch von den Medien heute noch erwähnt.
Halbherzig reagiert jetzt die Ampel-Regierung, weil keiner den Mut hat, ein durchgängiges Konzept auszuarbeiten und umzusetzen, in das ALLE einzahlen, ALLE später gleiche Rentenansprüche haben, das Renteneintrittsalter, die Rentenbezüge, sowie die Rentenbeiträge, mit einzubinden.

So wird die Rente gegen die Wand gefahren, von Politikern, die von diesen Auswirkungen nicht betroffen werden und sich mit den Beamten auf eine tolle Pension freuen dürfen.

Hinterlasse eine Antwort

kommentare
Norbert Wichmann
Vor 5 Monaten

Die “Babyboomer“ sind nicht alleine ursächlich für das sich anbahnende Rentendesaster in den nächsten Jahren! Jetzt schlagen ebenso die seit Jahrzenten aufgelaufenen “Fremdentnahmen” von ca. 1 Billionen Euro aus der Rentenkasse voll durch. Aber das wird weder von der Politik noch von den Medien heute noch erwähnt.
Halbherzig reagiert jetzt die Ampel-Regierung, weil keiner den Mut hat, ein durchgängiges Konzept auszuarbeiten und umzusetzen, in das ALLE einzahlen, ALLE später gleiche Rentenansprüche haben, das Renteneintrittsalter, die Rentenbezüge, sowie die Rentenbeiträge, mit einzubinden.

So wird die Rente gegen die Wand gefahren, von Politikern, die von diesen Auswirkungen nicht betroffen werden und sich mit den Beamten auf eine tolle Pension freuen dürfen.

Hinterlasse eine Antwort

Pfefferminzia Logo rgb
Suche
Close this search box.
Zuletzt hinzugefügt
Zuletzt hinzugefügt
„Schadenbearbeitung war immer wie ein Wurmfortsatz“
„Lass mal reden“ mit Sami Charaf Eddine (Claimflow)

„Schadenbearbeitung war immer wie ein Wurmfortsatz“

„Wie willst du denn 1 Million Versicherte individuell ansprechen?“
„Lass mal reden“ mit Ingo Gregus (Adesso Digitalagentur)

„Wie willst du denn 1 Million Versicherte individuell ansprechen?“

Zuletzt hinzugefügt
Vermittler müssen und wollen sich weiterbilden
AfW-Vermittlerbarometer: Nachhaltigkeit

Vermittler müssen und wollen sich weiterbilden

Die besten Maßnahmen, mit denen Versicherer Maklern helfen
OMGV Award für Maklerunterstützung 2023

Die besten Maßnahmen, mit denen Versicherer Maklern helfen

Zuletzt hinzugefügt
„In fünf Jahren sterben Online-Abschlussstrecken aus“
„Lass mal reden“ mit Ralf Pispers, Personal Business Machine (PBM)

„In fünf Jahren sterben Online-Abschlussstrecken aus“

„80.000 Impats pro Jahr könnten sich sofort privat versichern“
„Lass mal reden“ mit Kabil Azizi (Gothaer)

„80.000 Impats pro Jahr könnten sich sofort privat versichern“

Zuletzt hinzugefügt
„In fünf Jahren sterben Online-Abschlussstrecken aus“
„Lass mal reden“ mit Ralf Pispers, Personal Business Machine (PBM)

„In fünf Jahren sterben Online-Abschlussstrecken aus“

„Es gibt kaum Branchen, die eine höhere Verantwortung tragen“
Interview-Reihe 'Mit Vision – Auf dem Weg zum Unternehmer'

„Es gibt kaum Branchen, die eine höhere Verantwortung tragen“

Skip to content