Kommt er nun und wenn ja, wie? Das Hick-Hack um den Provisionsdeckel in der Lebensversicherung steht aus Sicht vieler Branchenteilnehmer auf der nach oben offenen Nerv-Skala längst auf einer Stufe mit dem Brexit. „Der Deckel geistert wie der Brexit seit zwei Jahren durch die Debatte“, erläuterte Marc Surminski, Chefredakteur der Zeitschrift für Versicherungswesen, am Donnerstagabend seinen Vergleich – in Berlin begrüßte der Moderator mit gewohnt launigen Worten das Fachpublikum sowie die sieben namhaften Diskussionsteilnehmer auf dem Podium.

Das Thema der Veranstaltung, zu dem der Versicherer Standard Life ins Berliner Haus der Bundespressekonferenz eingeladen hatte, lautete: „Finanzberatung 2025 – welche (regulatorischen) Veränderungen auf Makler und Kunden zukommen werden. 

Und es ging dann auch gleich ohne Warmlaufen zur Sache. „Die große Koalition ist sich in einem ganz wesentlichen Punkt nicht einig“, fasste CDU-Finanzexperte Carsten Brodesser den aktuellen politischen (Still)stand in Sachen Deckel zusammen. Man habe hier einen „Dissens“, so Brodesser. Auf die Frage, ob der Deckel denn nun käme oder nicht, räumte er ein: „Ich weiß es nicht.“ Zugleich betonte er, dass es die SPD „vergessen“ könne, dass sich die Union auf den derzeit vorliegenden Referentenentwurf des Finanzministeriums verständigen würde. Man sei nicht dafür da, Gesetze zu schaffen, die keiner brauche, ergänzte der Bundestagsabgeordnete, der die CDU im Finanzausschuss vertritt.

Carsten Brodesser (CDU).

Das Publikum, dem zum Großteil Versicherungsmakler angehörten, dürfte Brodessers klare Positionierung mit Erleichterung aufgenommen haben – zumal er zeigte, dass er auch mit den aktuellen Zahlen, die im Markt kursieren, vertraut ist. So warnte der CDU-Mann vor Bürokratiekosten im dreistelligen Millionenbereich, die nicht gerechtfertigt seien, wenn die Vergütung in der Lebensversicherung ohnehin schon auf unter vier Prozent gesunken sei. Brodesser warb stattdessen dafür, die Versicherer in die Pflicht zu nehmen, wenn es zu Provisionsexzessen kommen sollte – diese sollten sich im Bedarfsfall bei der Finanzaufsicht Bafin melden (wir berichteten). Dies sei „ein gangbarer Weg“, so der Finanzexperte.