Christian Geier, ist Vorstand der FP Finanzpartner AG und dort unter anderem zuständig für die Produktauswahl und Sicherung der Beratungsqualität. © FP Finanzpartner
  • Von Redaktion
  • 03.12.2019 um 11:10
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lesedauer Lesedauer: ca. 03:20 Min

Im Dschungel der Versicherungstarife ist es schwierig, die Perlen zu finden. Daher starten wir eine neue Serie: Jeden Monat stellt unser Gastautor Christian Geier, Vorstand der FP Finanzpartner AG und dort unter anderem zuständig für die Produktauswahl, in seiner Kolumne ein Produkt vor, und gibt seinen Senf dazu. Los geht‘s mit dem „Congenial privat C78“…

Hinweis: Die Artikel dieser Serie spiegeln die Meinung des Autors nach sorgfältiger Prüfung des Tarifs wider. Sie sind als Impuls für Vermittler gedacht, sich näher mit den vorgestellten Produkten zu befassen, entbinden die Leser aber nicht von einer eigenständigen Analyse und Bewertung der Tarife. Andere Meinung sind herzlich willkommen, nutzen Sie dazu einfach das Kommentarfeld unter den Artikeln.

Länger als zehn Jahre ist es jetzt her, dass das Produktinformationsblatt (PIB) in Deutschland eingeführt wurde. Und man will sich gar nicht ausmalen, mit welch vogelwilden Kostenstrukturen die Altersvorsorgetarife davor oftmals ausgestattet waren. Abermillionen davon schwirren übrigens noch herum.

Im Gegensatz zum neuen Basisinformationsblatt (BIB) sind die Informationen auf dem PIB nämlich in der Praxis verwertbar. Ein Blick ins BIB gefällig?

„Wenn Sie den Vertrag nach 30 Jahren einlösen, beträgt die Höhe der Gesamtkosten 5.743,92 Euro bis 22.014,77 Euro.“

Das ist eine ziemlich unnütze Botschaft, wird aber noch getoppt von der „Auswirkung auf die Rendite pro Jahr (Reduction in Yield): 1,17 Prozent bis 3,73 Prozent“.

Das sind Originalpassagen aus dem BIB des Condor Congenial privat C78 E, der neuen fondsgebundenen Rentenversicherung. Aussagekraft: ziemlich nahe 0. Gerade die Reduction in Yield ist doch Schönfärberei. Der Kunde will wissen, was am Ende im Vertrag ist. Fertig.

Und da kommt das PIB gerade recht. Da steht beim gleichen Tarif (32 Jahre Laufzeit/Beitragszahlungsdauer und 100 Euro monatlicher Beitrag):

  • Abschlusskosten: 2,5 Prozent (auf die Beitragssumme)
  • Verwaltungskosten: 4 Prozent (auf jeden Beitrag)
  • Versicherungsmantelkosten: 0,564 Prozent pro Jahr (auf das Vertragsvermögen)
  • Fondskosten (Easy Mix dynamisch): 0,289 Prozent pro Jahr (auch auf das Vertragsvermögen)

Mit einer geeigneten Software kommt man zu dem Ergebnis, dass die Kostenbelastung über die Laufzeit bei 5 Prozent Fondsrendite bei 10.100 Euro liegt und am Ende mehr als 72.000 Euro für die Verrentung zur Verfügung stehen.

Wer nun als Vergleich einen Robo-Advisor wie den Markführer Scalable gegenüberstellt, der eine Gebühr von 0,75 Prozent pro Jahr für die Verwaltung erhebt auf das Fondsvermögen und noch einmal 0,19 Prozent für die ETFs, der bekommt als Ergebnis, dass hier Kosten von 9.200 Euro am Ende stehen. Also gerade einmal 900 Euro weniger als bei der fondsgebundenen Rentenversicherung der Condor.

Wenn man nun ins Kalkül zieht, dass durch Fondswechsel in der Ansparphase beim Robo auch noch Abgeltungssteuer anfällt und die Verrentung über einen Auszahlplan mit negativem Cost-Average-Effekt abläuft und schon gleich gar nicht lebenslang ist, dann stellt sich schon die Frage, warum man das für die Altersversorgung empfiehlt – was leider in Nicht-Fach-Publikationen oft genug passiert. Versicherungen sind halt böse…

kommentare
Richard Weber
Vor 6 Tagen

Als Ergänzung zu dem Artikel,
die Kosten sind bei 0,047% pro Monat, also 0,564% pro Jahr
und das PIB gibts nur bei Riester und Rürup, bei einem Privatvertrag wie dem C78 gibts nur das BIB

Christian Geier
Vor 6 Tagen

Hallo Herr Weber, danke für den Hinweis. Das mit den Kosten war tatsächlich ein Fehler und wird im Text korrigiert (die Kosten belaufen sich so auf 700 € mehr bei der Condor über die gesamte Laufzeit). Auch das mit PIB und BIB ist korrekt. Ich meinte tatsächlich das PIB der ersten Stunde aus dem Jahr 2008 als Ausfluss der VVG-Informationspflichtverordnung. Seit 2017 gilt die Bezeichnung PIB offiziell nur mehr für zertifizierte Altersversorgungs- und Basisrentenverträge. Die Angaben aus dem alten PIB sind aber nach wie vor da und m.E. maßgeblich. Bei der Condor stehen sie in den „Verbraucherinformationen“. Sehr babylonisch das alles, aber sehr aufmerksam von Ihnen, Herr Weber. Schöne Grüße, C. Geier

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Richard Weber
Vor 6 Tagen

Als Ergänzung zu dem Artikel,
die Kosten sind bei 0,047% pro Monat, also 0,564% pro Jahr
und das PIB gibts nur bei Riester und Rürup, bei einem Privatvertrag wie dem C78 gibts nur das BIB

Christian Geier
Vor 6 Tagen

Hallo Herr Weber, danke für den Hinweis. Das mit den Kosten war tatsächlich ein Fehler und wird im Text korrigiert (die Kosten belaufen sich so auf 700 € mehr bei der Condor über die gesamte Laufzeit). Auch das mit PIB und BIB ist korrekt. Ich meinte tatsächlich das PIB der ersten Stunde aus dem Jahr 2008 als Ausfluss der VVG-Informationspflichtverordnung. Seit 2017 gilt die Bezeichnung PIB offiziell nur mehr für zertifizierte Altersversorgungs- und Basisrentenverträge. Die Angaben aus dem alten PIB sind aber nach wie vor da und m.E. maßgeblich. Bei der Condor stehen sie in den „Verbraucherinformationen“. Sehr babylonisch das alles, aber sehr aufmerksam von Ihnen, Herr Weber. Schöne Grüße, C. Geier

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