„Wir haben bereits bis Mitte Juli mehr als 40 Millionen Euro an Schadenzahlungen geleistet“, erklärt Wolfgang Hanssmann, Vorstandsvorsitzender der HDI Vertriebs AG, die aktuelle Lage in der Betriebsschließungsversicherung. Und damit sei man „noch lange nicht am Ende“. © HDI
  • Von Lorenz Klein
  • 24.08.2020 um 06:51
artikel drucken artikel drucken
lesedauer Lesedauer: ca. 04:05 Min

Man müsse „zu dem stehen, was schriftlich vereinbart wurde“, verteidigt Wolfgang Hanssmann, Vorstandsvorsitzender der HDI Vertriebs AG, seine kundenfreundliche Haltung in der Betriebsschließungsversicherung (BSV). Im Interview erklärt er, wie HDI coronabedingte Betriebsschließungen trotz steigender Infektionszahlen auch in Zukunft versichern will – und warum der Versicherer die BSV nun sogar für weitere Branchen öffnet.

Pfefferminzia: Der Versicherungsverband GDV hat jüngst eine umfassende Reform in Sachen BSV vorgeschlagen und dabei auch den Staat – gewissermaßen als letzte Leistungsinstanz – ins Spiel gebracht. Was halten Sie von dem Konzept?

Hanssmann: Die Schließung einzelner oder weniger Betriebe lässt sich nach meiner Überzeugung sehr gut privatwirtschaftlich absichern. Nicht aber die flächendeckende Schließung ganzer Wirtschaftszweige. Wenn der Staat diese Ultima Ratio zum Schutz seiner Bürger ergreift, ist er auch gefordert, die Folgen für die Betroffenen so weit wie möglich abzumildern. Wir dürfen dabei nicht vergessen: Der Staat sind wir alle. Es geht also darum, eine gesamt-gesellschaftliche Herausforderung auch gesamt-gesellschaftlich zu tragen. Wir unterstützen daher ausdrücklich die Initiative des GDV.

Pfefferminzia: Manche meinen, dass die BSV nach dem jüngsten PR-Gau der Branche in Zukunft kaum noch zu verkaufen sei – sie selbst haben nun allerdings sogar das Produkt auf andere Branchen ausgeweitet. Was können wir hier erwarten?

Hanssmann: Ja, wir haben jetzt die Betriebsschließungsversicherung für eine Vielzahl gewerblicher Branchen geöffnet. Nun können sich auch Händler, Friseure, Handwerksbetriebe oder das produzierende Gewerbe gegen die Folgen einer Betriebsschließung bei der HDI Versicherung absichern. Das gilt auch für Freiberufler wie Rechtsanwälte, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer. Die bisherige Resonanz zeigt, dass hier hoher Bedarf besteht.

Unternehmen, egal aus welcher Branche, künftig nicht gegen Betriebsschließung zu versichern, ist nach meiner Einschätzung fahrlässig. Denn Betriebsschließungen aufgrund von Infektionen sind – und das ist vielen aufgrund der aktuellen Pandemie erst wirklich bewusst geworden – ein reales Risiko, dessen Absicherung für ein Unternehmen existenziell sein kann. Was bis vor kurzem undenkbar war, kann jederzeit als zweite Welle wiederkommen oder künftig durch neue Erreger ausgelöst werden.

In der Bekämpfung der Corona-Pandemie sieht man aktuell die Tendenz, dass Behörden nicht mehr flächendeckend schließen, sondern gezielt gegen die Hotspots vorgehen. Da wo wirklich eine Infektion vorliegt. Das kann jedes Unternehmen treffen. Und eventuelle staatliche Entschädigungsleistungen zum Beispiel nach dem Infektionsschutzgesetz bei Einzelschließungen sind an eine Reihe von Bedingungen geknüpft. Außerdem ersetzen sie allenfalls teilweise die Arbeitsentgelte. Deswegen bin ich mir sicher, dass wir mit der Öffnung genau das richtige Signal setzen. Als Spezialist für Firmenversicherungen und die Freien Berufe ist die HDI Versicherung Vorreiter in diesem Bereich und wird damit ihrer Bedeutung als zuverlässiger Partner kleiner und mittelständischer Unternehmen gerecht.

autorAutor
Lorenz

Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

smiley-icon

achtung: Sie nutzen einen veraltete Version des Internet Explorer und daher kann es eventuell zu fehlerhaften Darstellungen kommen. Wir empfehlen den Internet Explorer zu aktualisieren oder Google Chrome zu nutzen.

verstanden!