35 Prozent der Pflegebedürftigen in Heimen sind auf Sozialhilfe angewiesen, wie eine Studie zeigt. © picture alliance/dpa | Sina Schuldt
  • Von Manila Klafack
  • 25.08.2021 um 11:23
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Die Reform der Pflegeversicherung, die zum Großteil am 1. Januar 2022 in Kraft tritt, wird die Probleme der Pflegeversicherung langfristig nicht lösen, sagte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Bereits jetzt sind laut der Krankenkasse mehr als ein Drittel der Pflegebedürftigen in Heimen auf Sozialhilfe angewiesen – und dieser Anteil werde sich durch die Reform nicht verringern. Auch die Eigenanteile dürften demnach weiter steigen.

Derzeit ist über ein Drittel der Pflegebedürftigen von Sozialhilfe abhängig. Mit rund 35 Prozent erreicht dieser Anteil ein neues Rekordniveau – und das trotz Reform der Pflegeversicherung. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Bremer Pflegeökonoms Heinz Rothgang im Auftrag der DAK-Gesundheit.

Das sei der höchste Wert seit Einführung der Pflegeversicherung Mitte der 1990-er Jahre. Es sei auch nicht absehbar, dass sich die Situation durch die Pflegereform mittelfristig ändere. Sie würde lediglich kurzfristig die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen entlasten. Grundsätzlich würden jedoch viele Pflegebedürftige in Heimen auf Sozialhilfe angewiesen sein.

Außerdem drohe in der Pflegeversicherung eine reformbedingte Deckungslücke in Höhe von 1,1 Milliarden Euro, die sich auf 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2025 erhöhen werde. „Die Entwicklungen in der Pflegeversicherung sind alarmierend“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Die Pflegeversicherung kann trotz der jüngsten Reform ihren eigenen Anspruch, pflegebedingte Sozialhilfeabhängigkeit zu verhindern, zunehmend weniger erfüllen“, so Storm weiter.

Reform löst nur kurzfristig Probleme

Die Probleme der finanziellen Überlastung der Pflegebedürftigen und ihrer Familien sei durch die Reform nicht zu lösen. Die neuen Leistungszuschläge würden nur zu einer kurzfristigen Entlastung führen, den weiteren Anstieg der Eigenanteile aber nicht begrenzen. Nach wie vor sei es unmöglich vorherzusagen, wie hoch bei einer Pflegebedürftigkeit der Eigenanteil sein werde.

„Gezielte Vorsorge ist daher weiterhin nicht möglich“, macht Storm klar. Die in der Pflegereform beschlossenen Leistungszuschläge seien zudem so niedrig angesetzt, dass sie im Durchschnitt nicht einmal in der Lage seien, die reformbedingten Anstiege der Pflegesätze zu kompensieren – geschweige denn die Eigenanteile zu senken. „Diese Reform ist eine ‚Pflegereform light‘. Wir brauchen dringend verlässliche und finanzierbare Heimkosten für Pflegebedürftige“, betont der DAK-Chef.

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Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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Pflegebedürftigkeit – so schnell kann‘s gehen – ein Praxisfall
Vor 4 Wochen

[…] weniger erfüllen“, so Storm weiter. So die DAK in einem kürzlich erschienen Beitrag zur […]

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