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Norbert Porazik, Mit-Geschäftsführer von Fonds Finanz, auf der Hauptstadtmesse: Notartermin bis nachts halb vier © Pfefferminzia
  • Von Andreas Harms
  • 14.09.2022 um 12:05
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lesedauer Lesedauer: ca. 02:25 Min

In seinem Vortrag auf der Hauptstadtmesse geht der Mit-Geschäftsführer von Fonds Finanz, Norbert Porazik, auf den neuen Miteigentümer des Maklerpools ein: Hg Capital. Vieles sei jetzt einfacher, so seine Botschaft, und man habe viel vor. Und Nachteile? Zwei findet er dann immerhin doch.

Ist das tatsächlich Party-Mucke, die da aus dem Handy tönt? Vielleicht. Auf jeden Fall ist es ein ziemlich flotter Rhythmus, und so zufällig zur genau richtigen Zeit, dass es schon fast nicht mehr wie ein Zufall wirken will. Denn tatsächlich hat Norbert Porazik nur Sekunden davor gesagt: „War ich heute Party machen? Nee, ich war beim Notar.“ Und dann: Auftritt Handy. Hübscher Moment, souverän gelöst.

Doch irgendwie passt er ins Bild, das der Mit-Geschäftsführer des Maklerpools Fonds Finanz an diesem Dienstagvormittag auf der Hauptstadtmesse im Estrel Congress Center zu Berlin vermittelt. Der virtuelle Krawattenknoten ist gelöst beziehungsweise war gar nicht erst geschnürt. Porazik plaudert über den Pool und dessen Übernahme durch den Private-Equity-Investor Hg Capital und sagt Sätze wie: „Ist bei uns alles tutti? Bei uns ist immer alles tutti.“

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Er lässt keinen Zweifel daran, dass er mit dem neuen Miteigentümer Hg Capital sehr glücklich ist. Denn das ist sein Hauptthema in diesem Vortrag. Der Private-Equity-Investor aus Großbritannien hat kürzlich 60 Prozent von Fonds Finanz übernommen. Hat er damit auch die Macht? Porazik verneint das. „Sie haben uns fachlich noch kein einziges Mal in Entscheidungen reingeredet“, sagt er. Stattdessen bringen sie offenbar eine gewisse finanzielle Potenz mit und damit auch neue Freiheiten. Denn Fonds Finanz darf nun jedes Jahr bis zu eine Milliarde Euro für Zukäufe ausgeben, ohne Hg fragen zu müssen.

Eine Möglichkeit, die der Poolchef nutzen will. „Wir planen viele Übernahmen“, kündigt er an, gibt aber zugleich die Devise aus: „Jede davon muss unser Leistungsspektrum erweitern. Wir schließen gerade sehr viele Lücken, auch noch in diesem Jahr.“ Neue Sparten wolle man eröffnen beziehungsweise abdecken, erklärt er weiter. Und eine spartenübergreifende Plattform soll entstehen. Klingt, als läge noch etwas Arbeit vor ihm.

Porazik und Kiener haben Vorkaufsrecht

Eine ihm wohl recht oft gestellte Frage dreht sich darum, was passiert, wenn Hg die Fonds-Finanz-Anteile wieder verkauft. Zunächst betont Porazik, dass die Investoren langfristig denken und somit entsprechend lange dabei bleiben wollen. Sollte es doch passieren, dürfen er und Miteigentümer Markus Kiener zum selben Preis zurückkaufen oder direkt weiterverkaufen. Das soll verhindern, dass Hg die Anteile an irgendjemand anderen unter Wert verscherbelt.

Irgendwann geht er auf seinen Alltag als Firmenkäufer ein. „Ich darf regelmäßig mit anderen Unternehmen reden“, sagt Porazik, das sei eine große Erweiterung seines Geschäftsfelds. Und eine, die ihm Freude bereitet. Auch wenn die Notartermine nicht ganz ohne sind. Einer davon ging mal bis nachts halb vier. Er sei müde nach Hause gekommen und habe sich dann diese eingangs erwähnte Frage gestellt: „War ich heute Party machen? Nee, ich war beim Notar.“ Fühlte sich offenbar ähnlich an.

Zwei Nachteile gibt es wohl

Vorteile also, wohin man nur schaut … und die Schattenseiten des Deals? Als die Folie dazu auf der Leinwand erscheint, prangt dort nur ein großes, blaues Fragezeichen (vielleicht ist es auch türkis). Und Porazik denkt laut nach und macht dabei klar, dass zumindest er selbst keine größeren Nachteile erkennen kann. Ach, am Ende sind es doch zwei:

  • Wenn Fonds Finanz über die Flatrate von einer Milliarde Euro hinaus im größeren Stil zukaufen will, gucken die Hg-Leute mit drauf. Für einen wie Porazik („Ich bin ein eher spontaner Typ“) sicherlich zunächst ein Bremsklotz. Andererseits … und das räumt er freimütig ein … ist es auch ganz gut, wenn noch ein anderer auf solche Aktionen mit draufschaut. Es ist ein bisschen wie beim Bummel in der Innenstadt, wenn die Begleitung die Hälfte der Spontankäufe durch unbequeme Fragen („Brauchst du das wirklich?“) aushebelt.
  • Und der zweite Nachteil ist ein finanzieller und eher persönlicher. „Ich bekomme nur noch 24 Prozent des Gewinns, und nicht mehr 60 Prozent“, sagt Porazik.

Und wenn das wirklich alle Nachteile sind, dann ist ja alles tutti.

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Andreas Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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