Es diskutierten Markus Willmes, Leiter Produktmanagement Vorsorge von Axa; Guido Bader, Vorstand Leben und Mathematik der Stuttgarter; Björn Bohnhoff, Leiter betriebliche Altersvorsorge bei Zurich; Mathias Clemens, Leiter Maklerdirektion Nord der Bayerischen und Claus Mischler, Leiter Produktentwicklung Standard Life.

Pfefferminzia: Welches ist das Altersvorsorgeprodukt der Zukunft?

Markus Willmes: Ich bin überzeugt, dass Fondspolicen und hybride Produkte mit höherem Fondsanteil das Neugeschäft in Zukunft dominieren werden. Garantien bleiben dabei ein Bestandteil der Produkte, aber in verändertem Umfang.  

Guido Bader: Die Klassik, wie wir sie heute kennen, ist im jetzigen Zinsumfeld sicherlich ein Auslaufmodell. Das heißt aber nicht, dass die Klassik tot ist. Sie wird sich weiterentwickeln. Wir im Hause Stuttgarter sind überzeugt vom kollektiven Sparprozess, von der kollektiven Garantie über den Deckungsstock. Wir sehen aber auch, dass wir dem Kunden Chancen der Kapitalanlage deutlicher zeigen müssen. Da kommen genau die benannten hybriden Produkte ins Spiel, sei es in Form einer Index- oder einer Fondspartizipation.

Björn Bohnhoff: Wir haben uns ja schon vor Jahren auf fondsgebundene Produkte ausgerichtet. Trotzdem wird es immer den Bedarf des Kunden nach Sicherheit geben. Dieses Bedürfnis haben wir Versicherer sehr lange mit dem Wort Garantie übersetzt – aber hier muss es künftig intelligentere Mechanismen geben. Fondsgebundene Produkte, die Sicherheitselemente bieten, sind die Zukunft.

Claus Mischler: Natürlich haben viele Kunden ein großes Sicherheitsbedürfnis. Entscheidend für eine erfolgreiche Altersvorsorge ist es aber, dass Verbraucher ihre Rentenlücke schließen. Das ist mit klassischen oder auch abgemilderten Garantien in diesem Zinsumfeld kaum möglich. 

Mathias Clemens: Jetzt in der Niedrigzinsphase wird es eine Renaissance der Fondspolice geben. Ich glaube aber auch, dass die Produktanbieter sich weiter Gedanken machen werden, wie man die Klassik attraktiver gestalten kann.

Garantien müssen sich also auf jeden Fall anpassen. Wie könnte das aussehen?

Willmes: Eine Form, die wir im Markt schon sehen, sind endfällige Garantien, die erst zum Renteneintritt greifen. Eine weitere Variante sind dynamische Garantien. Diese bauen sich während der Laufzeit nach und nach auf. Wir werden sicher auch darüber diskutieren müssen, ob eine Beitragsgarantie in allen Produkten das Richtige ist, oder ob man Garantieniveaus zugunsten von Renditechancen nicht weiter senken sollte.

Bader: Den garantierten Beitragserhalt sollte man meiner Meinung nach sowieso hinterfragen. Er ist etwas völlig Künstliches und vor allem in Produkten enthalten, wo ich ihn gar nicht brauche – nämlich in der betrieblichen Altersvorsorge und in der Riester-Rente. Das kostet den Kunden Geld, der Gegenwert ist aber überschaubar. Hier sollte die Politik umdenken.

Mischler: Das ist ein sehr wichtiger Hinweis. Die Politik und auch wir als Branche haben die Beitragsgarantie in den vergangenen Jahren sehr stark in den Vordergrund gestellt. Da müssen wir jetzt zusammen mit der Politik Aufklärungsarbeit leisten, weil der Kunde davon keinen Nutzen hat. Er verzichtet für diese Garantie auf extrem viel Rendite. Und das ergibt vor allem bei Sparprozessen über 30 Jahre keinen Sinn. Im aktuellen Zinsumfeld wird er dank dieser Garantie auch nicht mehr als seine Beiträge zurückbekommen. Rechnet man dann noch die Inflation mit rein, erwirtschaftet er nur einen garantierten Kaufkraftverlust. So kann der Kunde seine Vorsorgelücke nicht schließen.

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