BU-Fall: Das Niedrigzinsumfeld setzt die Versicherer unter Druck. © picture alliance / Bildagentur-online/McP
  • Von Sabine Groth
  • 01.06.2022 um 12:12
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Fondsgebundene Lebensversicherungen sind am Markt längst etabliert. Fondsbasierte Berufsunfähigkeits-Versicherungen (BU) sind hingegen noch sehr selten. Dabei können sie gerade im Niedrigzinsumfeld ihre Vorteile ausspielen.

Im Mai übersprang die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen zum ersten Mal seit fast sieben Jahren wieder die Ein-Prozent-Marke. Ein Lichtblick am Zinshorizont. Aber mehr auch nicht. Das Niedrigzinsumfeld und der auf 0,25 Prozent gesunkene Höchstrechnungszins machen Versicherern weiter das Leben schwer. Das gilt nicht nur für konventionelle Lebensversicherungen, auch Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) und andere Arbeitskraftabsicherungen sind davon betroffen.

Bei solchen biometrischen Risikoversicherungen ist ebenfalls Geld anzulegen. Das Risiko einer Berufsunfähigkeit steigt mit dem Alter. Damit nicht jedes Jahr auch die Beiträge steigen, sondern über die Vertragsdauer stabil bleiben, zahlen Kunden anfänglich mehr als es ihrem Risiko entspricht. Aus diesem Überbetrag werden Rückstellungen für spätere Zeiten gebildet – und diese werden in der Regel in einem derzeit eher renditearmen Deckungsstock investiert.

Fondsgebundene BU-Policen

„Warum eigentlich?“, haben sich die ersten Versicherer gefragt. Bei Lebensversicherungen wurde schon längst umgedacht. Die Anlage am Kapitalmarkt ist weit verbreitet – ob nun über reine Fondspolicen oder Hybridprodukte. Ohne die langfristige Renditestärke von Aktien lassen sich Anlageziele für eine auskömmliche Altersvorsorge kaum erreichen. Da liegt es nahe, diese auch bei Biometrie-Produkten einzusetzen. Einige Anbieter wie die Gothaer und Helvetia haben bereits BU-Policen im Programm, bei denen Teile der Beiträge in Fonds, vorzugsweise Aktienfonds, fließen.

Der Vorteil: „Bei einer fondsbasierten BU kann bei der Kalkulation eine höhere Wertentwicklung zugrunde gelegt werden. So sind niedrigere Beiträge darstellbar“, sagt Norbert Piechowiak, Geschäftsführer der Helvetia Leben Maklerservice GmbH. Das ist für alle attraktiv, kann aber besonders interessant für Berufsgruppen sein, für die eine konventionelle Absicherung der Berufsunfähigkeit kaum noch bezahlbar ist.

Chance auf zusätzliches Guthaben am Laufzeitende

Hauptzielgruppe solcher fondsbasierten Tarife sind junge Leute. Über eine lange Laufzeit lässt sich die typischerweise schwankende Wertentwicklung von Aktienfonds am besten ausgleichen. „Mit höherem Alter und kürzerer Laufzeit wird es risikoreicher, und die Vorteile nehmen ab.“, erläutert Jens Patze, Produktmanager der Helvetia Leben.

Beraterinnen und Berater sollten im Kundengespräch nicht verschweigen, dass bei langer unterdurchschnittlicher Fondsentwicklung eventuell Beitragserhöhungen nötig sind. „Die kann es allerdings auch bei konventionellen Tarifen geben. Bei einer fondsgebundenen BU ist der Antriebsmotor jedoch transparenter“, so Patze. Und das Konzept birgt nicht nur Risiken: Wenn das Fondsinvestment besonders gut läuft, kann der Beitrag sogar gesenkt oder am Ende ein Guthaben ausgezahlt werden.

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Sabine Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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