Bulle und Bär auf dem Börsenplatz vor der Frankfurter Börse: Immer mehr Deutsche setzen auf Aktien. © picture alliance / Rupert Oberhäuser | Rupert Oberhäuser
  • Von Juliana Demski
  • 27.07.2021 um 16:03
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Die Deutschen setzen zunehmend auf Aktien. Das zeigt die aktuelle Ausgabe des Geldanlage-Index aus dem Hause des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (Diva). Dieser ist zuletzt erneut gewachsen – von 41,1 Indexpunkte im vergangenen Winter auf 46,7 Indexpunkte im Sommer 2021. Hier kommen die Details.

Anlageformen mit Aktienfokus erfreuen sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Darauf deutet der vom Deutschen Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (Diva) erhobene Geldanlage-Index hin. Denn im Vergleich zur Wintererhebung ist er von 41,1 auf aktuell 46,7 Indexpunkte gestiegen. Dies deute darauf hin, „dass immer mehr Bürger negative Realrenditen fürchten und in der Folge den Schritt weg von zinsbasierten Anlagen hin zu Geldanlagen mit positiven Renditechancen suchen“, teilte das Institut mit, das dem Allfinanzvertrieb DVAG nahesteht – so ist DVAG-Vorstand Helge Lach sowohl als geschäftsführender Diva-Direktor als auch als stellvertretender Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts tätig.   

Zur Studie:

Zur Ermittlung des Index, der Werte zwischen minus 100 und 100 annehmen kann, befragt das Diva halbjährlich sowohl Bürger als auch Geldanlageexperten – dieses Mal vom Bundesverband Deutscher Vermögensberater (BDV) – zu ihrer Haltung gegenüber aktienbasierten Anlageformen. Darunter fallen neben Einzelwerten per se auch Investmentfonds und fondsgebundene Renten- und Lebensversicherungen mit jeweils signifikantem Aktienanteil.

Die Bewertungen der aktuellen Lage (43,9 Indexpunkte) und der künftigen Erwartungen (49,5 Indexpunkte) sind dabei gleichgewichtet, wobei erstere einen leicht höheren Anstieg verzeichnen. „Im vergangenen Winter gab es zwar einen Corona-Dämpfer, der sich auch im Index zeigte“, sagt Michael Heuser, Wissenschaftlicher Direktor des Diva. „Im mittelfristigen Trend zeichnet sich jedoch eindeutig eine neue Lust auf Börse ab. Unsere aktuellen Index-Ergebnisse – sowie im Übrigen auch die Bundesbank und das Deutsche Aktieninstitut – bestätigen diese Entwicklung.“

Lediglich bei den 18- bis 29-Jährigen waren die Werte beim letzten Index noch höher. Eine mögliche Erklärung sei die damalige Euphoriewelle, die von neu aufgekommenen Trading-Apps ausgelöst worden sei, schreiben die Studienautoren. Heuser ergänzt: „Nutzerfreundliche Trading-Apps sprechen in erster Linie junge Leute an und trafen auf große Experimentierfreude im Lockdown. Über Social-Media-Plattformen wie Reddit wurde diese zusätzlich angeheizt.“ Erste Enttäuschungen mit Einzelwerten könnten der Grund dafür sein, dass sich diese Euphorie inzwischen gelegt habe. „Die älteren Altersgruppen sehen aktienbasierte Geldanlagen immer optimistischer. Das kommt nicht von ungefähr“, so Heuser weiter, „denn die Inflationssorgen nehmen zu“.

Sorge vor Inflation

Die Befragungen im Zusammenhang mit dem Index zeigen zudem: Knapp die Hälfte der Bürger (43,5 Prozent) und die große Mehrheit der Experten (67 Prozent) rechnen mit einer Inflationsrate von bis zu 3 Prozent in den kommenden fünf Jahren. Weitere 16,1 Prozent bei den Bürgern und 23,9 Prozent auf Expertenseite gehen sogar davon aus, dass die Inflationsrate 3 Prozent übersteigt.

Diese Erwartungshaltung hat auch Auswirkungen auf das Anlegerverhalten:

So erachtet mehr als jeder Dritte der befragten Bürger in Deutschland (36,9 Prozent) Immobilien laut der Studie zumindest als sinnvolle Teilstrategie. Bei circa einem Viertel (25,9 Prozent) spielen Gold und andere Edelmetalle eine Rolle. Und ein weiteres Viertel (24,3 Prozent) hält Aktien und Aktienfonds für geeignet, um der Inflation entgegenzuwirken. Bei der Expertenbefragung befinden sich dieselben Anlageformen unter den Top-3 – wenn auch in anderer Reihenfolge. Aktienbasierte Anlageformen werden bis auf wenige Ausnahmen von allen Experten (93,8 Prozent) als wichtige Inflationsstrategie angesehen. Dahinter folgen Immobilien mit 57,8 Prozent und Edelmetalle mit 54,2 Prozent.

„Viele Anleger haben auf das Niedrigzinsumfeld längst reagiert und freuen sich seit Jahren über steigende Aktienkurse und ansehnliche Dividenden“, erklärt BDV-Vorstand Helge Lach. „Spätestens aber seitdem die Inflation steigt und die Banken und Sparkassen in der Breite auch Privatkunden Strafzinsen berechnen, hat sich die Stimmung vollends gedreht.“

Lach findet zudem: „Anders als fast alle politischen Parteien es in ihren Wahlprogrammen darstellen, braucht es keinen gesetzlichen Zwang zur aktienbasierten Altersvorsorge mit Staats- und Bürgerfonds. Die Bürger haben die Lage längst verstanden, das zeigen die Befragungen. Noch mehr Bevormundung durch die Politik ist also nicht notwendig. Viel besser wäre es, den schon starken Trend zum Beispiel durch steuerliche Förderung des langfristigen Sparens mit Investmentfonds oder fondsgebundenen Rentenversicherungen noch zu verstärken.“

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Juliana Demski

Juliana Demski ist seit 2021 Junior-Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört sie seit 2016 an.

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