Ein Richtkranz weht im Februar 2020 im Wind auf einer Baustelle eines Einfamilienhauses im Landkreis Leipzig. Um sich vor Gefahren zu schützen, die im Zuge der Bautätigkeit auftreten können, benötigen Bauherren ganz bestimmte Versicherungen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Volkmar Heinz
  • Von Lorenz Klein
  • 11.06.2020 um 13:17
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Auf einer Baustelle lauern viele Gefahren – kommt es zu schweren Unfällen, können auf private Bauherren hohe Kosten zukommen. Daher sollte auch der Versicherungsschutz richtig bemessen sein.

Jahrelang wurde vor allem in Deutschlands Großstädten kaum gebaut – doch das Bild hat sich drastisch gewandelt. Der Immobilienboom hat die Kosten für Rohstoffe und Handwerker explodieren lassen, was sich in der rasanten Entwicklung des Baupreises widerspiegelt: „In den vergangenen zehn Jahren ist dieser um 28 Prozent gestiegen“, teilte der Immobilienvermittler Immowelt Anfang März 2020 mit.

Doch das ist nicht das einzige Problem für private Bauherren: So sind auch die zum Bauen benötigten Grundstücke insbesondere in den Städten aufgrund der hohen Nachfrage knapp und damit deutlich teurer geworden. „In Berlin beträgt zum Beispiel der Bodenrichtwert, der den Durchschnitt vergangener Grundstücksverkäufe abbildet, im Zentrum bis zu 60.000 Euro pro Quadratmeter“, berichten die Experten von Immowelt. Inwieweit die Corona-Krise hier für eine nachhaltige Entspannung sorgen könnte, wird sich noch zeigen.

Auch bei den Versicherern, die sich im Bausegment engagieren, macht sich der Drang zum Eigenheim bemerkbar. „Mit dem Anstieg der Bautätigkeit hat auch der Bedarf nach einer Absicherung des Bauherrenhaftpflichtrisikos und der entsprechenden Bauleistungen zugenommen“, berichtet Uwe Dettki, Leiter Maklervertrieb bei der Grundeigentümer­Versicherung (Grundvers). Dabei richte sich der Fokus in erster Linie auf Neubauten. Aber gerade auch bei größeren Umbauten, Aufstockungen oder Anbauten sei eine Absicherung wichtig, so Dettki.

Welche Versicherungen braucht es?

„Mit steigender Nachfrage nach Immobilien ist auch die nach Versicherungen für Bauherren gestiegen“, bestätigt Thomas Saar, Spezialist für Absicherung und Baufinanzierung beim Finanzdienstleister Dr. Klein. Allerdings falle immer wieder auf, dass viele Bauherren nicht wüssten, welcher Schutz tatsächlich erforderlich und was im Detail durch welche Police abgesichert sei. Gute Beratung sei daher sehr wichtig, findet Saar.

Zunächst sollte man wissen, dass sich die Kosten für den Versicherungsschutz in der Regel an der Bausumme orientieren – das heißt, die Versicherung des Bauherren zieht alle Kosten heran, die von der Einrichtung der Baustelle bis zur Fertigstellung anfallen. Immerhin: Der Preis fürs Grundstück bleibt bei der Berechnung außen vor. Und doch sind die Versicherungskosten in der Breite geklettert: „Da die Baukosten die Bemessungsgrundlage sind, sind die Beiträge in den vergangenen Jahren entsprechend gestiegen“, sagt Dettki. Bei den Beitragssätzen gebe es natürlich Unterschiede – hier sollte man jedoch in erster Linie auf einen umfassenden Versicherungsschutz achten. „Bei Ein­ und Zweifamilienhäusern sind die Beitragsunterschiede bei guten Konzepten in Relation zu den Baukosten gering“, so Dettki.

Privathaftpflicht setzt Bauherren enge Grenzen

Laut „Finanztest“ müssen Bauherren zum Beispiel für eine Bauherrenhaftpflichtversicherung, die den Bau eines 250.000 Euro teuren Einfamilienhauses mit einer Wohnfläche von 145 Quadratmetern und einer Versicherungssumme von 3 Millio­ nen Euro absichert, in vielen Fällen nur rund 0,5 Promille der Bausumme zahlen, was 125 Euro entspricht.

Die Bauherrenhaftpflichtversicherung bildet gewissermaßen das Fundament der Bau­versicherungen. Die Police ist für jeden Bauherren unverzichtbar. Denn er ist dafür verantwortlich, dass von „seiner“ Baustelle keine Gefahren für Dritte, sprich Unbeteiligte, ausgehen. Kommt es zu einem Unglück, muss er in unbegrenzter Höhe für den Schaden haften. „Die Risiken hier sind zahlreich – so können zum Beispiel Kinder in die Baugrube fallen oder ein Gerüst umstürzen“, sagt Thomas Saar von Dr. Klein – und räumt dabei gleich einen beliebten Trugschluss vom Tisch. „Viele Bauherren glauben, dass diese in ausreichender Höhe über die Privathaftpflichtversicherung abgedeckt sind. Aber in nur weni­gen Fällen ist das tatsächlich der Fall.“

Zu jenen wenigen Fällen gehört die „GEV­Pro Domo Premium Plus“­Deckung der Grundeigentümer­Versicherung. Dabei handelt es sich um eine Tarifvariante, die die Hamburger im März vergangenen Jahres an ihre Privathaftpflichtversicherung angedockt haben. Darin ist die Bauherrenhaftpflicht bis zu einer Bausumme von 500.000 Euro enthalten. „Dies ist aber die absolute Ausnahme“, betont Maklervertriebschef Dettki. Gerade in älteren Verträgen seien die Bausummen so gering bemessen, dass aufgrund der gestiegenen Baupreise teilweise nur noch kleinere Baumaßnahmen in der Privathaftpflicht eingeschlossen seien, so Dettki. Je nach Anbieter gelten Bauvorhaben meist bis zu einer Bausumme von lediglich 10.000 bis 100.000 Euro in der Privathaftpflicht als mitversichert.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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