Pfefferminzia: Für Schlagzeilen sorgten die Pläne beziehungsweise Überlegungen der Ergo und Generali, Lebensversicherungsbestände zu verkaufen. Marktbeobachter fürchten nun, dass dies zu einem Vertrauensverlust in der Branche führen wird. Wie steht Ihr Haus zum Thema Run-off?

Andrea Schölermann, Leiterin Produktmanagement private Altersvorsorge, Condor: Als Mitglied einer genossenschaftlichen Finanzgruppe – mit dem entsprechenden partnerschaftlichen Werteverständnis – kommt ein Run-off für uns nicht infrage. Wir freuen uns über das Vertrauen, welches unsere Kunden uns entgegenbringen. Dank unserer Finanzstärke können wir das Niedrigzinsumfeld meistern und werden unsere Kunden weiterhin beim Aufbau ihrer Altersvorsorge unterstützen.

Carsten Mathé, verantwortlich für das Produktmanagement Versicherungen, Plansecur: Wir wählen als Allfinanzvertrieb sehr sorgfältig aus, mit welchen Versicherern wir zusammenarbeiten. Gerade einige Aktiengesellschaften haben dieses Auswahlverfahren zuletzt nicht erfolgreich durchlaufen. Wir waren daher von Run-off-Überlegungen nicht sonderlich überrascht, freuen uns aber auch, dass unsere Partner keine Überlegungen in diese Richtung anstellen müssen.

Jürgen Horstmann, verantwortlich für das Lebensversicherungsgeschäft, Helvetia Deutschland: Wir als Helvetia denken nicht an eine Bestandsübertragung. Denn wir befürchten für die einzelnen Versicherer sehr wohl einen Reputationsverlust als Folge – gerade wenn es sich dabei um einen Versicherer mit einer starken Ausschließlichkeit handelt. Ob ein Vertrauensverlust für die gesamte Branche entstehen wird, da habe ich aber meine Zweifel. Für die Gesellschaften, die wie wir zu ihren Beständen stehen, kann das nämlich auch sehr positive Effekte haben.

Christian Nuschele, Vertriebschef Deutschland, Standard Life: Die Prüfung, ob Gesellschaften ihre Bestände an eine spezialisierte Plattform oder einen Investor abgeben wollen, ist an sich kein schlechter Prozess – wurde meiner Meinung nach aber unglücklich kommuniziert. Und da wir allgemein in der Branche ein Vertrauensproblem haben, sind solche Nachrichten eher kritisch zu sehen. Im britischen Markt gibt es bereits seit längerem Erfahrungen mit dem Thema Run-off. Mal geht eine Bestandsübertragung gut, manchmal nicht. Man muss mit sehr viel Bedacht an das Thema herangehen, und die Partner sorgfältig auswählen. Die Standard Life prüft in Großbritannien aktuell den Verkauf eines Rentenportfolios an einen Spezialisten für die Abwicklung von Rentenleistungen – aus unterschiedlichsten Gründen. Für Deutschland ist das aber kein Thema.

Sascha Risse, Referent Makler und ungebundene Vermittler, Inter: Die Inter hat sich – wie wohl die meisten Versicherungsunternehmen – vor ein, zwei Jahren Gedanken darüber gemacht, wie es mit der Lebensversicherung weitergehen soll. Wir kamen dabei relativ schnell zu dem Entschluss, dass wir es als wichtige Aufgabe ansehen, die Altersvorsorge weiter zu bedienen. Wir sind auch erst gerade mit einer neuen Rentenpolice an den Markt gegangen, bei der das klassische Deckungskapital – optional auf Wunsch des Kunden – eine große Rolle spielen kann. Vor diesem Hintergrund wäre es paradox, wenn wir uns aus dem Lebensversicherungsgeschäft zurückzuziehen würden. Eine gute Eigenkapitalquote spielt uns bei dieser Entscheidung glücklicherweise in die Karten.

Claus Mischler, Generalbevollmächtigter Leben, Gothaer: Wir denken auch nicht daran, Bestände zu verkaufen. Es widerspricht schlicht und einfach dem Prinzip eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit. Man sieht ja auch, dass die Anbieter, die über Bestandsübertragungen nachdenken oder diese bereits realisiert haben, in der Regel Aktiengesellschaften sind. Ich finde es dabei bedenklich, einen Bestand in den Run-off zu schicken, aber nach wie vor Neugeschäft anzunehmen. Das ist dem Kunden nur schwer zu vermitteln und kann schon einen Vertrauensverlust hervorrufen. Ich bin aber wie Herr Horstmann ebenfalls der Ansicht, dass diejenigen, die sich gegen einen Run-off stellen, am Ende als Gewinner aus dieser Diskussion hervorgehen werden.

Michael Hinz, Marktmanager Freie Vertriebe und Leiter Vorsorge, Signal Iduna: Ich kann mich Herrn Mischler da nur anschließen. Die Signal Iduna hat als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit auch nicht vor, Bestände in den Run-off zu geben. Wir haben über viele Jahrzehnte Bestände aufgebaut und es sind auch welche mit hohen Garantieverzinsungen dabei. Trotzdem stehen wir zu unseren Kunden – und haben entsprechende Vorsorge getroffen. Die gebildete Zinszusatzreserve liegt bei uns mittlerweile bei 1,4 Milliarden Euro. Allein in diesem Jahr kommen 389 Millionen Euro hinzu.