Naturgefahren So funktioniert das Zonierungssystem der Versicherer

Die Grafik zeigt die Zahl der Gebäude, die in Risikozone 4 fallen und die Veränderung gegenüber dem Vorjahr.
Die Grafik zeigt die Zahl der Gebäude, die in Risikozone 4 fallen und die Veränderung gegenüber dem Vorjahr. © GDV

Die Zahl der als stark von Hochwasser bedroht geltenden Gebäude in Deutschland ist um 30 Prozent gesunken, berichtet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Grund ist ein Update der Datenbank für Hochwassergefahren – Zürs Geo. Wie das System funktioniert, lesen Sie hier.

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2016 waren laut GDV 139.000 Häuser in die höchste Zürs-Gefahrenklasse 4 eingeordnet. Im Vorjahr waren es noch 197.000 von bundesweit mehr als 21 Millionen Adressen. Damit liegen 0,7 Prozent aller Gebäude in der Zone 4, in der statistisch mindestens ein Hochwasser in zehn Jahren zu erwarten ist.



Was ist das Zürs-System aber? Zürs bedeutet Zonierungssystem Überschwemmung, Rückstau und Starkregen. Es hilft den Versicherern, Hochwasserrisiken einzuschätzen und anhand dessen Prämien für Elementarschadenversicherungen zu berechnen. 21,3 Millionen Gebäude in ganz Deutschland sind dabei erfasst. Sie werden anhand ihrer Lage in vier Gefahrenklassen eingeteilt.

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Mit 19,3 Millionen liegen die meisten Adressen in der Gefahrenklasse 1, in der weniger als einmal in 200 Jahren eine Überschwemmung durch Hochwasser droht. In der Gefahrenklasse 2 (1,6 Millionen Häuser) tritt ein Hochwasser statistisch mindestens einmal in 100 bis 200 Jahren auf, in der Gefahrenklasse 3 (220.000 Gebäude) mindestens einmal alle 10 bis 100 Jahre und in der Gefahrenklasse 4 mindestens einmal in zehn Jahren.

Grund für den Rückgang der Gebäude, die in Zone 4 eingeteilt werden, sind nun bessere Daten: So umfasst die aktuelle Zürs-Version erstmals flächendeckend alle Hochwassergefahrenkarten der Bundesländer. „Mehr Daten ermöglichen mehr Menschen leichteren Zugang zu Versicherungsschutz“, sagt Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Für 58.000 Hausbesitzer ist es nun also einfacher, ihr Gebäude gegen Elementarschäden zu versichern.



Von den neuen Daten profitiert Nordrhein-Westfalen am stärksten. Hier ging die Zahl der Adressen in der Gefahrenklasse 4 um 62 Prozent auf 7.200 zurück. Auch in Thüringen, Sachsen und Niedersachsen sank die Zahl der betroffenen Gebäude um mehr als die Hälfte. Niedersachsen ist zugleich das Bundesland mit dem größten absoluten Rückgang. Dort fielen nach der Neubewertung fast 20.000 Gebäude aus der höchsten Gefahrenklasse heraus.

Nutznießer der neuen, erweiterten Datensätze sind aber nicht nur die Besitzer von Häusern, die direkt in exponierten Überschwemmungsgebieten stehen. Mit dem ZÜRS-Update sinkt für rund 400.000 Gebäude in Deutschland die Gefahrenklasse; für rund 190.000 steigt sie.

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