Christian Siever ist Versicherungsmakler und hat sich unter anderem auf die Zielgruppe der Menschen mit Behinderung spezialisiert. © privat
  • Von Karen Schmidt
  • 15.02.2023 um 15:41
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Versicherungsmakler Christian Siever hat sich auf die Absicherung von Menschen mit Behinderung spezialisiert. Denn immer wieder hat es diese Zielgruppe Probleme, wenn es um den passenden Versicherungsschutz geht. Welche das sind, und was sich Siever von den Anbietern wünscht, lesen Sie im Interview.

Pfefferminzia: Herr Siever, Sie sind Versicherungsmakler und haben sich unter anderem auf die Zielgruppe der Menschen mit Behinderungen spezialisiert. Wie kam es dazu?

Christian Siever: Ich selbst bin schwerbehindert. Als Mensch mit Behinderung weiß ich um die Bedürfnisse und Probleme, die mit einer körperlichen Behinderung einhergehen. Seien es Probleme, die im Alltag auftauchen, Probleme mit der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung oder anderen Kostenträgern. Ich habe einen großen Erfahrungsschatz aufbauen können, den ich in der Beratung einsetzen kann.

Zu Beginn meines Studiums der Humanmedizin und Biologie bin selbst auf einen „Versicherungsberater“ hereingefallen. Danach hatte ich nach einem Unfall 2019 noch eine Rechtsstreitigkeit um Leistungen aus einer Unfallversicherung mit einem Versicherer. Die beiden prägenden Erfahrungen haben mich motiviert, es für andere Menschen anders zu machen; ich wollte etwas verändern. Deshalb habe ich unter anderem den Fokus auf Menschen mit Behinderung gesetzt. Auch die Wahl, den Weg des Maklers zu wählen, kommt aus dieser Erfahrung. Ich bin keinem Unternehmen verpflichtet als Versicherungsmakler, sondern nur dem Kunden. Gerade für Menschen mit Behinderung ist diese Unabhängigkeit wichtig.

Welche typischen Probleme oder Fallstricke tauchen immer wieder auf, wenn es darum geht, Menschen mit Behinderung zu versichern?

Siever: Beispiel Haftpflichtversicherung – nicht jede private Haftpflichtversicherung versichert Menschen, die als deliktunfähig gelten. Gerade bei Familien mit einem schwerbehinderten Kind, das nicht deliktfähig ist, kann dies zu Problemen führen. Ein anderes Beispiel ist die private Unfallversicherung; hier geht es oft um das Kleingedruckte. Viele Versicherer leisten beispielsweise nicht, wenn ein Pflegegrad – die Höhe kann variieren – besteht. Das erfahren viele Versicherungsnehmer oft leider erst, wenn es darum geht, dass sie eine Leistung aus der Versicherung erwarten.

Viel wichtiger finde ich jedoch einen anderen Ansatz: die Verhütung und Absicherung von potenziellen Behinderungen! Dem „gesunden“ Menschen ist oft nicht bewusst, wie teuer Behinderung und Krankheit sein können. Alle wollen die teuerste und beste Autoversicherung, aber die Berufsunfähigkeitsversicherung oder private Pflegeversicherung ist für viele unwichtig. Ich sehe da meine Rolle in der Aufklärung.

In welchen Sparten gibt es derzeit noch größere Probleme bei der Absicherung?

Siever: Nach einem Unfall kommt es oft zu Streitigkeiten mit der privaten Unfallversicherung. Hier sehe ich großen Aufklärungsbedarf. 20 Prozent meiner Kunden haben einen Pflegegrad! Keiner meiner Neukunden wusste bisher, dass bei manchen Policen eine Absicherung oder eine Leistung bei bestehendem Pflegegrad ausgeschlossen ist. Zum Glück gibt es hier Fortschritte; einige Versicherer haben die Chance entdeckt und innovative neue Policen entwickelt, bei denen der besehende Pflegegrad keine Rolle spielt.

Allgemein gilt auch hier: Vorsorgliche Absicherung von den Risiken Berufsunfähigkeit, Pflege und Behinderung sind noch dürftig bei den meisten. An dieser Stelle würde ich gerne mit Erlaubnis des Kundes von einem Schicksal berichten. Wenige Tage (!) nach Abschluss einer Pflegeversicherung ist einer meiner Kunden durch einen schwerwiegenden Behandlungsfehler schwerstbehindert, pflegebedürftig und erwerbsunfähig geworden. Ohne die hohe Absicherung in der Pflegetagegeldversicherung wäre dieser Kunde, ein junger Student, zum Sozialfall geworden. Durch die monatliche Zahlung kann mein Kunde sein Leben nun aber unabhängig von Sozialleistungen und auch seine Pflege frei und individuell gestalten.

Doch solche Glücksfälle sind leider eine Seltenheit. Viele Kunden denken nicht an solche Risiken. Das größte Problem jedoch sehe ich in der privaten Voll- und Zusatzversicherung. Hier trauen sich nur wenige Versicherer, größere Risken zu übernehmen.

Gibt es Versicherungen, die für Menschen mit Behinderung besonders wichtig sind?

Siever: Grundsätzlich gilt, wie für jeden, dass die Pflichtversicherungen abgedeckt sein müssen. Hierzu zählen private Haftpflichtversicherung, eine Absicherung in der GKV oder PKV sowie für Kraftfahrzeugführer eine KFZ-Versicherung. Bei der KFZ-Versicherung sollte bedacht werden, dass die behindertenspezifischen Zusatzeinbauten wie zum Beispiel Handgas über die Sonderausstattung mitversichert sind.

Auch eine ausreichende Hausratversicherung und in manchen Fällen eine Unfallversicherung kann sinnvoll sein. Hier sind aber ein paar Dinge zu beachten. Nicht jede Unfallversicherung zahlt bei bestehender Pflegebedürftigkeit. Zudem sollte diese ab jedem messbaren Prozentsatz Invalidität leisten. Generell ist aber eine individuelle Beratung immer wichtig und unabdingbar. Jeder Kunde hat individuelle Bedürfnisse.

Was würden Sie sich von Versicherungen wünschen, wenn es um das Thema Behinderung geht?

Siever: Auf jeden Fall mehr Mut bei der Annahmepolitik! Viele Risiken sind mit Beitragszuschlag versicherbar. Hier gibt es schon einige Versicherer am Markt, die einzelne Sparten wie eine stationäre Zusatzversicherung auch bei Vorerkrankung oder Behinderung anbieten. Auch im Haftpflichtversicherungsbereich sollten sich einige Versicherungen intensiver mit dem Thema beschäftigen. Wie bereits erwähnt ist Prävention das A und O. Auch hier sehe ich die Rolle bei den Versicherern, die das Risiko Behinderung mehr in den Vordergrund Ihrer Kampagnen stellen sollten.

Muss man als Versicherungsmakler etwas Spezielles beachten, etwa bei der Ansprache, wenn es um diese Zielgruppe geht?

Siever: Im Kontakt mit meinen Kunden müssen natürlich versicherungsrelevante Dinge besprochen werden. Sollte eine mögliche Behinderung relevant für die Versicherung sein, so muss das angesprochen und besprochen werden. Im Kontakt mit den Versicherern wird eine bestehende Behinderung eines Kunden nicht thematisiert, wenn sie, wie gesagt, nicht relevant für die Versicherung ist. An sich wird jeder Kunde gleich behandelt und die individuellen Bedürfnisse und Gegebenheiten werden herausgearbeitet.

autorAutorin
Karen

Karen Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

kommentare
Thorulf Müller
Vor 3 Monaten

Er ist auf einen VersicherungsBERATER hereingefallen?

Sicher, dass er das meint, was er da sagt?

War es ein VersicherungsVERMITTLER?

Wenn Menschen in und aus der Branche es einfach nicht lernen, dioe Berufe korrekt zu bezeichnen!

Hinterlasse eine Antwort

kommentare
Thorulf Müller
Vor 3 Monaten

Er ist auf einen VersicherungsBERATER hereingefallen?

Sicher, dass er das meint, was er da sagt?

War es ein VersicherungsVERMITTLER?

Wenn Menschen in und aus der Branche es einfach nicht lernen, dioe Berufe korrekt zu bezeichnen!

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