Philip Wenzel ist Versicherungsmakler und Biometrie-Experte. © privat
  • Von Philip Wenzel
  • 19.07.2022 um 13:45
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Die Rente einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollte 60 Prozent vom Brutto betragen. Das ist die gängige Meinung am Markt. Ist die Rente zu niedrig angesetzt, kann sich der Kunde das Ganze also gleich sparen. Ja? Ist das wirklich so? Biometrie-Experte Philip Wenzel meint in seiner neuen Kolumne: Das kommt drauf an. Aber lesen Sie selbst.

Heute will ich mich mal mit der Frage beschäftigen, ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die zu niedrig abgeschlossen ist, besser ist, als keine BU-Versicherung. Die kurze Antwort lautet: Es kommt drauf an. Die längere folgt.

Die BU-Versicherung sichert nicht nur sehr individuell ab, wie ich meinen Beruf ausgestalte. Sie muss in Höhe und Laufzeit ebenso individuell betrachtet werden. Pauschale Aussagen, dass die Rentenhöhe 60 Prozent vom Brutto betragen müsse und sie bis zum 67. Lebensjahr laufen sollte, sind also pauschal richtig, aber im Einzelfall halt ebenso oft auch falsch.

Tragischerweise brauchen gerade Akademiker, die sich problemlos eine Absicherung in dieser Höhe und Laufzeit leisten können, eben nicht diese Höhe und Laufzeit, da sie recht zügig ein passives Einkommen über Aktien oder Immobilien aufbauen können. Und andere Berufsgruppen, die vom Verdienst her oft nicht diese Möglichkeit haben, können sich eine BU-Versicherung in richtiger Höhe und Laufzeit nicht leisten.

Wenn ich jetzt 1.000 Euro statt der notwendigen 2.000 Euro absichere, dann fehlen mir selbst dann, wenn der Versicherer sofort problemlos leistet, jeden Monat 1.000 Euro. Das wird mich in der Regel dazu bewegen, sehr schnell umzuschulen und wieder genügend Geld zu verdienen. Für diesen Übergang reicht das Geld, weil ich ja 60 beziehungsweise 67 Prozent, wenn ich Kinder habe, während einer Umschulung vom Arbeitsamt bekomme.

Niedrig anfangen und über Dynamiken ausbauen

Wenn ich mir aber nur vorübergehend leisten kann, berufsunfähig zu sein, dann ist es sinnvoller, wenn ich vorher versuche, sechs Monatsgehälter auf die Seite zu legen, um die Umschulung packen zu können. Dann also lieber keine Versicherung als eine zu niedrige.

Andererseits können die 1.000 Euro ein guter Start sein, der dann über Dynamiken und Nachversicherungsgarantien in kleinen, weniger schmerzhaften Schritten ausgebaut wird. Das halte ich deswegen für sinnvoll, weil ich bis 40 oder 45 Jahre vermutlich noch recht einfach erfolgreich umschulen kann. Danach wird auch eine Berufsunfähigkeit länger dauern, weil ich zwar umschulen kann, mich aber keiner mehr einstellt, wenn ich schon 45 oder älter bin.

Weniger Konsum = weniger BU-Rente nötig

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand in jungen Jahren berufsunfähig wird, nicht umschulen kann und nicht wieder gesund wird, ist sehr gering. Da liegt dann vermutlich eine Erwerbsminderung oder sogar Pflegebedürftigkeit vor. Deswegen wäre es ok, wenn ich mit weniger anfange, um in den ersten Jahren eine Umschulung überstehen zu können. Ich sollte dann aber über Dynamiken und Nachversicherungsgarantien mit der Zeit in einen Bereich kommen, der mich realistisch langfristig absichert.

Und abschließend sollte ich halt auch immer versuchen, meinen Lebensstandard immer so niedrig zu halten, dass ich ausreichend fürs Alter vorsorgen kann. Nur, weil ich mir jetzt einen Porsche leisten kann, muss ich das nicht tun. Vor allem, weil ich die Ausgaben halt nicht mehr zahlen kann, wenn was passiert. Je weniger ich verkonsumiere, desto niedriger kann ich dann auch meine Absicherung wählen.

 

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Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und Experte für biometrische Risiken. Er ist außerdem als Autor tätig. Regelmäßige Blog-Beiträge finden Sie beispielsweise hier: https://bsc-gmbh.com/philipwenzel/ oder hier https://www.worksurance.de/.

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