Markus Weis ist Vertriebsexperte und stellvertretender Leiter des Deutschland- und Österreich-Geschäfts bei Vanguard Asset Management. © Vanguard
  • Von Karen Schmidt
  • 27.07.2021 um 10:53
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Die Corona-Pandemie hat erneut gezeigt, dass sich überstürztes Handeln bei der Geldanlage in turbulenten Marktphasen nicht auszahlt. Markus Weis, stellvertretender Leiter des Deutschland-Geschäfts beim ETF-Anbieter Vanguard, rät, stattdessen langfristig zu agieren. Dabei biete eine fondsbasierte Vorsorgestrategie Vorzüge – sowohl für Anleger als auch für Berater.

Pfefferminzia: Inwieweit hat sich die Corona-Krise negativ auf die Altersvorsorge der Menschen ausgewirkt?

Markus Weis: Unsere Analysten haben vor allem dort negative Auswirkungen festgestellt, wo Anleger aufgrund der pandemiebedingten starken Kursschwankungen an den Kapitalmärkten ihre Aktien verkauft haben. In einer Untersuchung haben wir herausgefunden, dass über 80 Prozent unserer US-Anleger, die in Panik geraten waren, weitaus besser gefahren wären, wenn sie ihre Portfolios in der Corona-Krise unverändert gelassen hätten. Anleger dagegen, die ihrer Strategie treu geblieben sind, standen schon wenige Monate später besser da als diejenigen, die ausgestiegen sind. Was Anleger nämlich oft vergessen ist, dass sie nicht nur den richtigen Ausstiegszeitpunkt erwischen müssen, sondern auch den Wiedereinstieg nicht verpassen dürfen. Weil das kaum jemandem gelingt, zahlen sich kurzfristige Reaktionen in der Regel nicht aus. Dagegen ist es sinnvoller, in turbulenten Phasen an der festgelegten Altersvorsorgestrategie festzuhalten. Und die sollte sich an wenigen grundlegenden Prinzipien orientieren: langfristig denken, breit streuen, Disziplin wahren und Kosten kontrollieren. Deshalb sind Finanzberater so wichtig. Denn neben der Entwicklung einer passenden Anlagestrategie und der Auswahl geeigneter Produkte ist es auch ihre Aufgabe, Kunden in schwierigen Phasen an die Hand zu nehmen, Panikreaktionen zu verhindern und das Portfolio zu schützen.

Mit welchen Anlagen sorgen Anleger Ihrer Ansicht nach am besten für das Alter vor?

Angesichts historisch niedriger Zinsen und der rasanten Alterung der Bevölkerung wissen heute viele EU-Bürger nicht, wie sie für den Ruhestand vorsorgen sollen, um einen angemessenen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Deshalb ist es wichtig, Wissen über den Kapitalmarkt, der im heutigen Umfeld für die Altersvorsorge alternativlos ist, zu vermitteln. Dabei sollten die genannten Prinzipien als Leitfaden einer langfristigen Kapitalanlage dienen. Mit breit streuenden Fonds, zum Beispiel als Direktanlage über einen Sparplan, lassen sich Risiken und Ertragschancen über eine möglichst große Zahl von Einzeltiteln streuen. Eine Alternative sind fondsgebundene Versicherungen, die gegenüber Fonds in der Anspar- und in der Auszahlphase steuerliche Vorteile bieten. Damit ist auch ein unentgeltliches und steuerfreies Umschichten zwischen Fonds möglich. Zudem gelingt es im Versicherungsmantel, das Langlebigkeitsrisiko auszuschalten, indem eine lebenslange Rentenzahlung vereinbart wird. Ferner haben Anleger mit Fondspolicen die Möglichkeit, auf Wunsch zwischen Beitragsgarantien in unterschiedlicher Höhe zu wählen. Und schließlich können sie aus einer Vielzahl von Portfolio-Profilen von defensiv bis offensiv das passende aussuchen oder mit ihrem Berater eine individuelle Auswahl, die der persönlichen Risikoneigung und dem Anlagehorizont entspricht, zusammenstellen.

Welche Vorteile können Indexfonds in der Finanzberatung bieten?

An erster Stelle müssen Finanzberater die Bedürfnisse ihrer Kunden im Blick haben. Gerade wenn es um die Altersvorsorge geht, ist es ihre Aufgabe, ausgehend von den erwähnten Anlageprinzipien, zusammen mit den Kunden eine langfristige Vorsorgestrategie zu entwickeln. Diese sollte dann möglichst effizient umgesetzt werden. Und hier kommen ETFs ins Spiel. Deren Kostenvorteil wirkt sich langfristig in aller Regel positiv auf die Anlegerrendite aus, was wiederum die Kundenzufriedenheit erhöht und Vertrauen schafft. Anders als bei provisionsgetriebenen Produktempfehlungen vermittelt eine auf ETFs basierende Beratung den Kunden eher das Gefühl, fair beraten zu werden. Eine solche Beratung und deren langfristige Ergebnisse steigern deshalb die Bereitschaft der Kunden, dies entsprechend zu honorieren. Eine Vanguard-Studie für den US-Markt kam zu dem Ergebnis, dass eine professionelle Anlageberatung mit klarem Kundenfokus langfristig ein jährliches Renditeplus von durchschnittlich rund 3 Prozentpunkten gegenüber traditionellen Beratungsansätzen ermöglicht. Für Berater ergeben sich daraus wiederum Spielräume bei der Festlegung ihres Honorars.

Ist es im Investmentbereich und insbesondere mit Indexfonds für Finanzberater möglich, ratierliche Einnahmen zu erzielen? Und wenn ja, wie?

Kunden in Vermögensfragen ernsthaft zu beraten, bedeutet, sie laufend zu betreuen. Neben der Erstellung der Anlagestrategie und der Produktauswahl müssen Berater also auch darauf achten, ob sich ein Portfolio erwartungsgemäß entwickelt, ob Anpassungen notwendig sind oder welche Auswirkungen das jeweilige Marktumfeld hat. Und es geht eben darum, Kunden in turbulenten Zeiten an die Hand zu nehmen, Anlageentscheidungen angemessen und – wo notwendig – kritisch zu bewerten und die aktuellen Nachrichten einzuordnen. Sie müssen bedenken, dass kurz- und mittelfristige Marktentwicklungen langfristige Anlageziele nur selten gefährden. Berater, die dies ernst nehmen und ihre Kunden fortlaufend über die Entwicklung ihrer Anlagen informieren, sie souverän und einfühlsam durch kritische Marktphasen begleiten, bieten entscheidenden Mehrwert. Diesen können sich die Berater honorieren lassen, wobei nichts gegen eine monatliche Vergütung spricht.

Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Banken Strafzinsen verlangen, stellt sich die Frage, ob sich ETFs auch für Firmenkunden zum Parken von Geld eignen.

Das kommt darauf an, wofür das geparkte Geld benötigt wird. Um kurzfristige Liquiditätsüberschüsse anzulegen, eignen sich Aktien-ETFs sicher nicht, da sie erhebliche Kursschwankungen aufweisen können. Soll das Kapital jedoch längerfristig Ertrag bringend angelegt werden, dann kann dies aber eine Alternative sein. Bei kurzfristigen Anlagen ist zu bedenken, dass auch ETFs Kosten mit sich bringen, selbst wenn diese relativ niedrig ausfallen. Zudem können sie, je nach Methode der Indexnachbildung, zusätzliche Risiken bergen. Dafür bieten ETFs als Sondervermögen einen umfassenden Schutz, während Bankeinlagen über den Einlagensicherungsfonds nur bis 100.000 Euro abgesichert sind. Es ist also im Einzelfall abzuwägen, ob sich ein Geldmarkt-ETF oder Cash besser eignet.

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Karen

Karen Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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