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Kann eisernes Sparen den BU-Schutz ersetzen? „Bei der BU geht es um eine reine Statusabsicherung“

Ein Auszubildender zum Industriemechaniker bei der Arbeit: Diese Berufsgruppe muss in der Regel für eine BU-Absicherung tiefer in die Tasche greifen als Büro-Angestellte.
Ein Auszubildender zum Industriemechaniker bei der Arbeit: Diese Berufsgruppe muss in der Regel für eine BU-Absicherung tiefer in die Tasche greifen als Büro-Angestellte. © dpa/picture alliance

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist eine sinnvolle Sache. Darin sind sich Versicherungsvermittler und Verbraucherschützer einig – im Prinzip. Doch da der Schutz für bestimmte Berufsgruppen sehr teuer ausfallen kann, häufen sich in der Presse Schlagzeilen wie jüngst diese: „Im Prinzip geht es auch ohne“ – belegen soll dies ein Zahlenbeispiel, das sich jedoch als fehlerhaft erweist.

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Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) folgt im Grunde einem einfachen Kalkulationsprinzip: Je höher das Risiko für den Berufstätigen ist, seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben zu können, desto höher ist für ihn die monatliche Prämie für die Police.

Beispiel Industriemechaniker: Dieser müsste bei einem Eintrittsalter von 25 Jahren jeden Monat 74,50 Euro an seinen Versicherer überweisen, um im Ernstfall eine monatliche BU-Rente von 1.500 Euro zu bekommen, heißt es in einem Bericht der Augsburger Allgemeinen, der auf Berechnungen der Verbraucherzeitschrift Finanztest verweist.

Die Absicherung des Berufsunfähigkeitsrisikos werde damit zu teuer erkauft, findet Dirk Ulbricht, Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff), laut dem Bericht. „Bei der BU geht es um eine reine Statusabsicherung“, so Ulbricht, der das so begründet: Die Police solle verhindern, dass die Betroffenen im Ernstfall „Abstriche an ihrem Lebensstandard“ machen müssten. „Ob ich die Versicherung wirklich in Anspruch nehmen muss, weiß ich ja gar nicht“, sagt der iff-Direktor.

Altersvorsorge sei wichtiger, denn „die Rente erwischt mich ganz sicher“

Selbst wenn der BU-Fall eintrete, seien Betroffene durch das Krankengeld „zunächst eine Zeit lang finanziell abgesichert“, meint Ulbricht und fügt hinzu: „Oft sind die Betroffenen ja nicht ihr Leben lang nicht mehr in der Lage zu arbeiten, sondern nur zeitweise.“

Als Alternativen zur BU schlägt der iff-Direktor Verbrauchern vor, sich ein ausreichendes finanzielles Polster für die Altersvorsorge zu schaffen. Denn, so Ulbricht: „Die Rente erwischt mich ganz sicher.“

Legten Verbraucher also „in guten Zeiten genügend Geld zur Seite“, könnten sie Zeiten der Berufsunfähigkeit mit diesen Mitteln überbrücken, meint Ulbricht. „Wenn Sie 24.000 Euro angespart haben, könnten Sie sich zwei Jahre lang jeden Monat 2.000 Euro auszahlen.“ (Anm. d. Red.: Für eine zwei Jahre währende monatliche Entnahme von 2.000 Euro wären 48.000 und nicht 24.000 Euro erforderlich). 

BdV: Vorsorge durch selbstständiges Sparen ist schwierig

Aus Sicht des iff-Direktors habe dieses Vorgehen noch einen weiteren Vorteil: An ihre eigenen Rücklagen kämen Betroffene im Prinzip jederzeit heran, während die Versicherung erst prüfen müsse, ob die Leistung auch wirklich ausgezahlt werde.

Doch auch Verbraucherschützern ist bei dieser Rechnung offenbar nicht ganz wohl. „Vorzusorgen, indem Sie selbstständig sparen, ist schwierig“, kommentiert Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV) dem Zeitungsbericht zufolge das Rechenbeispiel des iff-Direktors. So würden Verbraucher oft nicht genug Geld beiseitelegen, um auch längere Zeiten der Berufsunfähigkeit zu überbrücken, meint die BdV-Sprecherin – und fügt hinzu: „Außerdem wissen Sie nicht, wie viel Zeit Sie zum Sparen haben. Berufsunfähigkeit kann Sie theoretisch jederzeit treffen.“

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