Photovoltaik-Anlage auf dem Dach: Solche An- und Aufbauten lassen sich mit Bausparverträgen gut finanzieren © picture alliance / Rudolf Brandstätter
  • Von Andreas Harms
  • 12.01.2023 um 14:50
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Gestiegene Zinsen sorgen dafür, dass der Bausparvertrag ein glänzendes Comeback als günstiger Teil von Baufinanzierungen feiert. Durch ihn wollen sich Immobilienbesitzer noch niedrige Kreditzinsen sichern.

Man könnte Mario Draghi die Schuld geben. Im Juli 2012 kündigt er als Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) vollmundig an, den Euro zu retten – egal was es kostet. Damit schickt er die in der Eurozone ohnehin schon stark gesunkenen Renditen an den Anleihemärkten noch einmal so richtig in den Keller. Er senkt den Leitzins mehrmals und kauft Staatsanleihen – und lässt über eine altehrwürdige deutsche Institution eine sehr harte Zeit hereinbrechen: den Bausparvertrag.

Seit 2014 sinkt jedes Jahr die Zahl der laufenden Verträge (siehe Grafik). Was das mit Draghi zu tun hat? Er hatte dafür gesorgt, dass Zinsen für ganz normale Immobilienkredite unter jene für Bauspardarlehen sanken – und sie damit überflüssig machten. 100 Prozent Beleihungswert? Zinsbindung über 20 Jahre? Kein Problem. Geld war jahrelang billig. Zuletzt tat man Banken sogar regelrecht einen Gefallen, wenn man ihnen welches abnahm. Das Bauspardarlehen hatte seinen Nimbus als Schnäppchenkredit sichtlich verloren.

Bausparen im Laufe der Jahrzehnte
Bausparen im Laufe der Jahrzehnte (Quelle: Deutsche Bundesbank)

Bis 2022. Wenn man sich heute den Zins für einen Baukredit über zehn Jahre festschreiben lassen will, bewegt sich der Wert wieder in der Nähe der Marke von 4 Prozent. Und das lässt den guten alten Bausparvertrag mit seinen Kreditzinsen von noch immer unter 2,35 Prozent, bei manchen Tarifen sogar unter 2 Prozent, plötzlich in einem ganz anderen Licht leuchten.

Das merkt auch Christian Andreas an den Zugriffen auf seine Internet-Seite www.mein-bauspar-vergleich.de. „Das Interesse hat sich im Vergleich zum Vorjahr ungefähr verdoppelt“, sagt der auf Bausparen und Wohn-Riester spezialisierte Makler aus Rastatt. „Wir erleben ganz klar ein Comeback des Bausparens, die Zahlen schießen nach oben.“

Das mögen die Gesamtzahlen der Bundesbank zwar noch nicht bestätigen, einzelne Unternehmensnachrichten tun das aber sehr wohl. So melden die Landesbausparkassen (LBS) für die erste Hälfte 2022 immerhin 290.000 neue Bausparverträge mit einem Volumen von 21,5 Milliarden Euro. Das sind 13 Prozent mehr Verträge und eine 43 Prozent höhere Bausparsumme als im Vorjahreszeitraum. Und bei der Konkurrenz von Wüstenrot jubelt man im Halbjahresbericht über das „bislang beste Halbjahresergebnis in der Unternehmensgeschichte“. Das Brutto-Bausparneugeschäft zog um 40 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro Bausparsumme an.

Manche bekommen Panik

Eines der Hauptmotive der Kunden dürfte sein, sich noch günstige Bauteile für Immobilienfinanzierungen zu sichern. „Bausparverträge retten zwar keine gesamte Finanzierung, aber sie können den Immobilienkauf und die Anschlussfinanzierung deutlich erleichtern“, sagt Thomas Saar vom Baufinanzierungsvermittler Dr. Klein.

Christian Andreas bemerkt bei einer ganz bestimmten Gruppe sogar eine gewisse Panik: „Manche Leute wussten in der Niedrigzinsphase nicht, wohin mit ihrem Geld, und haben deshalb zum Teil finanzierte, vermietete Immobilien gekauft. Noch sind die Kreditzinsen fest gebunden, aber in einigen Jahren läuft das aus.“ Weshalb nun diese Häuserbesitzer noch schnell etwas tun wollen, um das dann entstehende Zinsrisiko zu senken. Weitere Einsatzgebiete für Bausparverträge sind mittelschwere Reparaturen an Häusern oder neuerdings auch Anbauten, um der Energiekrise zu trotzen: Solaranlage aufs Dach, sparsame Heizung in den Keller, Ladestation in die Garage? Mit Bausparen ist so etwas gut machbar. Es ist durchaus üblich, dass Hausbesitzer mehrere Verträge laufen haben, in die sie ihre Rücklagen fließen lassen.

Seite 2: Die Vorteile von Blankodarlehen

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Andreas

Andreas Harms

Andreas Harms ist seit Januar 2022 Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

kommentare
Eurone
Vor 2 Wochen

Die Gesamtdarlehensrestschuld nach 18 Jahren liegt dann beim BSV-Modell aber bei T€ 229 (Annuitätendarlen T€ 204) und die nach 18 Jahren fällige Gesamt-Monatsrate inkl. BSV-Darlehen wäre ja auch noch interessant im Vergleich zum Annitätendarlehen, gell.

    Andreas Harms
    Vor 2 Wochen

    So ist es. Wobei in dieser Rechnung der Schwerpunkt darauf lag, wie viel neu zu verzinsen ist. Denn der Bausparer soll ja ausdrücklich das Zinsrisiko senken. Gleichwohl sind auch Ihre Fragen wichtig und einen Gedanken wert, ganz klar. Viele Grüße, Andreas Harms

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Eurone
Vor 2 Wochen

Die Gesamtdarlehensrestschuld nach 18 Jahren liegt dann beim BSV-Modell aber bei T€ 229 (Annuitätendarlen T€ 204) und die nach 18 Jahren fällige Gesamt-Monatsrate inkl. BSV-Darlehen wäre ja auch noch interessant im Vergleich zum Annitätendarlehen, gell.

    Andreas Harms
    Vor 2 Wochen

    So ist es. Wobei in dieser Rechnung der Schwerpunkt darauf lag, wie viel neu zu verzinsen ist. Denn der Bausparer soll ja ausdrücklich das Zinsrisiko senken. Gleichwohl sind auch Ihre Fragen wichtig und einen Gedanken wert, ganz klar. Viele Grüße, Andreas Harms

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