Michael Pickel ist Chef der E+S Rückversicherung. Das Unternehmen verantwortet das Deutschlandgeschäft der Hannover-Rück-Tochter. © E+S Rück
  • Von Lorenz Klein
  • 24.10.2022 um 13:22
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Michael Pickel, Chef der Hannover-Rück-Tochter E+S Rück, hält weitere Preiserhöhungen in der Erst- und in der Rückversicherung für „unverzichtbar“. Laut einer Analyse gehe man für Deutschland angesichts wiederholt hoher Schadenbelastungen und starker Inflation von „deutlichen Preis- und Konditionsanpassungen“ aus.

Michael Pickel, Vorstandsvorsitzender der E+S Rück, schlägt Alarm – und zeichnet ein düsteres Bild von der aktuellen Lage der Versicherungswirtschaft. In der Folge müssten sich Industrie- und Gewerbekunden in Deutschland auf weiter steigende Kosten für ihren Versicherungsschutz einstellen: „Sowohl Erst- als auch Rückversicherer sind mit einem deutlichen Anstieg der Inflationsraten konfrontiert, der sich zusammen mit anhaltend hohen Belastungen aus Großschäden negativ auf die Profitabilität der gesamten Branche auswirkt“, warnte Pickel am Montag in einer Mitteilung der Hannover-Rück-Tochter.

Weitere Preiserhöhungen sowohl in der Erst- als auch in der Rückversicherung seien unverzichtbar, erklärte der Chef der E+S Rück, die für das Deutschlandgeschäft der Hannover Rück zuständig ist. Pickel zufolge seien „deutliche Verbesserungen der risikoadjustierten Preise und der Konditionen in der Schaden-Rückversicherung“ erforderlich. Kurzum: Die Prämien müssen rauf.

So betonte Pickel, dass Winterstürme, Dürren und Waldbrände in diesem Jahr gezeigt hätten, dass Naturkatastrophen in Europa zunehmen – das gelte auch für Deutschland. Winterstürme wie „Ylenia“ und „Zeynep“ sowie andere Unwetter sorgten nach Angaben des Rückversicherers dafür, dass die versicherten Schäden im ersten Halbjahr 2022 allein in Deutschland erneut über dem langjährigen Durchschnitt lagen.

„Deutliche Preis- und Konditionsanpassungen in der Sachsparte“

Insgesamt gehen die Experten des Unternehmens in Deutschland „von deutlichen Preis- und Konditionsanpassungen in der Sachsparte aus – auch über reine Naturkatastrophendeckungen hinaus“, wie es hieß. Zugleich halte die Nachfrage nach „qualitativ hochwertigem Rückversicherungsschutz“ unverändert an.

Dabei weisen die unterschiedlichen Sach-Sparten teils recht unterschiedliche Risiko-Szenarien auf: „In der Kraftfahrtversicherung hat sich die Schadenfrequenz weiter normalisiert und wieder dem langjährigen Trend angenähert, wenn auch auf niedrigerem Niveau als vor der Pandemie“, berichten die Schadenexperten. Gleichzeitig beschleunigten jedoch Inflation und Lieferengpässe den Trend zu immer höheren Ersatzteil- und Reparaturkosten deutlich. Es sei daher mit einer weiteren spürbaren Eintrübung der Ergebnisse in der Kraftfahrtsparte zu rechnen, sollten die Erstversicherer nicht mit entsprechend deutlichen Preiserhöhungen reagieren, so die Einschätzung.

Die Lage der Sparten im Einzelnen

Bei Naturkatastrophendeckungen seien wiederum im laufenden Jahr erneut erhebliche Belastungen durch Unwetter zu verzeichnen. Die Winterstürme „Ylenia“, „Zeynep“ und „Antonia“, die zu Beginn des Jahres über große Teile Deutschlands sowie Nordwest- und Mitteleuropas zogen, verursachten einen Gesamtschaden von rund 1,4 Milliarden Euro, wie E+S Rück unter Berufung auf Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mitteilt. „Das Jahr 2022 verzeichnete damit eines der drei schwersten Wintersturmereignisse seit 2002.“

Die hohen Inflationsraten verteuerten die Schadenbelastungen zusätzlich. Hinzu komme, dass nach den schweren Überflutungen des Vorjahres eine gestiegene Nachfrage nach Elementarschadendeckungen zugleich auch die „Exponierung“ auf Seiten der Erstversicherer gesteigert habe. Gleichzeitig seien die Kapazitäten im Rückversicherungsmarkt insgesamt rückläufig. „In Summe sollten die Preise für Naturkatastrophendeckungen daher deutlich steigen“, heißt es aus Hannover.

Im Industrie- und Gewerbegeschäft halte zudem der Sanierungsdruck unverändert an. Gleichzeitig lasteten Engpässe bei den Lieferketten und ein wegen der hohen Inflation eingetrübter konjunktureller Ausblick auf den Unternehmen. „Im Bereich Betriebsunterbrechung sollten sich verlängerte Reparatur- und Wiederaufbauzeiten entsprechend in angepassten Deckungsumfängen und Konditionen widerspiegeln“, geben die Experten zu bedenken.

Bei Cyber-Deckungen führten immerhin die fortschreitende Digitalisierung und anhaltendes Wachstum in Kombination mit zunehmenden Schäden aus Cyber-Attacken zu einem gestiegenen Risikobewusstsein, so die Beobachtung der Marktkenner. Entsprechend hätten Erstversicherer ihre Limite reduziert, was sich wiederum negativ auf die verfügbare Kapazität auswirke. „Dies alles resultiert in weiteren signifikanten Preis- und Konditionsverbesserungen sowohl auf Seiten der Erst- als auch der Rückversicherer“, fassen die Analysten zusammen.

Abschließend betonte E+S Rück-Chef Pickel fast schon beschwichtigend, dass sein Unternehmen auch „künftig auf partnerschaftliche Verhandlungen mit allen Marktteilnehmern und langfristige Kundenbeziehungen“ setze. Den aktuellen und auch kommenden Herausforderungen könne man nur gemeinsam begegnen. „Ich bin optimistisch, dass uns das in der kommenden Erneuerung gelingt“, so Pickel.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit 2016 an.

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