Ufuk Boydak, Fondsmanager und Vorstandschef bei der Fondsboutique Loys © Loys
  • Von Redaktion
  • 10.06.2022 um 08:17
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Der Chef und Fondsmanager der Investmentboutique Loys, Ufuk Boydak, findet den aktuellen Zeitpunkt ideal, um die Aktienrente endlich in die Spur zu bringen. In seinem Gastbeitrag nennt er Gründe dafür und einen ziemlich gewagten Vorschlag, wie das konkret laufen könnte.

Am Ende des Jahres 2021 konnte man den Eindruck gewinnen, die Ampel-Regierung schicke sich an, nach fünf verpassten Jahrzehnten den Einstieg in eine Aktien-basierte zusätzliche Säule der Altersvorsorge vorzunehmen. Unter der Chiffre „Aktienrente“ wurden erste Vorstellungen entwickelt, wie Deutschland jenen Weg einschlagen könnte, den vergleichbare Länder (Niederlande, Schweiz, Großbritannien, Schweden, USA, Kanada etc.) seit Jahrzehnten erfolgreich beschreiten.

Zwar lässt sich der aufgelaufene Rückstand nicht mehr aufholen, aber immerhin bleibt es klug, auch dann das Richtige zu tun, wenn es sehr spät geschieht. Dabei ist zu bedenken, dass etwa der deutsche Aktienindex Dax seit 1990 ungeachtet der vielen Krisen (Dot.com Einbruch, 11.-September-Terroranschläge, Irak- und Afghanistan-Kriege, Subprime-Krise, Euro-Rettungskrise, Corona-Pandemie und zuletzt der Ukraine-Krieg) um durchschnittlich 6,6 Prozent pro Jahr gestiegen ist.

Leider hat der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine die Prioritäten der Ampel-Regierung verwirbelt, sodass der Einstieg in die Aktienrente mittlerweile auf die lange Bank verschoben wurde. Das ist ein Fehler, denn ein verlängertes Zögern lässt die demographische Malaise umso schwerer zu Lasten der Wohlstandsentwicklung wirken.

Hinzu kommt ein wichtiges Timing-Argument. Der Einstieg in den Aktienmarkt ist nämlich dann besonders attraktiv, wenn die Kurse und Bewertungen niedrig sind. Genau dies ist jetzt aber bei vielen Aktien der Fall, sodass es angeraten wäre, die günstigen Kurse zum Einstieg in die Aktienrente zu nutzen. Angesichts der langfristigen Natur von Altersvorsorgeinvestitionen muss sich die Regierung um kurzfristige Kursschwankungen keine Sorgen machen. Im Gegenteil: Die aktuelle Börsenbaisse muss gerade als unverdientes Glück gewertet werden, um den verpassten Einstieg in die kapitalbasierte neue Säule der Altersvorsorge jetzt nachzuholen.

Angesichts der überraschenden und erstaunlichen – gleichwohl noch nicht vollzogenen – Kehrtwende beim Thema Bundeswehr-Finanzierung sollte die rot-grün-gelbe Regierung jetzt die Initiative ergreifen, um aus den momentanen Wirren an den Finanzmärkten das Beste zu machen. Wie wäre es etwa mit einem durch die Auflegung von Staatsanleihen finanzierten 100-Milliarden-Sondertopf zum Start einer Aktienrente? Klüger noch wäre es, private Aktienfondssparpläne für die Altersvorsorge zu ermöglichen. Wenn etwa die Bürger aus ihrem Bruttoeinkommen für das Alter in Aktienfonds sparen dürften, dann bedarf es keiner neuen und vor allem großen staatlichen Bürokratie, um das Thema auf den Weg zu bringen.

 

Ungeachtet dessen steht es den Bürgern auch heute frei, im Rahmen der privaten Altersvorsorge die mitunter günstigen Aktienkurse zu nutzen, um den Aktienanteil auszubauen. Hier wäre es jedoch wünschenswert, wenn der Staat die hohe Besteuerung von Erträgen aus Aktienbesitz abmilderte oder mindestens die Verrechenbarkeit von etwaigen Verlusten mit anderen Einkunftsarten ermöglicht. Solcherlei Maßnahmen würden obendrein eine Aktienkultur in Gang setzen, die man landauf landab vergeblich sucht.

Es ist eben kein Zufall, dass die mit Abstand größte Volkswirtschaft Europas – Deutschland – keineswegs auch den größten Aktienmarkt beherbergt. Genau besehen ist es eine Peinlichkeit, die seit Jahrzehnten mit großen Nachteilen bei der Vermögensentwicklung der deutschen Bevölkerung einhergeht, dass Länder wie Großbritannien, Frankreich und sogar die Schweiz unser Land in puncto Marktkapitalisierung in den Schatten stellen. Wir müssen uns stets wieder daran erinnern, dass Länder mit einer starken Börsenkultur auf dem Gebiet der Vermögensentwicklung besonders weit vorne liegen, zumal wenn man den finanziellen Wohlstand pro Kopf zum Maßstab nimmt.

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