Eine Long Covid-Patientin nimmt im Juli 2022 an einer digitalen Therapie im Unfallkrankenhaus Berlin teil. Die frühere Krankenschwester leidet an den Spätfolgen ihrer Corona-Infektion. © picture alliance/dpa, Jörg Carstensen
  • Von Lorenz Klein
  • 05.09.2022 um 14:02
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Berufsunfähig durch Corona – was vielfach befürchtet wurde, hat sich inzwischen bewahrheitet. Wenngleich auf geringem Niveau: Sechs der insgesamt 950 BU-Leistungsfälle, die die Debeka im Jahr 2021 gewährte, basierten auf einer Covid-19-Erkrankung. Psychische Leiden bleiben mit großem Abstand Ursache Nummer eins, wie der Lebensversicherer mitteilte.

In der Versicherungsbranche wurde schon vielfach darüber gerätselt, ob und wann sich die Corona-Pandemie in den Leistungsfällen der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) niederschlägt. Der Lebensversicherer Debeka hat nun jüngste Erkenntnisse aus seinem 450.000 starken BU-Datenbestand geliefert, die Aufschluss geben sollen.

Demnach hat die Corona-Pandemie erstmals in der Unternehmensgeschichte der Koblenzer auch die Berufsunfähigkeitsstatistik erreicht. In sechs Fällen war eine Covid-19-Erkrankung und deren Folgen Grund für eine Berufsunfähigkeit. Das ergibt einen Anteil von etwa 0,6 Prozent an allen rund 950 neu eingetretenen BU-Leistungsfällen, die die Debeka im Jahr 2021 ihren Versicherten gewährte.

In 44,9 Prozent der Fälle waren psychische Erkrankungen Grund für die Berufsunfähigkeit – damit bleiben sie der eindeutige Hauptauslöser für eine BU. Als zweitgrößten BU-Grund führt die Debeka mit 15,4 Prozent Geschwülste (zum Beispiel Krebserkrankungen) an. Mit 11,9 Prozent war der Bewegungsapparat (Rücken, Gelenke) der drittgrößte Anlass, nicht mehr arbeiten zu können (siehe Grafik).

Quelle: Debeka

Inwieweit die Pandemie – beziehungsweise deren Begleiterscheinungen mit Lockdown und wirtschaftliche Verwerfungen –, zur psychischen Zerrüttung im Kundenbestand der Debeka beigetragen hat, dazu macht der Versicherer keine direkten Angaben. Gleichwohl liefert das Unternehmen hier einige Daten zur besseren Einordnung:

Psychische Auslöser pendeln sich bei 40 Prozent plus X ein

Demnach schwankt der Anteil psychischer Erkrankungen als Hauptursache für eine Berufsunfähigkeit seit Jahren zwischen 40 und 45 Prozent. Nachdem der Anteil im Jahr 2020 mit 40,6 Prozent rückläufig war, übertraf er schließlich 2021 mit 44,9 Prozent das Niveau vom Vor-Corona-Jahr 2019 (44,1 Prozent), wenngleich nur knapp. Kurzum: Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Auslöser „Psyche“ im Jahr 2021 um 4,3 Prozentpunkte. Andere Hauptursachen sind entsprechend gesunken.

Laut Debeka ist der Anteil des Bewegungsapparates als Ursache für Berufsunfähigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 Prozentpunkte (von 2020 insgesamt 14,1 Prozent) auf 11,9 Prozent gesunken. Neubildungen, also bösartige und gutartige Tumore, als Grund haben ebenfalls leicht abgenommen, um 1,5 Prozentpunkte auf 15,4 Prozent (von 2020 insgesamt fast 16,9 Prozent).

Die Debeka verwaltete nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Bestand von etwa 451.000 BU-Verträgen und zahlte BU-Renten in Höhe von rund 67,2 Millionen Euro aus, knapp 6,2 Prozent mehr als im Vorjahr. BU-Empfänger waren demnach knapp 7.650 Menschen, nach rund 7.500 im Vorjahr. Davon galten etwa 6.810 als Vollinvalide (2020: 6.670) und 833 als Teilinvalide (Vorjahr: 819).

Warum gab es 2020 noch keine Corona-Fälle in der BU der Debeka?

Auch zur Frage, warum sich Corona nicht schon in der BU-Statistik für 2020 bemerkbar gemacht hatte, äußern sich die Experten. Sie verweisen darauf, dass Menschen, die über einen längeren Zeitraum erkrankten, zunächst Lohnersatzleistungen in Anspruch nähmen. Zudem habe es kurz nach Ausbruch der Pandemie noch keine Arztprognose zur Berufsunfähigkeit von mindestens sechs Monaten gegeben. Und dann seien hauptsächlich ältere Menschen schwer an Covid-19 erkrankt, die keinen Berufsunfähigkeitsschutz (mehr) hatten, so die Erklärung der Debeka.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit 2016 an.

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