Pfefferminzia: Herr Schmahl, die gesetzlichen Krankenkassen befinden sich untereinander in einem Verdrängungswettbewerb mit aufgeteilten Marktanteilen. Aktuell gibt es noch 113 Anbieter.  Wie positionieren sich Krankenkassen in diesem Wettbewerb?

Michael Schmahl: Die Ausrichtung auf den Wettbewerb wird verstärkt über das Kundenbeziehungsmanagement – Kundenexzellenz – beziehungsweise über das Finanzcontrolling, über Kooperationen und Vertragsgestaltungen sowie über das Versorgungsmanagement – Kostenexzellenz – bestimmt. Das sind die zentralen Felder der Wertschöpfung modern geführter Krankenkassen mit ihrer Ausrichtung auf die drei großen Versichertengruppen Gesunde, akut Erkrankte und chronisch Kranke.

Lassen sich hier bestimmte Strategien erkennen?

Ja, wir beobachten mehrere Strategien mit denen sich Krankenkassen am Markt positionieren. Das ist die Preisstrategie, Stichwort Kostenführerschaft, bei der Krankenkassen konsequent alle Spareffekte nutzen um einen möglichst attraktiven Beitragssatz zu bieten.

Dafür sind sie möglicherweise auch bereit, Serviceverschlechterungen durch Einsparungen im Verwaltungskostenbereich oder direkte beziehungsweise indirekte Leistungskürzungen durch das Streichen von Satzungsleistungen oder ein strenges Leistungscontrolling in Kauf zu nehmen. Das kann zu einer höheren Kundenunzufriedenheit, zu Beschwerden und Widersprüchen und auch zu Kündigungen führen. Andererseits kann der Beitragssatz durch diese Strategie der Kostenführerschaft so attraktiv werden, dass neue preisaffine Kunden geworben werden.

Eine weitere Strategie ist die Differenzierungsstrategie. Diese achtet nicht vorrangig auf die Ausgaben. Sie sucht die Marktchancen in Zusatzleistungen und Zusatzservices, welche die Wettbewerber nicht oder nicht in diesem Umfang bieten und kommuniziert diese Alleinstellungsmerkmale. Das führt zu höheren Ausgaben und einem möglicherweise weniger attraktiven Beitragssatz.