Eine Risikolebensversicherung zahlt, wenn ich tot bin, eine Unfallversicherung zahlt, wenn ich einen Unfall habe – so in etwa dürfte der Laie über die scheinbar simpelsten Policen denken, die in der unübersichtlichen Versicherungswelt zu finden sind.

Weit gefehlt, findet Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Internetportals Finanztip. „Verzichtbar“, urteilte er jüngst in einem Medienbeitrag über die Unfallversicherung. Denn die Police gaukle lediglich vor, „in schwierigen Lebenssituationen tatsächlich zu zahlen“.

Er begründet dies unter anderem so:

Ein Unfall sei zwar die Voraussetzung, damit die Versicherung zahlt. Die viel wichtigere Voraussetzung sei aber, dass der Geschädigte dauerhafte Unfallschäden davontrage.

„Ein Beinbruch beim Skifahren genügt eben nicht. Das Bein muss hinterher schon ziemlich schief zusammenwachsen und eine wirkliche, langjährige Beeinträchtigung erleiden“, so Tenhagen – und das passiere glücklicherweise doch ziemlich selten.

Dazu verweist er auf Zahlen des Analysehauses Morgen & Morgen:

Demnach gehen rund 91 Prozent aller Fälle, die zu einer Invalidität beziehungsweise Berufsunfähigkeit führen, auf Krankheiten zurück, aber nur gut 9 Prozent auf Unfälle.

„Schließen Sie also keine Unfallversicherung ab, bevor Sie nicht versucht haben, sich mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung umfassend abzusichern“, rät der Finanztip-Chef Verbrauchern, da letztere auch im Falle einer krankheitsbedingten Invalidität leiste.

Kritik an der Gegenüberstellung von Unfallversicherung und BU-Police

Auch Versicherungsmakler Philip Wenzel sieht in der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) die wichtigste Form der Existenzabsicherung, allerdings hält er Tenhagens Gegenüberstellung von Unfallversicherung und BU für unangebracht – und bemüht dafür seinerseits einen Vergleich:

Das sei wie der „Vergleich der Leistungsfähigkeit einer Wohngebäude- und einer Hausratversicherung“, schreibt Wenzel in seiner Replik auf Tenhagens Beitrag. Es gebe hier zwar einige Schnittmengen, aber die eine Police sichere eben hauptsächlich das Wohngebäude und die andere den Hausrat ab.

Unfallversicherung soll nicht das Einkommen absichern

Die Schnittmenge zwischen BU und Unfallversicherung sei ebenfalls „rein zufällig“, so Wenzel. Unter der „falschen Annahme“, eine Unfallversicherung sei für die Absicherung des Einkommens notwendig, folge für den Leser selbstverständlich, dass jede andere biometrische Versicherung dafür besser geeignet sei, fährt der Makler fort.

Außerdem sei es kein Fehler des Produkts, dass eine Unfallpolice nicht bei jedem Unfall zahle, sondern erst, wenn ein Dauerschaden vorliege. Sie sei „ja gerade deswegen so günstig, weil sie nur dann hohe Summen leistet, wenn eine schwere Invalidität infolge des Unfalls vorliegt“. Würde sie schon bei jedem Beinbruch eine Leistung erbringen, so Wenzel, müsste sie deutlich teurer kalkuliert werden.