Auch in der Versicherungsbranche ist die Digitalisierung auf dem Vormarsch – persönliche Beratung bleibt dennoch gefrafgt. © picture alliance/dpa | Uwe Anspach
  • Von Manila Klafack
  • 22.02.2021 um 11:58
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Der digitale Vertrieb von Versicherungen und Online-Abschlussmöglichkeiten gewinnen bei den Themen Absicherung und Vorsorge immer mehr an Bedeutung. Kunden wandern ins Internet ab. Werden Makler in Zukunft überflüssig sein?

Ob Start-up oder traditioneller Anbieter – immer mehr Versicherer setzen auf das Online-Geschäft und reagieren damit auf ein sich veränderndes Kundenverhalten. Denn Untersuchungen zeigen, dass knapp jeder zweite Deutsche schon mal einen Versicherungsvertrag online abgeschlossen hat.

Vorrangig einfache Produkte wie Kfz-Haftpflicht- oder Reiserücktrittsversicherungen sind digital nachgefragt, hat eine Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ergeben. „In Zeiten von Kontakteinschränkungen hat es der klassische Versicherungsvertrieb über Hausbesuche oder Filialberatungen ohnehin schwer. Online-Abschlüsse von Versicherungen werden demnächst in den meisten Fällen der Standard sein“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Persönlicher Kontakt bleibt dennoch wichtig

Brauchen Versicherer also künftig keine Vermittler mehr? Doch, sagen die Kunden. Laut einer Studie des Beratungsinstituts Sirius Campus hat die Corona-Pandemie zwar dazu geführt, dass Versicherungsnehmer verstärkt auf Online-Angebote wie Videotelefonie oder Chats zurückgreifen. Doch 71 Prozent wünschen sich spätestens beim Abschluss einer Police immer noch einen persönlichen Kontakt.

Insbesondere kompliziertere Produkte sind nicht zu jedem Zeitpunkt einfach in einen Standard zu packen. „Versicherungsprodukte sind und bleiben erklärungsbedürftig – auch in einer digitalen Welt. Versicherungsmakler bleiben deshalb wichtig“, betont etwa Michael Stock, Sales Director Acquisition Management des digitalen Start-ups andsafe.

Den Kunden in den Mittelpunkt stellen

„Bei den meisten Versicherungsprodukten bezahlt der Kunde nicht mehr Prämie, wenn er bei einem Versicherungsmakler seinen Versicherungsschutz abschließt“, erklärt Stock. „Allerdings liefert der Vermittler zusätzlich zum passenden Tarif noch die Beratung und einen Service für seinen Kunden.“

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Dennoch ist die Zahl der Versicherungsvermittler in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Während Anfang 2011 noch über 263.000 registrierte Versicherungsvermittler bundesweit ihre Kunden betreuten, waren es im Juni 2020 laut Online-Portal Statista nur noch knapp 197.000. „Dieser Trend wird sich fortsetzen“, glaubt Michael Stock. „Doch die Vermittler, die den Kunden in den Mittelpunkt stellen und ihre Dienstleistungen an seinen Bedürfnissen und Kommunikationswegen ausrichten, werden bestehen. Der digitale Versicherungsmakler wird erfolgreich sein.“

Schlanke und schnelle Prozesse

Voraussetzung dafür seien schlanke Prozesse, die wiederum von digitalen Versicherern oftmals besser realisiert werden könnten als von den klassischen Unternehmen –angefangen von der Entwicklung über den Vertrieb bis hin zur Schadenmeldung. Eine Entwicklung, die durch die Corona-Pandemie noch einmal an Fahrt zugelegt hat.

Stock: „Aber mit Pandemie oder ohne, ich bin überzeugt, dass rein unter technischen Aspekten jedes auch noch so komplizierte Versicherungsprodukt irgendwann schnell, einfach und dabei sicher online abschließbar sein wird. Nichtsdestotrotz wird es auf der anderen Seite immer Versicherungsnehmer geben, die auf einen Makler und seine Beratung vertrauen.“ Daher profitierten beide Seiten, digitale Versicherer und Makler, von einer Zusammenarbeit.

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Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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