Pfefferminzia: Welche Chancen und Risiken sehen Sie ganz allgemein derzeit für Investitionen im amerikanischen und im britischen Markt angesichts der dortigen politischen Entwicklungen?

Frank Huttel: Beide Märkte haben ihre eigenen und sehr unterschiedlichen Herausforderungen und bieten daher auch unterschiedliche Chancen – und Risiken. Man sollte trotz möglicher Animositäten bezüglich der Person Donald Trump nicht die sich bietenden Chancen übersehen. Seine Politik, die sogenannten Trumponomics, ist sehr konsequent, erscheint wirtschaftsfreundlich und könnte eine Sonderkonjunktur in den nächsten 12 bis 24 Monaten in den USA auslösen. Daher sind die US-Aktienmärkte trotz bereits gestiegener Kurse mindestens eine Halteposition. Das „Atomgespenst“ sehen wir definitiv nicht und erachten es als nicht relevant. Ein echtes Risiko könnte allerdings der US-Dollar werden, und zwar für Euro-Anleger. Entgegen der allgemeinen Meinung können wir uns einen schwächeren US-Dollar vorstellen, der die Performance von US-Anlagen schmälert. Dies geht konform mit einer Aussage Trumps, der im Januar in einem Interview mit dem Wall Street Journal sagte „Er macht uns fertig“.

Wenn wir Großbritannien betrachten, sehen wir vor allem Chancen bei der Währung und können uns eine Erholung des Pfunds vorstellen. Wie die Auswirkungen des Brexit schlussendlich sein werden, kann man seriös zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen – aber bis jetzt ist England noch nicht in eine Rezession abgeglitten. Definitiv positiv für Aktien wäre eine Senkung der Unternehmenssteuern, die als mögliche Reaktion auf Handels-beschränkungen seitens der EU angedacht sind. Auch der Schulterschluss mit den USA wird für England von Vorteil sein. Somit könnten die großen, internationalen Aktien zu den Gewinnern gehören.

Wie wirkt sich die aktuelle Situation auf die Investmentstrategie von Finet Asset Management aus?

Auch wenn die geopolitischen Risiken, wie Handelsbeschränkungen und Wahlen, zweifellos präsent sind, sollte man sich nicht zu sehr von diesen leiten lassen. Risiken gab es an den Börsen schon immer und wird es immer geben. Das heißt nicht, dass man nicht achtsam und wachsam sein darf. Wir sind derzeit sehr breit diversifiziert und opportunistisch. Wir versuchen die Chancen dann zu nutzen, wenn sie sich ergeben – wie ein Eichhörnchen, das beharrlich viele Nüsse sammelt. Wir agieren eher taktisch und hinterfragen die Strategien jeden Tag. Sollte sich faktenbasiert unsere Meinung ändern, agieren wir als aktiver Risiko-Manager konsequent und zeitnah.   

Welche Branche oder welches Land verspricht aus Ihrer Sicht in diesem Jahr ein besonders großes Wachstum? Haben Sie einen Geheimtipp?

Wir sind trotz der „Bargeldabschaffung“ in Indien im November 2016 positiv für dieses Land eingestellt. Aber nicht nur Indien, auch Südostasien und ausgewählte Schwellenländer gefallen uns unverändert. Wenn wir uns Branchen anschauen, so könnte der Biotech-Sektor vor einer Renaissance stehen. Anderseits ist das Thema Robotik und Automatisierung, auch Industrie 4.0 genannt, sehr spannend, auch wenn es teilweise von einigen Gesellschaftsschichten sehr kritisch hinterfragt und diskutiert wird. Von Geheimtipps halte ich nichts, aber wer langfristig und mit einem Sparplan investieren möchte, sollte sich den afrikanischen Kontinent genauer anschauen und sich von den Meldungen frei machen, die teilweise in den Medien gezeigt werden.