Hat gerade seinen kompletten Vorsorgeplan verloren: John McClane (Bruce Willis) in „Stirb langsam 4.0“ © picture alliance/United Archives | / kpa Publicity
  • Von Andreas Harms
  • 13.05.2024 um 14:47
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Dass das deutsche System zur Altersvorsorge nicht ganz einfach ist, ist nicht neu. So richtig deutlich wird das allerdings, wenn man es mal mit dem US-amerikanischen vergleicht. Ein Volkswirt des Flossbach von Storch Research Institutes hat das getan und zieht ein deutliches Fazit.

Auch die größten Action-Helden müssen vorsorgen. Zum Beispiel der von Bruce Willis verkörperte New Yorker Polizist John McClane aus den „Stirb Langsam“-Filmen. Als er im vierten Teil mit dem Titelzusatz „4.0“ dem Online-Terroristen Thomas Gabriel in die Quere kommt, löscht der ihm kurzerhand den Vorsorgesparplan. Und McClane darf dabei zusehen und kann nichts dagegen tun. Wirklich schlimm, für einen wie ihn.

Auch der Videospiel-Held Max Payne bangt zwischen zwei Schießereien um seine „blutbefleckte“ Altersvorsorge, sein „bloodstained 401(k)“. Worauf beide Werke anspielen, sind die in den USA weit verbreiteten sogenannten 401(k)-Pläne. Sie sind eine beliebte Form, betrieblich fürs Alter vorzusorgen. Und geht es nach den Volkswirten vom Flossbach von Storch Research Institute, dann taugen sie als Beispiel, wie man eine effektives und hochgradig unkompliziertes Vorsorgesystem auf die Beine stellen kann.

In seiner Studie „Sparen in Deutschland und den USA – ein Vergleich“ vergleicht der Volkswirt Sven Ebert das 401(k)-System mit einem Highway und das deutsche System mit einem Dschungel. Ein Bild, das sich durch die gesamte Studie zieht und das Ergebnis gleich vorwegnimmt. Den Ausschlag geben dabei die steuerlichen und regulatorischen Regeln.

Nimmt man das US-System, könnte man sich das kaum einfacher vorstellen. Benannt nach dem dafür verantwortlichen Teil im Steuergesetz, gibt es den 401(k) seit 1978. 2006 kam die nach dem ehemaligen Senator William Roth benannte zweite Version hinzu. Der Unterschied liegt in der Steuer: Den Klassiker bespart man aus dem Brutto und senkt so die Steuerlast. Dafür ist die Rente steuerpflichtig. Und beim Roth-Plan spart man aus versteuertem Einkommen und kassiert später die komplette Rente steuerfrei.

Ein pauschaler Gesamtdeckel für alle reicht aus

Derzeit dürfen Arbeitnehmer bis zu 23.000 Dollar pro Jahr einzahlen, nach 22.500 Dollar im Jahr 2023. Ans Einkommen gekoppelte Grenzen (wie in Deutschland) gibt es nicht. Und die sind auch nicht nötig, weil die meisten Menschen ganz automatisch nur so viel sparen, wie sie können. Das Einkommen ist ein wichtiger Faktor für diese sogenannte Sparfähigkeit. Ein pauschaler Gesamtdeckel für alle reicht aus und erspart eine Menge Rechnerei.

Bei den Investments haben die Sparer weitgehend freie Hand, Garantien gibt es nicht. Beides führt gekoppelt mit dem entspannten Verhältnis der Amerikaner zu Aktien zu enorm hohen Aktienquoten. Ebert zitiert eine Studie, wonach die Sparer unter 40 Jahren bis zu 90 Prozent in Aktien liegen haben. Was sich natürlich an der Rendite ablesen lässt.

Wechselt der Sparer den Job, kann er den 401(k)-Plan mitnehmen, sofern der neue Arbeitgeber mitspielt. Damit steht er nach drei Jobwechseln nicht automatisch mit vier Verträgen da – und hat im Idealfall entsprechend weniger Gebühren bezahlt.

Ähnlich lässig geht es auch in der Rentenphase zu. Die Pflicht zur Rente gibt es nicht, und größere Entnahmen sind zum Teil möglich. Es gibt allerdings den Zwang, das Kapital ab einem bestimmten Alter anzuzapfen. Insgesamt kann diese Lockerheit Manche dazu verleiten, ihr Geld zu schnell auszugeben. Ein Argument, das die Versicherungsbranche in Deutschland durchaus zu Recht immer wieder anführt. Lebenslange Renten verhindern, dass das Geld verbraucht ist und der Rentner noch lebt.

Seite 2: Über zehn unterschiedliche Modelle in der Vorsorge

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Andreas Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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