Unter anderem bei Leistungen beim Verlust von beruflichen Schlüsseln sehen die Rater von Franke und Bornberg noch Nachholbedarf in Privathaftpflichttarifen. © picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer
  • Von Sabine Groth
  • 28.05.2024 um 13:37
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Das Analysehaus Franke und Bornberg hat private Haftpflichtversicherungen unter die Lupe genommen. Knapp 16 Prozent der Tarife bekommen die Bestnote FFF+. Fast ebenso viele sind aber nur als ausreichend oder noch schlechter bewertet. Und Vorsicht: Eine Best-Leistungsgarantie bietet nicht unbedingt Bestleistung.

Für das Rating zur privaten Haftpflichtversicherung (PHV) hat das Analysehaus Franke und Bornberg 316 Tarife und Tarifvarianten von 96 Versicherern untersucht. Das Rating unterscheidet zwischen Produkten für Singles und Familien. Von 308 Single-Tarifen erhalten 52 (17 Prozent) die Höchstnote „hervorragend“ FFF+. Von 316 PHV-Tarifen für Familien qualifizieren sich aktuell 45 (14 Prozent) für ein FFF+.

Gegenüber dem Vorjahr ist das ein geringer Anstieg. Ein fehlender Schadenersatzrechtsschutz im Rahmen der Forderungsausfalldeckung sowie unzureichende Regelungen für Schäden an gemieteten oder geliehenen Sachen sind die häufigsten Gründe, warum ansonsten gute Tarife das Best-Rating nicht schaffen.

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Bei den Preisen für Top-Tarife sieht Franke und Bornberg keine Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Für Familien liegen sie bei rund 70 bis 150 Euro im Jahr, bei Single-Tarifen bei etwa 50 bis 120 Euro.

Am unteren Ende der Bewertungsskala gibt es im Vergleich zu 2023 kaum Fortschritte. Die Noten F+, F und F- (ausreichend, mangelhaft und ungenügend) erhalten in der Kategorie Familie 51 Tarife (16 Prozent). In der Kategorie Single sind es 44 Tarife (14 Prozent).

Franke und Bornberg bemängelt vor allem Schwächen beim Schutz für deliktunfähige Mitversicherte, selbstständige Tätigkeiten, Schäden an Sachen von Arbeitskollegen oder Arbeitgebern, Verlust von beruflichen Schlüsseln sowie beim Schadenersatzrechtsschutz. Zudem seien schlechte Leistungen vorwiegend bei veralteten Tarifgenerationen zu finden. „Seit unserem ersten PHV-Rating 2015 haben die Versicherer ihre Tarifwerke spürbar modernisiert“, so Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg.

Best-Leistungsgarantie hält nicht immer, was sie verspricht

Ein noch relativ junger Trend in der privaten Haftpflicht sind sogenannte Best-Leistungsgarantien. Franke und Bornberg bewertet dieses Angebot zwar positiv, rät aber dazu, genau hinzuschauen. „Das Versprechen ist nicht immer so wertvoll, wie es auf den ersten Blick scheint“, sagt Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken. „Viele Versicherer bieten ein nach Leistung gestaffeltes Tarifwerk. Bei der besten Variante ist das Feature „Best-Leistungsgarantie“ meist enthalten oder kann als Zusatzleistung hinzu gewählt werden. Das klingt nach einem automatischen Anspruch auf Leistung aus dem besten Tarif am Markt. Aber ganz so schön ist die Welt dann doch nicht.“

So müsse im Schadenfall der Versicherte erst einmal wissen, dass es einen besseren Tarif gebe und das auch nachweisen. Zudem formulierten manche Versicherer Ausnahmen von der Regel, zum Beispiel bei Auslandsschäden, Cyberschäden und bei Schäden, die über die gesetzliche Haftung hinausgehen. Oft erlösche die Garantie auch, falls der Versicherer die fragliche Leistung in einem anderen Tarif oder Zusatzbaustein selbst anbietet.

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Sabine Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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