Pfefferminzia: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Kfz-Wechselsaison 2017?

Dirk Höring, HDI: Der Markt hat zwar ein paar Jahre lang gute Ergebnisse gezeigt, der Zyklus ist in Summe aber noch unprofitabel. Wir sehen einen weiter steigenden Schadenbedarf und niedrige Zinsergebnisse, sodass wir nicht von einem größeren Preiskampf am Markt ausgehen. Wir glauben daher an eine relativ normale Wechselsaison.

Frederik Waller, Itzehoer: Die Markteinschätzung teile ich. Es wird ein normales Jahr sein, einfach weil die Ertragslage der Versicherer das fordert. Auf der anderen Seite führen multivariate Tarife und neue Anbieter dazu, dass es zu weiteren Unterschieden in der Tarifierung kommt. Das mag ab einem bestimmten Differenzbetrag die Wechselbereitschaft der Kunden stärken. Ich glaube aber, dass der Sieg im Wettbewerb nicht über den Preis entschieden wird. Da spielen andere Faktoren eine Rolle. Wir haben im Konzern 70 Prozent Kfz-Anteil, bedienen drei Vertriebswege, und alle drei besetzen bestimmte Nischen. Unsere Ausschließlichkeit ist zum Beispiel sehr regional geprägt, und bei den Maklern hat uns die Spezialisierung auf das Kfz-Geschäft geholfen.

Dieter Kiesenbauer, Friday: Ich glaube auch nicht, dass es einen signifikanten Preiskampf geben wird. Wir versuchen als Digitalversicherer, die Kosten im Griff zu haben und mit einer möglichst niedrigen Verwaltungskostenquote auch attraktive Prämien zu bieten. Aber wir positionieren uns bewusst über Innovation und nicht einzig über den Preis. Wir versuchen, auf einzelne Zielgruppen einzugehen. Dazu haben wir Produktneuheiten wie den „Zahl-pro-Kilometer“-Tarif oder die monatliche Kündbarkeit eingeführt.

Christian Hartrampf, R+V: Wir sind die vergangenen Jahre doppelt so stark gewachsen wie der Markt, was die Stückzahlen angeht. Und diesen Kurs wollen wir auch 2017 halten. Ziel ist es, im Saldo 160.000 neue Verträge zu bekommen. Bisher sind wir da auf einem guten Weg. Man kann, wenn man sich in den Zielgruppen breit fächert, auch im Kfz-Geschäft gut verdienen. So hat sich zum Beispiel die zur R+V-Gruppe gehörende Kravag-Logistic auf gewerbliche Güterkraftverkehrsflotten spezialisiert. Schwierig ist es eher für Direktversicherer, die nur über den Preis wahrgenommen werden. Die haben auch eine Klientel, die sehr wechselaffin ist, und da muss man sehen, wie man Kunden bindet.

Und wie geht das?

Hartrampf: Die Frage ist eher, ob das bei Kunden funktioniert, die nur auf den Preis schauen und denen die Leistungen egal sind. Da hat man es generell schwer. Ansonsten kann man zum Beispiel über Apps die Treue zum Versicherer erhöhen.