Offener Brief an Herrn Kleinlein „Ich weiß nicht, welche Provision ich von welchem Versicherer erhalte“

Axel Kleinlein ist Sprecher des Vorstands des Bunds der Versicherten.
Axel Kleinlein ist Sprecher des Vorstands des Bunds der Versicherten. © BdV

Zwei offene Briefe schrieb Verbraucherschützer Axel Kleinlein in kurzem Abstand an die Vermittlerschaft in Deutschland. Das Thema: der Interessenkonflikt, der sich durch Provisionszahlungen ergibt. Makler Hubert Gierhartz schreibt nun einen Brief zurück, und wehrt sich gegen die Pauschalisierungen Kleinleins.

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Es ist sicherlich nicht auszuschließen, dass es Vermittler gibt, die tatsächlich nur bei der Beratung ihre Provision im Auge haben. Solche Typen lernt jeder Vermittler bei irgendwelchen Meetings kennen. Ganz schlimm sind die Umdecker in der privaten Krankenversicherung. Verantwortungslos wird hier zum Nachteil des Versicherten regelmäßig der Versicherer gewechselt, um erneute Provisionen zu kassieren.

Aber in allen Berufen gibt es Betrüger, Unqualifizierte und Egoisten, die nur eins im Auge haben, ihren persönlichen Vorteil, oder aber ihren Beruf nicht beherrschen.



Herr Kleinlein, Sie gehen davon ab, pauschal den Vermittlern zu unterstellen, dass sie provisionsgetrieben arbeiten. Das ist zu begrüßen, und eine Basis, um gemeinsam Missstände in der Versicherungswirtschaft aufzudecken. Wir werden in unserer täglichen Arbeit immer wieder mit Vorgängen konfrontiert, die absolut nur einen Schluss zulassen: Der Versicherte ist von vorne bis hinten betrogen worden. Das Schlimme daran ist, es trifft meistens die Ärmsten.

Herr Kleinlein, Sie sollten aber zwischen den Vermittlertypen unterscheiden. Als Makler kann ich aus Haftungsgründen, und auch wegen meines guten Rufes, nicht auf Teufel komm raus irgendwelche unsinnigen Versicherungen vermitteln. Nichts spricht sich schneller herum, als ein schlechter Ruf. Auch muss äußerster Wert darauf gelegt werden, dass der Versicherungsnehmer im Schadenfall richtig versichert ist.

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Nehmen wir die aktuelle Wetterlage als Beispiel. Da kann ich mich getrost in meinem Sessel zurücklegen. Fast alle meine Kunden sind im Rahmen der Hausrat- und Wohngebäudeversicherung gegen Elementarschäden versichert. Die diesen Versicherungsschutz nicht gewünscht haben, mussten mir das in der Dokumentation unterschreiben.

Meine Entscheidung nach 17-jähriger Einfirmenvertreter-Tätigkeit Makler zu werden, hat mir die Freiheit gegeben, nur im Sinne meiner Kunden zu entscheiden. Sie können es mir glauben, ich weiß noch nicht einmal, welche Provision ich von welchem Versicherer erhalte.

Mir schreibt auch keiner vor, welche Produktion ich im Jahr abzuliefern habe. Das heißt, ich stehe absolut nicht unter Erfolgsdruck. Und ich kenne viele Kollegen, die nicht anders arbeiten.

Verbraucherschützer informieren oft falsch

Das ist bei den Einfirmenvertretern, Strukturvertrieben, Bankenvertrieben und so weiter völlig anders. Hier werden die Vermittler unter Druck gesetzt. Produktionsziele müssen erreicht werden. Ist das nicht der Fall, wird zum Rapport gebeten. Diese Vertriebler haben auch nicht die Möglichkeit, unter verschieden Produkten auszuwählen. Sie können nur das verkaufen, was der Versicherer anbietet, wohl wissend, dass es auf dem Markt bessere Produkte gibt. Auch sollte man nicht davon ausgehen, dass diese Vermittler mit Superprovisionen überschüttet werden. Im Gegenteil, es gibt Gesellschaften die Hungerprovisionen zahlen, und jegliche rechtliche Regelungen verweigern.

Aber auch die Verbraucherschützer tragen viel dazu bei, dass die Bevölkerung falsch informiert wird. Es ist manchmal erschreckend, was diese „Experten“ von sich geben. Wenn ein Thema, etwa die Hausratversicherung aufgegriffen wird, kann man mit dem unbedingten Hinweis, dass Vertragsfreiheit herrscht, die wesentliche Risiken besprechen.

Zu aktuellen Schadenfällen sollte man aber nur Stellung nehmen, wenn man sich 100-prozentig sicher ist. Wenn nicht, muss man den Mumm haben, zu sagen, diese Frage kann ich ohne Prüfung nicht beantworten.

Fazit

Es gibt vergleichsweise wohl keine Branche, die es wie die Versicherungswirtschaft schafft, sich seit Jahren einen schlechten Ruf zu erarbeiten und zu erhalten. Obwohl die Schäden unkompliziert reguliert werden, die Vertragsbedingungen deutlich kundenfreundlicher gestaltet worden sind und dieses bei teilweisen niedrigeren Prämien.

Sie, als Verbraucherschützer sind gefordert, allen auf die Finger zu schauen. Aber unterlassen Sie dabei pauschale Verurteilungen.

Über den Autoren

Hubert Gierhartz ist seit 1985 als Versicherungsmakler tätig. Er hat sich insbesondere auf die Beratung der Zielgruppe 60plus spezialisiert.
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