Kommentar vom GDV-Präsidenten „Wir müssen von den 16 Millionen Riester-Verträgen auf das Doppelte kommen”

GDV-Präsident Alexander Erdland.
GDV-Präsident Alexander Erdland. © GDV

Die Riester-Rente ist heute wichtiger denn je, ist Alexander Erdland, Präsident des Versichererverbands GDV überzeugt. Deshalb müsse man die Zahl der Riester-Verträge verdoppeln. Wie man das Produkt seiner Ansicht nach verbessern kann, damit das gelingt, erfahren Sie hier.

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„Wie kann eine Reform gescheitert sein, für die sich mehr als 16 Millionen Menschen entschieden haben?“, fragt GDV-Präsident Alexander Erdland zu Beginn seines Kommentars. Damit bezieht er sich auf die Aussagen einiger Politiker in der aktuellen Diskussion zum Wahlkampfthema Altersvorsorge. Es gebe weltweit kein freiwilliges Vorsorgesystem, das eine annähernd große Zustimmung erfahre, meint Erdland weiter.



Ja, die Zahl der Riester-Sparer sei im vergangenen Jahr erstmals zurückgegangen. „Ein Grund dafür dürfte sein, dass sich bei vielen Sparern das Vorurteil festgesetzt hat, Riestern lohne sich bei Zinsen nahe dem Null-Zins nicht mehr. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Gerade in Zeiten anhaltend niedriger Zinsen zeigt sich die besondere Stärke der Riester-Rente.“

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Selbst wenn man nur den aktuell geltenden Höchstrechnungszins von 1,25 Prozent als Anlage-Ergebnis unterstelle, komme man mit staatlicher Förderung auf Nettorenditen von über 3 Prozent jährlich, meint Erdland.

Eine zusätzliche Altersvorsorge sei enorm wichtig, alleine wegen der demografischen Entwicklung in Deutschland: „Wir müssen von den 16 Millionen Riester-Verträgen auf das Doppelte kommen. Und alles, was dazu beiträgt, ist gut.“

Riester für alle öffnen

Wie kann man das aber erreichen? Erdland plädiert für einen Riester-Freibetrag für Menschen, die im Alter auf Grundsicherung vom Staat angewiesen sind. 100 Euro seien hier etwa ein guter Anfang. Auch müsste die Riester-Rente für alle geöffnet werden – also auch für Solo-Selbstständige und Nicht-Erwerbstätige. Erdland: „Die Einzahlung in die Verträge könnte flexibler werden: Die Sparer sollten die Beitragszeiten nachholen können, wenn sie mal aussetzen.“

Die Riester-Förderung müsse die Politik endlich anheben. „Aktuell müssen Versicherte immer mehr Geld selbst aufbringen, um die gleiche Förderung zu bekommen“, so Erdland. Und weiter: „Ein alleinstehender Arbeitnehmer, der den Mindestlohn verdient, muss heute 3 Euro bezahlen, um einen Euro staatliche Zulage zu erhalten. Das sind fast 30 Prozent mehr als 2002. Umgekehrt reicht der Höchstbeitrag von jährlich 2.100 Euro für so manchen qualifizierten Facharbeiter nicht mal mehr aus, um 4 Prozent des eigenen Einkommens anzusparen.“

Entbürokratisieren ist angesagt und Kosten senken

Dringend müsse die Riester-Rente auch entbürokratisiert werden. Es gebe eine riesige staatliche Verwaltung mit mehr als 1.000 Mitarbeitern, die jede kleinste Veränderung in den Einkommensverhältnissen der Kunden kontrolliere. Ein Viertel der Kosten der Riester-Produkte, schätzt der GDV, seien Kosten der Zulagenverwaltung.

„Selbstverständlich sehen auch wir Versicherer Möglichkeiten, Riester-Sparen für eine große Zahl von Menschen noch attraktiver zu gestalten. Die einmalig einkalkulierten Abschlusskosten wurden bereits um 40 Prozent gesenkt“, schreibt Erdland. Die Versicherer seien dabei, über Automatisierung die Verwaltungskosten weiter zu senken. „Und wir vereinfachen die Kostendarstellung, damit Kunden verschiedene Riester-Produkte besser miteinander vergleichen können. Ab 2017 gibt es standardisierte Informationsblätter, die Chancen und Risiken der Riester-Verträge aufzeigen und darstellen, wie stark die Abschluss- und Verwaltungskosten die Rendite der Produkte belasten.“
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