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Kolumne Insurtechs, wir müssen reden!

Hans Steup, Versicherungskarrieren
Hans Steup, Versicherungskarrieren © privat

Insurtechs haben bei der Personalsuche dieselben Probleme wie Versicherer und Vermittler. Und zweitens zusätzliche Probleme, findet Hans Steup, Betreiber des Portals Versicherungskarrieren, in seiner Kolumne. Darin spricht er über typische Telefonate, die er mit Insurtechs führt, wenn es mit dem Recruiting über Stepstone, Monster und Co. mal wieder nicht geklappt hat. Zudem schildert Steup 5 Tipps für Start-ups auf Talentsuche.

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Liebes Insurtech,

wenn wir miteinander telefonieren, suchst du wahrscheinlich Mitarbeiter für deine Versicherungsabteilung. Du rufst an, weil es mit Stepstone, Monster und Co. nicht klappt. Auch über Xing und Linkedin kommen nicht die Leute, die du dir vorstellst.

Als wir das erste Mal telefonierten, wolltest du eigentlich nur wissen, was eine Stellenanzeige kostet. Wir telefonierten eine Stunde. Über Preise sprachen wir fast gar nicht. Sondern nur über deine Art und Weise, potenzielle Mitarbeiter anzulocken.

Nach einer Stunde raucht dein Schädel. Bevor du mit deiner Geschäftsleitung über unser Telefonat sprichst – auf Englisch? –, musst du tief durchatmen und einen Kaffee trinken. Schwarz mit viel Zucker. Denn Insurtechs wie du haben beim Recruiting erstens dieselben Probleme wie Versicherer und Vermittler. Und zweitens zusätzliche Probleme.

Das beginnt damit, dass du oft nur „Start-up“ sprichst und nicht von „Versicherung“. Das schreckt Versicherungsleute ab. Jaja, ich weiß. Die Leute, die „Start-up“ nicht verstehen, sind kein „Cultural Fit“, und deshalb willst du solche auch nicht einstellen. Blöd ist nur:

Es bewirbt sich niemand. Nicht einmal die ohne Cultural Fit ...

Deshalb hier meine (ersten) fünf Tipps zur Personalsuche für Insurtechs:

1 Sag „Versicherung“, nicht „Start-up“. Damit erhöhst du die Zahl der Bewerber. Aussieben kannst du später, denn die Zahl der Bewerber bleibt trotzdem überschaubar.

2 Erzähl deine Geschichte. Schreib nicht die staubigen Stellenanzeigen der Versicherungsgesellschaften ab, in die du ein paar Anglizismen und Start-up-Phrasen – revolutionär, disruptiv, weltweit einmalig – reinpackst. 2015 ist vorbei.

3 Fließend Englisch? Für den Schnack mit deinen spanischen Entwicklern muss kein Versicherungsmensch fließend Englisch sprechen. In der deutschen Versicherungsbranche spricht kaum jemand Englisch. War (bislang) nie nötig.

4 Gehalt. Meistens zu wenig. So bringst du niemanden aus München oder Köln dazu, dort seinen festen Job zu kündigen und nach Berlin zu ziehen. Fast zynisch: Auf deiner Über-uns-Seite prahlst du mit den Millionen aus deinen Finanzierungsrunden. Da fühlt sich mancher Bewerber verarscht.

5 Boni = Firmenanteile. In Deutschland? Wo die Leute Angst vor Aktienfonds haben? In der VerSICHERungsbranche? Muss ein Witz sein.

Über den Autoren

Hans Steup ist Versicherungskaufmann und war lange Jahre Vertriebsunterstützer bei der Allianz. Heute betreibt Steup den Spezial-Stellenmarkt Versicherungskarrieren und berät Finanzdienstleister zur Content-Marketing-Strategie und zu Social Media.

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