Roboter „Pepper“: „In Marriott- und Hilton-Hotels setzen sie Roboter ein, die das Essen aufs Zimmer bringen. In Krankenhäusern machen sie das auch schon, um Essen und Medikamente zu verteilen. Aber das ist in der Regel komplizierter, als man sich das vorstellt“, sagte der Wirtschaftshistoriker Carl Benedikt Frey der „Süddeutschen Zeitung“. © picture alliance / abaca | Lafargue Raphael/ABACA
  • Von Lorenz Klein
  • 19.03.2021 um 09:31
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Ausgerechnet ein Historiker gehört zu den derzeit gefragtesten Experten, wenn es um die Zukunft der Arbeit geht. In einem Interview wurde Carl Benedikt Frey nun danach gefragt, wer sich um seine beruflichen Perspektiven Sorgen machen sollte. Seine Antwort liefert auch Versicherungsvermittlern wichtige Anhaltspunkte, wie gefährdet ihr Job ist.

So manche Prognose hat eine große Zukunft hinter sich, weil sie es ablehnt, sich in Realität zu verwandeln – so wartet auch die düstere Vorhersage von William R. Berkley weiter auf ihre Erfüllung. „Ihr seid erledigt“, erschreckte Berkley in seiner Rede US-Versicherungsvermittler in Texas – das war im Februar 2015 (wörtlich: „I’m here to tell you that you’re screwed”). Trotzdem dürften die meisten der damals anwesenden Vermittler auch heute noch in ihren Jobs sein – zumal Berkleys Show wohl auch mit einem amerikanischen Augenzwinkern präsentiert wurde.   

Berkley wandte sich damals als Geschäftsführer des US-amerikanischen Sach- und Unfallversicherers W.R. Berkley an seine Zuhörer – und warnte die freien US-Berater vor dem Einstieg von Google in den Markt für Kfz-Versicherungen. Der Einstieg des Big Tech in den Versicherungsmarkt werde einschneidende Veränderungen mit sich bringen. Denn Google kenne in den USA jede Straßenkreuzung und letztlich jeden Fahrer – Google Maps sei Dank. Auf diese Weise werde das Unternehmen in die Lage versetzt, für jeden Fahrer und jeden Pkw eine individuelle Prämie kalkulieren zu können. Hierzulande wurde dieses Szenario auch schon befürchtet – nur, dass heute eher dem US-Autobauer Tesla die Rolle des Vermittlerschrecks zukommt (wir berichteten).

„Maximal 15 Jahre sind noch drin“

Bereits vor drei Jahren sorgte eine Studie des Softwareherstellers Adcubum für Wirbel, weil diese einen regelrechten Abgesang auf Vermittler anstimmte. Maximal 15 Jahre seien für die Berufsgruppe noch drin, ehe künstliche, intelligente Systeme den klassischen Versicherungsvermittler weitgehend ersetzt haben (wir berichteten).

Auch der schwedisch-deutsche Wirtschaftshistoriker Carl Benedikt Frey grübelt viel über die Arbeitswelt von morgen – an der Oxford University leitet er das Forschungsprogramm „Future of Work“. Sein Buch „The Technology Trap“, das bisher nur auf Englisch erschienen ist, wurde „rasch zum viel zitierten Grundlagenwerk über die Geschichte der Automatisierung“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete.

Wissenschaftler Carl Benedikt Frey. Foto: picture alliance / picture alliance | Jan Van de Vel
„Jede Arbeit, die man standardisieren kann, kann man auch automatisieren“

Jener Zeitung gab Frey nun ein großes Interview (bezahlpflichtig), in dem er sich zwar nicht dezidiert über die Zukunftsaussichten von Versicherungsvermittlern ausließ, wohl aber zu der konkreten Frage, wer sich denn nun um seine Zukunft Sorgen machen müsse?

„Jede Arbeit, die man standardisieren kann, kann man auch automatisieren. Routinejobs sowieso. Vor allem in der Produktion“, entgegnete Frey. „Wir reden immer von einem postindustriellen Zeitalter. Man kann genauso von einem Postproduktionszeitalter reden.“

Haben Jobs in der Serviceindustrie somit also bessere Überlebenschancen als jene im Produktionssektor? Dazu stellt Frey fest, dass der größte Zuwachs an Arbeitsplätzen in den letzten drei Jahrzehnten in der Tat in Industrien passierte, die einen persönlichen Service anbieten. „Aber die werden jetzt schwer von der Pandemie getroffen“, so der Wissenschaftler und verwies auf das Beispiel einer aufstrebenden Sandwichladen-Kette. „Wenn die Leute weniger pendeln, werden sie dort weniger konsumieren. Und es wird dort mehr automatisiert werden. Nach der Pandemie werden die Leute lieber mit einem Verkaufs- oder Getränkeautomaten interagieren“, prognostiziert Frey.

Kann man sein Gefährdungspotenzial selbst messen?

Sicher werde es auch in Zukunft noch Baristas geben, so der Forscher weiter. Und man werde abends auch noch in Restaurants gehen, wo die Interaktion mit Kellnern „zum Erlebnis“ gehöre. „Aber die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wird abnehmen.“

Okay, und was hat das jetzt mit Versicherungsvermittlern zu tun? Moment. „Gibt es ein Schema, mit dem man die Gefahr für Arbeitsplätze durch Automatisierung feststellen kann?“, befragt der SZ-Journalist den Forscher weiter.

Seite 2: „In komplexen sozialen Interaktionen sind Algorithmen ziemlich unfähig“

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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