Michael Hauer ist Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP). © Rüdiger Glahs
  • Von Oliver Lepold
  • 05.03.2021 um 10:47
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Michael Hauer beobachtet als Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) seit langem den Markt für Fondspolicen. Pfefferminzia befragte ihn zur Bedeutung der Fondspolice in der Altersvorsorge und zu neuen Trends in der Konzeption.

Pfefferminzia: Die Fondspolice hat ein Revival in der Altersvorsorge erlebt. Sind die alten Vorurteile „zu teuer, zu unflexibel und zu schlechte Fonds“ endgültig vom Tisch?

Michael Hauer: Im Großen und Ganzen gehören diese negativen Punkte wirklich der Vergangenheit an. Die Qualität der Fonds und die Flexibilität sind extrem gestiegen und die Kosten gesunken. So sind institutionelle Fondsanteilsklassen im Rahmen einer Fondspolice wesentlich günstiger als bei einem Direktkauf. Die jährliche Verwaltungsgebühr des DWS Top Dividende etwa liegt sonst bei 1,45 Prozent. Als institutionelle Anteilsklasse sind es in einer Fondspolice nur mehr rund 0,8 Prozent. Auch die Versicherer haben in den letzten 20 Jahren ihre Verwaltungskosten deutlich reduziert.

Welches sind die entscheidenden Vorteile von Fondspolicen im Gegensatz zu klassischen Lebensversicherungen?

Der wesentliche Vorteil ist erst in den letzten Jahren entstanden. Die laufende Verzinsung der klassischen Policen sank von 6 bis 7 Prozent um die Jahrtausendwende auf nur mehr 2,3 Prozent in 2020. Die Fondspolicen hingegen bieten nach wie vor gute Renditechancen in einer ansonsten zinslosen Welt. Vereinfacht gesagt, muss man heute im Vergleich zu einer klassischen Police bei einer Fondspolice lediglich die Hälfte an Beiträgen sparen, um am Ende die gleiche Summe herauszubekommen. Ein weiterer Vorteil ist die Auswahl einer eigenen Anlagestrategie. Das ist bei einer klassischen Police nicht möglich, denn diese legt ausschließlich im Sicherungsvermögen des Versicherers an.

Wo liegen bei Fondspolicen die Grenzen der Flexibilität? Wäre eine Fondspolice gar als Cash-Ersatz für ein Tagesgeldkonto denkbar?

Das ist nicht Sinn und Zweck einer Fondspolice mit hohem Anteil an Aktienfonds. Es gibt drei risikominimierende Faktoren, die man stets im Auge behalten muss: Eine Laufzeit über 15 Jahre, die Diversifizierung und das ratierliche Sparen in regelmäßigen Abständen. Wenn ein Einmalbeitrag in eine Fondspolice mit flexiblen Entnahmemöglichkeiten investiert wird und diese wie ein Tagesgeldkonto benutzt wird, sind diese Faktoren nicht mehr gegeben. Das funktioniert erst dann, wenn nach 15 Jahren Geld entnommen wird. Erst dann kann man die Fondspolice unter Umständen als eine Art Tagesgeldkonto ansehen.

Inwieweit sind Laufzeiten über den Rentenbeginn hinweg vorteilhaft?

Das sind hervorragende Lösungen für die Generation 50plus. Mittlerweile sind Laufzeiten bis zum Endalter 80, 85 oder 90 nicht mehr selten. Einige Anbieter bieten auch lebenslange Laufzeiten in der Fondspolice. So können auch „Best Ager“ in renditeträchtige Aktienfondsanlagen investieren. Zudem genießen sie Steuervorteile wie die lebenslange Abgeltungssteuerfreiheit. Der Wechsel der Fondsanlage ist ohne zusätzlichen Ausgabeaufschlag möglich. Und die Entnahmen, die üblicherweise ab 65 oder 70 Jahren getätigt werden, werden sauber und schnell abgewickelt. Das hat sich bei den Maklern allerdings noch längst nicht überall herumgesprochen, das merke ich bei meinen Seminaren.

Inwieweit bieten sich solche Policen auch für die Vermögensübertragung an?

Das ist ein weiteres Plus, die Vermögensübertragung etwa an Familienmitglieder oder auch andere Personen durch die Wahl eines Begünstigten. Versicherungspolicen sind die einzigen Lösungen, die ohne Notar nur mit einer Namenseintragung ganz elegant eine Vermögensübertragung ermöglichen. Zudem eignen sie sich auch für eine erbschafts- und schenkungssteuerliche Optimierung, sodass sich bei einem Todesfall mitunter Einkommensteuer sparen lässt. All dies wird durch die sehr langen oder lebenslangen Laufzeiten möglich.

Welche Anbieter sind in diesem Segment führend?

Standard Life hat sich hier gut positioniert, auch HDI, Swiss Life, Alte Leipziger und die Allianz verfügen über ähnliche Angebote. In der Branche herrscht großer Druck, renditestärkere Lösungen zu finden. Viele Versicherer bieten eine fondsgebundene Rentenphase, das heißt ab Rentenbeginn verbleibt ein Teil der Anlage in Fonds investiert. Das ist aber nur eine halbe Lösung, die zu kurz greift. Die Vorteile, wenn die Anlage bis 85 läuft, sind vielfach größer. Man kann dann wesentlich länger voll in Aktien investiert bleiben. Berater, die für 50plus-Kunden solch ideale Lösungen im Portfolio haben, heben sich positiv von allgemeinen Marktstandard ab.

Wie sinnvoll sind angesichts der Niedrigzinsphase Garantien? Wer kann guten Gewissens darauf verzichten?

Eigentlich jeder, der mindestens 15 Jahre in einer Fondspolice anlegen will. Wer aber ohne Garantie nicht gut schlafen kann, soll ruhig eine abschließen. Wichtig ist, dass der Berater den Kunden aufklärt, was ihn eine Garantie kostet. Eine Garantie wird durch sichere Anlagen erwirtschaftet und dafür gibt es keinen Zins mehr. Jeder Euro, der dort investiert wird, kann nicht in Aktien investiert werden, damit entgeht dem Kunden die Differenz der Rendite von Anleihe zu Aktie. Garantieerzeugungskosten sind somit Opportunitätskosten. Das muss in der Beratung verständlich erklärt werden.

Gibt es bereits ausreichend Angebote für nachhaltig gestaltete Fondspolicen?

Die Versicherer bemühen sich derzeit sehr um nachhaltige Investmentalternativen in Fondspolicen. Die Branche steht hier am Beginn einer großen Veränderung. Nachhaltigkeit ist in der Gesellschaft ein großes Thema, dass sich in Anlage und Angebot deutlich widerspiegeln wird, zumal auch die anstehende Regulatorik darauf eingeht. Berater müssen bald auf nachhaltige Anlagen in der Beratung hinweisen. Noch ist aber keine klare Definition für nachhaltige Anlagen geschaffen, die die Versicherer benötigen. Dieser Prozess wird noch einige Jahre andauern. Jeder in der Branche sollte sich intensiv damit auseinandersetzen.

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Oliver

Oliver Lepold

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Das Investment, Pfefferminzia und private banking magazin.

kommentare
Wolfgang Schäfer
Vor 1 Monat

Als ich diesen Artikel gelesen habe fiel mir ein Telefonat mit einem ehemaligen Schulfreund (Banker in der oberen Etage) ein. Dieser hatte vor vielen Jahren in einer Diskussionsrunde im Fernsehen sich über die Entwicklung der Bankzinsen geäußert. Seine Ausführungen entsprachen in keiner Weise der Realität. Ich habe ihn daraufhin angerufen und darauf hingewiesen. Seine Antwort war klar und deutlich: „Wolfgang, ich sage da doch nicht die Wahrheit, ich sage was dem Hause nützt.“
Unter diesem Aspekt sind auch die Ausführungen des Verfassers in mehreren Bereichen zu sehen.
Es ist gewiss richtig, dass die Renditen von Fondsanlagen langfristig eine sichere Rendite oberhalb der derzeitigen Zinsen bieten. Allerdings trifft dies nur sehr eingeschränkt für Modelle zu, welche an Rentner mit einem Auszahlungsplan vermittelt werden.
Zusätzlich ist in diesem Artikel von fondsgebundenen Rentenversicherungen die Rede. Eine Bewertung im Vergleich zu Anlagen ohne Versicherungsmantel wurde von der Stiftung Warentest kritisch gesehen. Näheres hierzu kann dort im Dezember-Heft Finanztest unter dem Titel „Bequem, aber oft zu teuer“ nachgelesen werden.
Um die im Artikel genannten Versicherungsgesellschaften und deren Tarife zu vergleichen benötigt man eine eingehende Auswertung. Diese kann genau genommen nur ein Aktuar vornehmen. Im günstigsten Falle kann man sich zur Information an einen Versicherungsberater mit einer Zulassung nach Paragraf 34 E wenden. (Anmerkung: von den 5 genannten Gesellschaften sind nur 2 bei Finanztest aufgelistet, allerdings nicht unter den besten 5.)
Trotzdem ist der Artikel hilfreich, weil man sich hier bereits im Vorfeld auf die Vertriebsargumente eines Versicherungsvertreters bzw. – Maklers einstellen kann.

W.Strassnig@T-online.de
Vor 7 Tagen

Es gibt einige gute Versicherungsvereine (a. G.) die hervorragende Fonds und vor allem ETFs anbieten.
Besonderer Vorteil-gegenüber Aktiengesellschaften (AGs), keine Dividenden für Aktionäre, die ja den Ertrag deutlich schmälern., zum Beispiel um 3%.
Zusätzlich sollte immer der garantierte Rentenfaktor, wichtig für den Auszahlungsbeitrag -Rentenhöhe- überprüft werden. Aus meiner Sicht und ich kann das meinen Kunden gegenüber auch genau begründen weshalb, würde ich immer ETFs ohne Garantie wählen. Die besonderen Extras wie man aber von 9% auf evtl. 13% Rendite kommt, erfahren nur agile Vorstände, die Ihren Kundenstamm erheblich steigern wollen und rechtssichere Beratungsprotokolle lieben. Eine erhebliche Risikominderung für Stornos ist ebenfalls nicht zu verachten.

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Wolfgang Schäfer
Vor 1 Monat

Als ich diesen Artikel gelesen habe fiel mir ein Telefonat mit einem ehemaligen Schulfreund (Banker in der oberen Etage) ein. Dieser hatte vor vielen Jahren in einer Diskussionsrunde im Fernsehen sich über die Entwicklung der Bankzinsen geäußert. Seine Ausführungen entsprachen in keiner Weise der Realität. Ich habe ihn daraufhin angerufen und darauf hingewiesen. Seine Antwort war klar und deutlich: „Wolfgang, ich sage da doch nicht die Wahrheit, ich sage was dem Hause nützt.“
Unter diesem Aspekt sind auch die Ausführungen des Verfassers in mehreren Bereichen zu sehen.
Es ist gewiss richtig, dass die Renditen von Fondsanlagen langfristig eine sichere Rendite oberhalb der derzeitigen Zinsen bieten. Allerdings trifft dies nur sehr eingeschränkt für Modelle zu, welche an Rentner mit einem Auszahlungsplan vermittelt werden.
Zusätzlich ist in diesem Artikel von fondsgebundenen Rentenversicherungen die Rede. Eine Bewertung im Vergleich zu Anlagen ohne Versicherungsmantel wurde von der Stiftung Warentest kritisch gesehen. Näheres hierzu kann dort im Dezember-Heft Finanztest unter dem Titel „Bequem, aber oft zu teuer“ nachgelesen werden.
Um die im Artikel genannten Versicherungsgesellschaften und deren Tarife zu vergleichen benötigt man eine eingehende Auswertung. Diese kann genau genommen nur ein Aktuar vornehmen. Im günstigsten Falle kann man sich zur Information an einen Versicherungsberater mit einer Zulassung nach Paragraf 34 E wenden. (Anmerkung: von den 5 genannten Gesellschaften sind nur 2 bei Finanztest aufgelistet, allerdings nicht unter den besten 5.)
Trotzdem ist der Artikel hilfreich, weil man sich hier bereits im Vorfeld auf die Vertriebsargumente eines Versicherungsvertreters bzw. – Maklers einstellen kann.

W.Strassnig@T-online.de
Vor 7 Tagen

Es gibt einige gute Versicherungsvereine (a. G.) die hervorragende Fonds und vor allem ETFs anbieten.
Besonderer Vorteil-gegenüber Aktiengesellschaften (AGs), keine Dividenden für Aktionäre, die ja den Ertrag deutlich schmälern., zum Beispiel um 3%.
Zusätzlich sollte immer der garantierte Rentenfaktor, wichtig für den Auszahlungsbeitrag -Rentenhöhe- überprüft werden. Aus meiner Sicht und ich kann das meinen Kunden gegenüber auch genau begründen weshalb, würde ich immer ETFs ohne Garantie wählen. Die besonderen Extras wie man aber von 9% auf evtl. 13% Rendite kommt, erfahren nur agile Vorstände, die Ihren Kundenstamm erheblich steigern wollen und rechtssichere Beratungsprotokolle lieben. Eine erhebliche Risikominderung für Stornos ist ebenfalls nicht zu verachten.

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