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Digitalisierung Sind Insurtechs Chance oder Bedrohung für die Versicherungsbranche?

Dirk Prössel ist Geschäftsführer des Insurtechs und Leadportals finanzen.de
Dirk Prössel ist Geschäftsführer des Insurtechs und Leadportals finanzen.de © finanzen.de

Vielen Menschen ist beim Abschluss eines Versicherungsvertrags die persönliche Beratung wichtig. Trotzdem investieren Versicherer Millionen in Insurtechs. Setzen sie damit aufs falsche Pferd? Dirk Prössel, Geschäftsführer des Insurtechs und Leadportals finanzen.de, findet nicht. Warum, erklärt er in seinem Gastbeitrag.

12.05.2017 09:33  Drucken

75 Prozent der Deutschen schließen ihre Versicherung immer noch offline ab, bei einem Berater oder Makler. Und das, obwohl sie vorher teilweise intensiv im Web recherchiert haben, so eine aktuelle Studie der Zurich Versicherung. Gleichzeitig wurden 2016 allein in Deutschland 82,4 Millionen Euro in Insurtech-Start-ups investiert. Mehr als doppelt so viel wie im Jahr davor.

Unterschätzen die Investoren, die in neue technologiegetriebene Firmen investieren, wie wichtig der Mensch bei der Beratung noch ist? Oder unterschätzen die Versicherungen, wie schnell Menschen digitalen Lösungen vertrauen, wenn diese gut gemacht sind? Oder stimmen beide Annahmen nicht?

Der Mensch als Leuchtturm in der Informationsflut

Im Internet findet sich mittlerweile ein Wust an Informationen zu jedem Thema, auch zu so komplexen Themen wie Finanzen und Versicherungen. Manchmal einfach und verständlich aufbereitet, manchmal eher komplex und abschreckend. Selbst auf Vergleichsportalen kommt bei der Menge an Informationen schnell mal Überforderung beim Nutzer auf, weil er grundlegende Fragen nicht beantworten kann. Bei den zahlreichen Angeboten, Beschreibungen, Bewertungen und Kommentaren ist es schwer und zeitaufwändig, das für sich richtige Produkt auszuwählen.

Die oben bereits erwähnte „Research online, purchase offline“-Studie (Ropo) der Zurich Versicherung zeigt jedenfalls, dass sowohl die Suchzeit auf Desktop-Computern als auch auf dem Smartphone steigt: Bei Besitz von Smartphone und Desktop wird vor nahezu jedem Versicherungsabschluss online recherchiert (95 Prozent).

Die Studie zeigt jedoch auch, dass das Bedürfnis nach menschlicher Beratung nach wie vor, beziehungsweise eben gerade wegen der vielen Online-Informationen, groß ist. Besonders ausgeprägt ist das Bedürfnis nach Beratung bei komplexen und langfristigen Produkten wie Altersvorsorge (77 Prozent), Risiko-, Unfall- und Lebensversicherungen (73 Prozent) sowie privaten Krankenversicherungen (69 Prozent). Der Mensch soll also die Komplexität auflösen, die das scheinbar unendliche Online-Angebot hinterlässt.

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