„Ich sitze doch den ganzen Tag nur am Schreibtisch. Wie soll ich da berufsunfähig werden?“ So oder so ähnlich hat wohl jeder Makler schon mal einen Kunden auf den Vorschlag reagieren hören, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen.

Der Irrglaube hält sich hartnäckig. Laut einer aktuellen Analyse der Zurich ist Deutschland bei der Einkommensabsicherung im internationalen Vergleich Schlusslicht. Nur 17 Prozent der Bundesbürger haben eine BU-Versicherung abgeschlossen. Ein Grund dafür: Über die Hälfte der Befragten glaubt, dass ihr Risiko, berufsunfähig zu werden, unter 20 Prozent liegt. Dabei zeigen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, dass dieser Wert für Frauen eher bei 35 Prozent, bei Männern bei rund 39 Prozent liegt.



Woran liegt das aber, dass viele Bürojobber ihr Risiko so falsch einschätzen? „Viele Menschen stellen sich unter Berufsunfähigkeit dieses ‚Kopf-unter-dem-Arm tragen‘ vor“, sagt Versicherungsmakler Sven Hennig. Sie glauben, dass sie in ihrem Beruf immer noch etwas tun können.

Unfälle sind nicht Hauptursache von BU-Fällen

„Im Büro kann man beispielsweise auch im Rollstuhl tätig sein, als Fliesenleger hingegen nicht. Oder es können Programme unterstützen, sodass man auch eingeschränkt am Computer weiterarbeiten kann“, sagt auch Bernhard Rapp, stellvertretender Niederlassungsleiter der Canada Life Deutschland. Auch der Glaube, dass externe Faktoren eine Hauptursache für eine BU sein können, spielt hier mit rein.

„Dazu zählen zum Beispiel Unfälle“, sagt Klaus-Peter Klapper, Leiter Produkt- und Vertriebsmarketing der Stuttgarter. „Die auf einen Unfall zurückzuführenden BU-Fälle liegen je nach Statistik aber nur bei 3 bis 10 Prozent.“

Dass einen aber auch eine schwere Krankheit wie Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall treffen kann, blenden die Menschen oft aus. „Psychische Erkrankungen und Rückenleiden nehmen als Ursache für eine Berufsunfähigkeit ebenfalls stetig zu. Von diesen sind auch Menschen mit Bürojobs betroffen“, sagt Rapp.

Dass Büroarbeiter sehr wohl berufsunfähig werden können, zeigen auch zahlreiche Beispiele aus der Praxis. Makler Sven Hennig berichtet etwa von einem Kunden, der an Krebs erkrankte. Drei Jahre konnte er nicht mehr arbeiten, dann ging er wieder seinem alten Beruf nach. „Hierbei handelt es sich oft zwar nur um eine temporäre Berufsunfähigkeit, aber auch da zeigt sich sehr gut, dass ohne eine entsprechende Absicherung und drei Jahre ohne Einkommen der Kunde finanziell am Ende wäre.“