Gute Aussichten für Familien? Die Regierung will Baupläne fördern © picture alliance / Westend61 | Emma Innocenti
  • Von Andreas Harms
  • 01.06.2023 um 12:46
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lesedauer Lesedauer: ca. 03:25 Min

Das Bundesbauministerium wartet mit einem neuen Förderprogramm für Familien auf. Es setzt voll auf Kredite und winkt in der Tat mit einigen Ersparnissen. Leider steht zu befürchten, dass es komplett am Ziel vorbeischießt. Das zeigen schon ganz simple Rechnungen.

Heute startet das neue Förderprogramm, mit dem die Bundesregierung Familien mit Kindern beim Hausbau unter die Arme greifen will. Es läuft über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), trägt den kompletten Namen „Wohneigentum für Familien“ und läuft unter der Programmnummer 300 (Die KfW gibt ihren Programmen immer Nummern). Wobei irgendwie der Zusatz „mit Kindern“ fehlt, denn die müssen vorhanden sein. Doch dann wäre der Titel wohl zu lang geworden.

Wie funktioniert es? Kern der Sache sind zinsgünstige Baukredite. Um direkte Zuschüsse, wie früher mal das Baukindergeld, geht es hingegen nicht mehr. Die KfW reicht also Kredite aus, die die Familien beantragen können. Dafür gelten folgende Kriterien:

  • Es handelt sich um einen Neubau oder Erstkauf innerhalb von zwölf Monaten nach Bauabnahme
  • Das Haus erfüllt mindestens den Energiestandard eines Effizienzhauses 40 (EFH 40), verbraucht also nur 40 Prozent der Energie eines Standardhauses
  • Die Treibhausgasemissionen über die gesamte Hausexistenz erfüllen das „Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude Plus“ (QNG Plus)
  • Das Haus wird nicht mit Öl, Gas oder Biomasse beheizt
  • Den Antrag stellen Familien oder Alleinerziehende mit mindestens einem Kind
  • Das zu versteuernde jährliche Haushaltseinkommen beträgt bei einem Kind maximal 60.000 Euro. Für jedes weitere Kind steigt die Grenze um 10.000 Euro. Einen Deckel gibt es dabei nicht
  • Die Kredithöhe ist dagegen sehr wohl begrenzt. Und das wiederum richtet sich nach Zahl der Kinder und danach, ob das Haus ein offizielles QNG-Plus- oder QNG-Premium-Siegel hat. Los geht es mit 140.000 Euro für bis zu zwei Kinder, aber ohne Siegel. Das Maximum beträgt 240.000 Euro bei fünf oder mehr Kindern und Siegel

Das sind nur die Schwerpunkte, das komplette Programm gibt es hier.

Zinsen werden um mehrere 100 Euro im Monat gedrückt

Um die Wirkung zu verdeutlichen, hier mal eine vereinfachte Rechnung: Ein Kredit gemäß diesem neuen Programm mit einer Laufzeit von 26 bis 35 Jahren kostet derzeit einen Zinssatz von nominal 1,24 Prozent pro Jahr (Stand: 1. Juni 2023). Effektiv sind es 1,25 Prozent. Das ist zweifellos in der heutigen Zeit sehr günstig.

Laut Bauzinsrechner des Baufinanzierers Dr. Klein kostet ein normaler Kredit über 300.000 Euro mit über zehn Jahre gebundenem Zins derzeit nominal 3,96 Prozent und effektiv 4,06 Prozent. Den Objektwert haben wir dabei mit 350.000 Euro angesetzt. Bei einem niedrigen anfänglichen Tilgungssatz von einem Prozent ergibt sich eine monatliche Rate von 1.240 Euro. Für eine Familie mit zwei Kindern und weniger als 70.000 Euro zu versteuerndem Einkommen ist das kein Pappenstiel.

Ersetzt man von diesem Kredit aber 190.000 Euro durch den KfW-Kredit, sinkt die Rate allein dadurch um 431 Euro im Monat (wieder bei einem Prozent Tilgung). Außerdem braucht man nur noch 110.000 Euro normalen Kredit – und den gibt es laut Bauzinsrechner schon für 3,53 Prozent. Das drückt die Rate um weitere 39 Euro im Monat. Macht also eine Gesamtersparnis von 470 Euro. Hinzu kommt, dass man den KfW-Kredit bis zu fünf Jahre lang tilgungsfrei stellen kann. Das verschiebt zwar nur das Problem der Rückzahlung in die Zukunft, spart aber am Anfang weitere 158 Euro.

Steigende Kosten durch Umweltvorgaben

Das ist zweifellos alles nicht zu verachten. Es gibt aber auch eine Sollseite: Denn Häuslebauer bekommen die genannten Umweltvorgaben aufgedrückt. Außerdem stellt sich die Frage, wo man für 350.000 Euro ein Haus bauen und trotz 800 Euro Kreditrate sein normales Leben noch bezahlen kann. Im Speckgürtel von München dürfte das kaum gelingen – im tiefsten Brandenburg schon eher.

Wegen solcher Fragen gibt sich die Branche insgesamt eher reserviert. „Es ist gut, dass das beliebte Baukindergeld im Rahmen einer neuen Förderung der KfW fortgeführt wird“, lobt erst einmal Jörg Utecht, Vorstandschef des Baufi-Vermittlers Interhyp. Allerdings sei die neue Förderung für Familien nun „deutlich weniger attraktiv“. So bemängelt Utecht, dass man die Einkommensgrenze gegenüber dem Baukindergeld bei einer Familie mit einem Kind um 30.000 Euro gesenkt hat. Bei weiteren Kindern sogar um noch mehr.

Und damit entstehen mehrere Probleme und Mängel. Utecht: „Zum einen fällt eine relevante Zielgruppe, nämlich alle Familien mit einem Jahreseinkommen zwischen 60.000 und 90.000 Euro bei einem Kind, aus dem Programm. Zum anderen legt die Bundesregierung ein Programm für eine Zielgruppe auf, die mit ihren knappen Ressourcen aktuell ohnehin schon mehr Kosten zu bewältigen hat als zu Zeiten des Baukindergelds, nämlich stark gestiegene Lebenshaltungskosten, Immobilienpreise und Baukosten sowie ein deutlich höheres Zinsniveau. Die Chance dieser Familien eine Immobilie zu bauen beziehungsweise maximal ein Jahr nach Fertigstellung zu erwerben, ist heute eher kleiner geworden als damals.“

Und dann bringt Interhyp einige Zahlen, die unser Beispiel von oben deutlich übertreffen: Interhyp-Kunden zahlen im Schnitt für ein neues Haus ohne Grundstück rund 475.000 Euro. Soll es besonders klimafreundlich sein, kommen noch 50.000 Euro hinzu. Das dürften die vom Förderprogramm angepeilten Familien nun wirklich nicht bezahlen können. Es sei denn, die Hälfte des Kaufpreises liegt schon bar vor.

Ähnlich äußert man sich auch bei Dr. Klein. So sagt Vorstandschef Michael Neumann: „Die festgesetzte Einkommensgrenze ist zu niedrig. So, wie das Förderprogramm momentan konzipiert ist, kommt sie nur für eine sehr begrenzte Zielgruppe in Frage. Der größte Bedarf an Fremdkapital entsteht nun mal bei Neubauten, insbesondere durch die aktuell geforderten Energieeffizienzstandards. Ebendiese können sich beim Bau eines Eigenheims – trotz neuem Förderprogramm – nur wenige wirklich leisten.“

Außerdem empfinden es beide Baufi-Spezialisten übereinstimmend als Fehler, dass das Programm nur für Neubauten gilt. Denn das Klima schützen könne man viel besser, wenn man Bestandsimmobilien energetisch saniert.

Sprich: Wenn man die alten Energieschleudern mal ordentlich auf Vordermann bringt. Aber das ist nun mal nicht das Ziel des neuen Programms.

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Andreas

Andreas Harms

Andreas Harms ist seit Januar 2022 Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

kommentare
Stefan
Vor 4 Monaten

Ein Hinweis: Wer in Baden-Württemberg ein Haus erwerben will hat über die L-Bank eine ähnliche Förderung, die von den Rahmenbedingungen (Einkommenshöhe, auch für Kauf von Bestandshäusern,…) jedoch deutlich flexibler ist: https://www.l-bank.de/produkte/wohnimmobilien/eigentumsfinanzierung-bw-z-15-darlehen.html#

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Stefan
Vor 4 Monaten

Ein Hinweis: Wer in Baden-Württemberg ein Haus erwerben will hat über die L-Bank eine ähnliche Förderung, die von den Rahmenbedingungen (Einkommenshöhe, auch für Kauf von Bestandshäusern,…) jedoch deutlich flexibler ist: https://www.l-bank.de/produkte/wohnimmobilien/eigentumsfinanzierung-bw-z-15-darlehen.html#

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