War bis Ende April Vorstandsvorsitzender der DAV und ist nun als Past President im Vorstand vertreten: Guido Bader. © DAV
  • Von Juliana Demski
  • 04.05.2021 um 16:34
artikel drucken artikel drucken
lesedauer Lesedauer: ca. 02:00 Min

Laut der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) müssen sich die deutschen Erst- und Rückversicherer wegen des Klimawandels wohl auf immer weiter steigende Risiken einstellen. Nun sei es an der Politik, der Prävention einen höheren Stellenwert einzuräumen – beispielsweise indem keine Neubaugebiete mehr ausgewiesen würden, die nachweislich besonders hochwassergefährdet seien.

„In Folge des Klimawandels werden die finanziellen Risiken für die Erst- und Rückversicherer deutlich steigen“, prognostizierte kürzlich Guido Bader, der letztmalig als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) auf der diesjährigen Jahrestagung sprach. „Auch hierzulande werden in den kommen­den Jahrzehnten beispielsweise häufigere und schwerere Herbststürme, Hagel- und/oder Starkregenereignisse mit zunehmender Überschwemmungs­gefahr auftreten.“

Die DAV-Aktuare hätten jedoch bereits auf die klimatischen Entwicklungen reagiert und würden die Naturgefahren Sturm, Hagel und Überschwemmung beziehungs­weise Starkregen in ihren Modellen nicht mehr nur getrennt, sondern auch spartenübergreifend als Risikofaktoren betrachten. „Diese sogenannten Kumulrisiken können langfristig dazu führen, dass die derzeit überschaubaren Hochrisikoregionen in ihrer Größe und Anzahl zunehmen und die Frage ihrer privatwirtschaftlichen Versicherbarkeit stärker in den Mittelpunkt rückt“, so Bader weiter.

Präventionsforderung an die Politik

Vor diesem Hintergrund appellierte er auch an die Politik, dem Thema Prävention einen höheren Stellenwert einzuräumen. So sollten zum Beispiel keine Neubaugebiete mehr ausgewiesen werden, die nachweislich besonders hochwassergefährdet seien, fordert der Aktuar und ergänzt: „Leider ist dies in den vergangenen Jahren noch viel zu häufig geschehen, sodass es zum Beispiel 2002 und 2013 durch Hochwasser von Elbe und Donau erhebliche – teils vermeidbare – Versicherungsschäden gegeben hat.“.

Um derartige Risiken zu bewerten, würden bei Erst- und Rückversicherern seit Jahren immer häufiger interdisziplinäre Teams aus Aktuaren, Physikern und Experten anderer Fachrichtungen gebildet, die unter anderem mithilfe der Verknüpfung von aktuariellen Modellen mit Data-Science-, KI-Anwendungen und Klima-Projektionen gemeinsam neue Modelle entwickelten. Bader: „Durch diese modernen Methoden lassen sich Risiken noch genauer analysieren und kalkulieren.“ Dadurch bestehe nun die Möglichkeit, „Schadenschwerpunkte, Schadenmuster und -entwicklungstendenzen frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu initiieren“.

Klimawandel mache auch Umdenken in der Kapitalanlage erforderlich

Jenseits dieser versicherungstechnischen Risikolandschaft stelle der Klimawandel die Versicherer aber auch bei der Kapitalanlage vor große Herausforderungen, führte Bader auf der DAV-Jahrestagung weiter aus. „Als wichtige Langfristinvestoren können und werden die Versicherer die nachhaltige Transformation aktiv unterstützen. Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen verbessert werden“, so der DAV-Experte.

Einer immer größer werdenden Nachfrage stehe ein bisher noch zu beschränktes Angebot an nachhaltigen Anlagemöglichkeiten gegenüber. „Der erste deutsche Green Bond war trotz Negativzinssatz mehrfach überzeichnet. Und bei renditestärkeren nachhaltigen Infrastruktur- oder Energieprojekten sieht es nicht besser aus. Auch dort gibt es einen deutlichen Nachfrageüberhang.“ Vor diesem Hintergrund warnt Bader vor Blasenbildungen bei Green Investments, die langfristig sogar die Finanzmarktstabilität gefährden könnten.

Nach DAV-Analysen würde die Gefahr sogar noch verstärkt, wenn bei Eigenkapital­vorschriften für nachhaltige Kapitalanlagen ungerechtfertigt geringere Risiken als bei konventionellen Investments unterstellt würden und daher für sie weniger Risikokapital vorzuhalten wäre. Diese vielfach geäußerte politische Forderung widerspreche dem Solvency-II-Prinzip „Same Risk, Same Capital“, das ein Eckpfeiler des europäischen Aufsichtsregimes für die Versicherungsbranche sei.

„Wenn der Staat grüne Investments fördern will, dann kann er zum Beispiel für diese staatliche Garantien aussprechen und damit real die Kapitalanlagerisiken reduzieren. Damit würde das Ziel einer geringeren Kapitalbindung ohne ein Verbiegen des Systems erreicht“, so Bader.

autorAutorin
Juliana

Juliana Demski

Juliana Demski ist seit 2021 Junior-Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört sie seit 2016 an.

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

smiley-icon

achtung: Sie nutzen einen veraltete Version des Internet Explorer und daher kann es eventuell zu fehlerhaften Darstellungen kommen. Wir empfehlen den Internet Explorer zu aktualisieren oder Google Chrome zu nutzen.

verstanden!