Japaner gehen in Tokio an einer Börsen-Anzeigentafel vorbei, die wegen der Corona-Krise einbrechende Kurse an den globalen Aktienmärkten zeigt. © picture alliance/Motoya Taguchi/Jiji Press/dpa
  • Von Juliana Demski
  • 24.03.2020 um 08:13
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Weltweit leidet die Wirtschaft unter den Auswirkungen der Corona-Krise – das trifft auch das Berliner Start-up Fairr. Es verkaufte jüngst alle Aktien aus den Riester-Fondssparplänen seiner Kunden. Ein entsprechendes Informationsschreiben erreichte die Verbraucher erst einige Tage später.

Viele Unternehmen ächzen unter der finanziellen Last der Corona-Krise. Auch das Start-up Fairr musste nun etwas verändern: Laut Informationen des Magazins „Wirtschaftswoche“ verkaufte es am 12. März 2020 im Alleingang alle Fondsanteile aus den Depots seiner Riester-Fondssparer. Erst einige Tage später flatterte die entsprechende Erklärungs-Mail in die Postfächer der Kunden.

„Eine verlässliche Risikomodellierung ist unter den derzeitigen Ausnahmebedingungen nicht möglich“, heißt es laut Wirtschaftswoche in dem Schreiben. Es sei die Entscheidung getroffen worden, „dass in der derzeitigen Phase mit großen Marktschwankungen im Rahmen des aufsichtsrechtlich vorgeschriebenen Risikomanagements das Risiko minimiert wird. Im Sinne der Risikosteuerung wurde deshalb zunächst aus den Aktienmärkten in Cash umgeschichtet, bis besser kalkulierbare Parameter wieder eine tragfähige Risikomodellierung ermöglichen.“

Das Problem des Versicherungs-Start-ups:

Anders als viele andere Fondssparplananbieter bot Fairr seinen Kunden von Anfang an vergleichsweise niedrige Kosten bei einer hohen Aktienquote. 20 Jahre vor Auszahlungsbeginn sollte die Anlegesumme der Sparer komplett in Aktien investiert sein – und zwar über kostengünstige Indexfonds (ETFs). Zehn Jahre vor Rentenbeginn sollte die Aktienquote immer noch 45 Prozent betragen. Diese Quoten sollten für die Kunden gleich sein; jeweils nur in Abhängigkeit der verbleibenden Zeit bis zum Auszahlungsbeginn, wie die Wirtschaftswoche berichtet. Die Verwaltung der Depots liegt in den Händen der Hamburger Sutor Bank.

Verbraucherschützer hatten von Anfang an Zweifel an dem Konzept. „Das Risiko war absehbar und sein Eintritt nur eine Frage der Zeit“, so Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegenüber der Wirtschaftswoche. „Es muss sich nun zeigen, ob die Sutor Bank für die Garantie in allen Depots geradestehen kann und wird.“ Zur aktuellen Lage sagte er: „Wieder müssen viele Sparer damit rechnen, dass ihre Aktienfonds zu Crash-Kursen in Rentenfonds getauscht werden und dass sie an einer späteren Erholung der Aktienmärkte nicht mehr teilhaben.“

Alexander Kihm, Leiter des Bereichs Altersvorsorge bei Fairr, bestätigte dem Magazin gegenüber einen „Wiedereinstieg“, sobald die Kalkulierbarkeit an den Märkten wiederhergestellt sei, Aktien weniger stark schwankten und die Zinsstruktur besser planbar sei. „Aber wann das ist, können Ihnen nur die Leute sagen, die jetzt auch genau wissen, dass die Kurse morgen wieder steigen“, so Kihm.

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Juliana Demski

Juliana Demski ist Werksstudentin bei Pfefferminzia und unterstützt die Redaktion in der täglichen Berichterstattung.

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