Ein Dachdecker bei der Arbeit: Handwerker sind für Makler eine wichtige Zielgruppe zur Absicherung von Grundfähigkeiten. © Getty Images
  • Von Lorenz Klein
  • 21.10.2019 um 05:52, aktualisiert am 21.10.2019 um 04:57
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lesedauer Lesedauer: ca. 03:45 Min

Die Grundfähigkeitsversicherung sichert in der Multi-Risk-Variante so viele Leistungsauslöser ab, wie es sonst nur die Berufsunfähigkeitsversicherung vermag – der Blick auf ein unterschätztes Produkt, dem Experten prophezeien, sich breit zu etablieren.

Max M. ist Parkettleger. Wegen Arthrose in beiden Kniegelenken ist der 35-Jährige eines Tages nicht mehr in der Lage, sich hinzuknien und sich anschließend wieder aufzurichten. Zu seinem Glück hat er eine Grundfähigkeitsversicherung abgeschlossen, für die er jeden Monat etwas mehr als 83 Euro zahlt. Dadurch erhält er eine monatliche Rente in Höhe von 1.800 Euro bis zum 65. Lebensjahr. Das Praxisbeispiel, über das die Zurich Versicherung berichtet, macht deutlich, dass es nicht immer eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sein muss, um im Falle eines plötzlichen Wegfalls des Arbeitseinkommens finanziell abgesichert zu sein.

„Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist sicherlich weiterhin der Königsweg“, räumt Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg, ein. Da die Anbieter allerdings entgegen aller Mahnungen die BU „immer weiter austrainieren“ und auf gute Risiken setzten, bleibe auch in Zukunft der Großteil der Kunden – so vor allem Handwerker – bei der Berufsunfähigkeitsversicherung außen vor, kritisiert Franke. Dass BU-Bedingungen heute so gut wie noch nie seien, habe eben auch seinen Preis: „Die große Spreizung des Beitrags je nach Beruf um 400 Prozent oder sogar noch mehr sowie eine strikte Risikoprüfung.“ Die Folge sei, so der Analyst, dass längst nicht jeder diesen wichtigen Vertrag bekomme und auch bezahlen könne. Deshalb bieten die meisten Makler ihren Mandanten Ausweichprodukte an, wie eine Umfrage von Franke und Bornberg aus dem vergangenen Jahr zeigt: 92 Prozent der Teilnehmer haben demnach bereits auf die sogenannten BU-Alternativen verwiesen, nur 8 Prozent taten dies bislang nicht.

Welche Optionen haben die Betroffenen mit weniger guten Risiken nun konkret? Die Versicherer bieten zur Absicherung des Arbeitskraftverlustes „im Grunde drei Lösungswege an“, skizziert Franke. Neben der BU sei dies beispielsweise die Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU). Die EU wäre aus Sicht des Analysehauses eigentlich eine gute Alternative, da sie analog zur BU alle Leistungsauslöser abdecke. Zudem sei das Produkt nah am gesetzlichen Schutz ausgerichtet. Doch die EU geht mit einer schweren Hypothek in den Wettbewerb. Die Police führe nur „ein Schattendasein“, so Franke, weil sie viele Jahre von der Branche zugunsten der BU „schlechtgeredet und damit quasi verbrannt“ worden sei.

Keine „Gestaltungskunststückchen“

Als Alternative zur BU bleibe dann noch die Grundfähigkeitsversicherung, sei es in Form einer Funktionalitätsversicherung (FIV), einer Multi-Risk-Police – oder in Reinform, wie es auch bei Zurich-Kunde Max M. der Fall ist. „Der Ansatz, sich nicht am konkreten Beruf, sondern am Verlust bestimmter, überwiegend körperlicher Fähigkeiten zu orientieren, ist durchaus zielführend“, findet Franke. Die Police sei vermittelbar für einen Personenkreis, dem es in erster Linie auf die Absicherung der Arbeitsfähigkeit an sich ankomme. Und mehr noch: Das Produkt habe das Potenzial, sich „breit zu etablieren“, so der Franke-und-Bornberg-Chef, der zugleich die Branche ermahnt: „Dem Erfolg im Wege stehen werden die Versicherer in erster Linie selbst, wenn weiterhin hektisch immer neue Features eingebaut und somit Vermittler verunsichert werden“, sagt der Experte. „Für den Erfolg des Produkts ist es wesentlich, zunächst der Etablierung mehr Gewicht zu geben als kreativen Gestaltungskunststückchen.“

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Lorenz

Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

kommentare
Gerd Kemnitz
Vor 1 Monat

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung wäre also aus Sicht des Analysehauses Franke und Bornberg eigentlich eine gute Alternative zur Arbeitskraftabsicherung, da sie analog zur Berufsunfähigkeitsversicherung alle Leistungsauslöser abdeckt. Nur weil sie in der Vergangenheit „schlechtgeredet und damit quasi verbrannt“ worden sei, redet das Analysehaus nun Grundfähigkeits- und Multi-Risk-Versicherungen schön, obwohl diese ihre Leistungen völlig unabhängig von der (Rest-)Arbeitskraft erbringen bzw. verweigern.

Soll das der Weg zu einer bedarfsgerechten Kundenberatung sein?

    Kay Wanders
    Vor 4 Wochen

    Hallo Gerd, bin bereits seit Jahren absolut deiner Meinung. EU Produkte liegen auch bei uns wie Blei in den Regalen. Trotz 100% Absicherung der Psyche.

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Gerd Kemnitz
Vor 1 Monat

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung wäre also aus Sicht des Analysehauses Franke und Bornberg eigentlich eine gute Alternative zur Arbeitskraftabsicherung, da sie analog zur Berufsunfähigkeitsversicherung alle Leistungsauslöser abdeckt. Nur weil sie in der Vergangenheit „schlechtgeredet und damit quasi verbrannt“ worden sei, redet das Analysehaus nun Grundfähigkeits- und Multi-Risk-Versicherungen schön, obwohl diese ihre Leistungen völlig unabhängig von der (Rest-)Arbeitskraft erbringen bzw. verweigern.

Soll das der Weg zu einer bedarfsgerechten Kundenberatung sein?

    Kay Wanders
    Vor 4 Wochen

    Hallo Gerd, bin bereits seit Jahren absolut deiner Meinung. EU Produkte liegen auch bei uns wie Blei in den Regalen. Trotz 100% Absicherung der Psyche.

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