„16 Millionen Deutsche riestern, 11 Millionen zahlen noch ein – obwohl ihre Versicherung ihnen viel zu hohe Gebühren abziehen – plus horrende Verwaltungskosten“, empörte sich ZDF-Moderator Oliver Welke am Freitag in der „Heute Show“. © Screenshot ZDF Mediathek
  • Von Lorenz Klein
  • 25.05.2021 um 14:23
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„Die Riester-Rente ist ein total komplizierter, unrentabler Quatsch“ – mit harscher Kritik hat die ZDF-Satiresendung „Heute Show“ den 20. Geburtstag des staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukts kommentiert. Hier erfahren Sie, was genau gesagt wurde – und was nicht.

Erneut haben sich die Satiriker der ZDF „Heute Show“ ausführlich einem Versicherungsthema gewidmet – nach dem Ärger in der Betriebsschließungsversicherung (wir berichteten) ging es diesmal um die Riester-Rente.

„In diesen Tagen, liebe Zuschauer, feiern wir einen runden Geburtstag. Und wenn ich feiern sage, habe ich direkt gelogen: Die Riester-Rente ist 20 geworden“, eröffnete Moderator Oliver Welke am Freitag seinen Monolog anlässlich des Jubiläums des staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukts (siehe Video oben oder auch in der ZDF-Mediathek abrufbar).

Gratulanten habe es keine gegeben, befand Welke, dafür aber eine Demo vor dem Kanzleramt, auf der unter anderem die Verbraucherzentralen die Beerdigung der Riester-Rente forderten (wir berichteten). „Gute Idee“, fiel dem Moderator zu der Protest-Aktion ein. Tatsächlich habe die Groko die Riester-Rente gerade selber beerdigt, fuhr Welke fort, denn „der Garantiezins für Riester-Produkte wurde nämlich von 0,9 auf 0,25 Prozent gesenkt“. Dies sei der „De-facto-Todesstoß“ für das Produkt.

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„16 Millionen Deutsche riestern, 11 Millionen zahlen noch ein – obwohl ihre Versicherung ihnen viel zu hohe Gebühren abziehen – plus horrende Verwaltungskosten“, empörte sich Welke. „Diese Menschen lässt die Politik im Stich, nachdem man sie ins Riestern reingelabert hat“, wie der Satiriker anmerkte – es folgte ein kurzer Einspieler eines alten Werbespots, in dem Fußballprofi Mario Gomez seine Fans im Auftrag eines Versicherers dazu aufrief, doch bitte auch „Riester-Meister“ werden zu wollen. „Rententipps von einem Fußball-Millionär – die Nullerjahre, eine verrückte Zeit“, scherzte Welke.

„Man hätte das Ganze nicht den Versicherern zum Fraß vorwerfen dürfen“

„Die Idee an sich war ja gar nicht völlig verkehrt“, so der Satiriker weiter – nämlich, dass die Bürger infolge des sinkenden Rentenniveaus ergänzend zur gesetzlichen Rente privat vorsorgen. „Man hätte das Ganze halt nicht den Versicherern zum Fraß vorwerfen dürfen, das war der Fehler“, beschwert sich der ZDF-Mann – und legt noch einmal an Schärfe nach: „Die Riester-Rente ist ein total komplizierter, unrentabler Quatsch – durchschnittlich jeder vierte Euro, den ich da investiere, landet gar nicht in meiner Altersvorsorge.“

Es folgt ein kurzer O-Ton des Ökonomen und Riester-Kritikers Hartmut Walz. Diesen hatten die ZDF-Redakteure aus der ursprünglichen ARD-Reportage „Keine Zinsen – Miese Rente“ (wir berichteten) entnommen, der wiederum in der vergangenen Woche von „Plusminus“ recycelt wurde:

„Es ist bei Riester-Verträgen absolut üblich, dass ein hoher Anteil der Erträge – sogar der Riester-Förderung, also der aus Steuergeldern gezahlten Subvention – für die Kosten draufgeht.“

„Absolute Frechheit“, kommentiert Welke den Ausschnitt. Dass Walz in der damaligen ARD-Reportage (und auch bei „Plusminus“) noch darauf hinweist, dass die hohe Kostenbelastung von Riester-Verträgen auch damit zusammenhänge, „dass kleine Verträge mit kleinen Sparvolumina natürlich trotzdem ihren Aufwand machen“, zeigt die „Heute Show“ nicht mehr. Damals erklärte Walz: „Ob sie einen Vertrag mit 5 Euro oder mit 500 Euro pro Monat besparen, ist ja für den Versicherer eigentlich gleich viel Arbeit. Und deswegen sind diese kleinen Sparbeiträge bei Riester sehr, sehr ungünstig.“

„Seit zig Jahren allen bekannt, passiert ist nichts“, ärgert sich Welke jedenfalls über die herumaasende Versicherungsbranche – und auch über die Politik, weil diese nach Lesart der ZDF-Satiriker den Anbietern gewissermaßen freie Hand bei der Tarif- und Kostengestaltung gelassen hätte – „obwohl im Groko-Koalitionsvertrag steht, man wolle sich kümmern – allerdings im, ich zitiere, ,Dialog mit der Versicherungswirtschaft`“, wie der Moderator kritisiert. „Natürlich – vorm Sumpf austrocknen immer die Frösche fragen. Hat sich bewährt“, so der sarkastische Kommentar.

Welke kritisiert „freche 80 Prozent-Idee der Versicherer“

Besserverdiener profitieren von der Riester-Rente „noch einigermaßen“, erklärte Welke sodann, „aber ein kinderloser Single zum Beispiel zahlt 18.000 Euro ein, um später 50 Euro pro Monat zu kriegen. Großartig.“ Und weiter: „Man muss knapp hundert Jahre alt werden, um wenigstens die Kohle rauszuholen, die man eingezahlt hat. Aktuelle Knaller-Idee der Versicherer: Sie sagen, wie wäre es denn, wenn wir den Kunden ihre eingezahlten Beträge nicht mehr komplett garantieren, sondern nur noch zu 80 Prozent?“

Es folgt ein erneuter O-Ton von Riester-Kritiker Walz:

„Aber wenn die Versicherer jetzt keine Garantie zahlen müssen, dann erhöhen die ihre Kosten. Ein garantiefreies Produkt bei einem Versicherer ist unmöglich. Das ist ja wie, wenn ich mein Blut spende für eine Blutbank, wo die Vampire die Buchhaltung machen.“

„Mit Versicherungsheinis vergleichen – als Vampir wäre ich tödlich beleidigt“, witzelte Welke daraufhin.

Dass das Original-Zitat von Walz in der ARD-Reportage in eine etwas andere Reihenfolge gebracht wurde, dürfte für die ZDF-Redaktion womöglich dramaturgische Gründe gehabt haben – damit zum einen das Schlagwort „Kosten“ vorkommt und zum anderen der Vampirwitz die direkt Vorlage für Welkes überraschend banalen Schenkelklopfer herstellen kann. Das Original-Statement von Walz lautete jedenfalls so:   

„Ich würde einer Versicherung nicht das Geld geben, ohne Garantie – weil, was machen die damit? Das ist ja wie, wenn ich mein Blut spende für eine Blutbank, wo die Vampire die Buchhaltung machen. Aber wenn die Versicherer jetzt keine Garantie mehr zahlen müssen, dann erhöhen die ihre Kosten. Und ich darf ja nicht mal in die Kalkulation gucken. Ein garantiefreies Produkt bei einem Versicherer ist unmöglich.“

Aber zurück zur „Heute Show“: Im Übrigen habe die CDU/CSU-Fraktion „die freche 80 Prozent-Idee der Versicherer fast eins zu eins in ihr Konzept übernommen“, echauffiert sich Welke – und macht deutlich, wie er die Zukunft der Riester-Rente sieht. „Riester ist nicht mehr reformierbar. Wenn das Pferd tot ist, steig ab.“ Stattdessen brauche Deutschland „endlich ein kostengünstiges transparentes Produkt“, fordert der Satiriker. Am besten sei ein Staatsfonds, so Welke, „der für sich keine Gewinne machen will, sondern Rendite für Anleger erwirtschaftet“. Schweden mache damit seit Jahren „super Erfahrung. Bei extrem niedrigen Verwaltungskosten. Warum haben wir sowas nicht? Macht mich tierisch sauer.“

Dass es in solch einem Modell allerdings gar keine Garantien mehr geben würde – nicht einmal eine „freche“ 80-Prozent-Garantie, muss sich der Zuschauer einfach mal dazu denken. Ansonsten hätte die „Heute-show“-Redaktion auch dieses Walz-Zitat aus der besagten ARD-Reportage herausklauben können: „Ich finde die Garantie zu teuer, sie hilft nichts und sie macht bei ganz vielen Leuten die Altersvorsorge kaputt. Das ist ökonomisch auch eindeutig, da sind alle Fachleute sich einig.“ Aber das wäre womöglich etwas zu harsch für das deutsche Publikum gewesen.  

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Lorenz

Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

kommentare
markus lauers
Vor 5 Monaten

Traurig, dass so ein unsachlicher Stuss auf Zwangsgebührenkosten im ÖR-Verdummungs-TV verbreitet werden darf

Wilfried Strassnig Versicherungsmakler
Vor 4 Monaten

Null Ahnung, davon aber sehr viel. Alle dummen Regeln und zum Beispiel Garantie ab dem ersten Beitrag wurden von Beamten und Politikern erschaffen. Völliger Schwachsinn, oder kann man in der GRV die Beiträge ab Beginn sicherstellen. Jeder mit auch nur klitzekleinen Finanzkentnissen muss das wissen, dass Rendite damit schlicht niemals realisiert werde kann. Journalismus der untersten Ebene die einfach jeden Blödsinn über Jahre immer wieder verbreiten. Herr vergib Ihnen, gib Ihnen wenigstens ein Spatzenhirn!

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Vor 5 Monaten

Traurig, dass so ein unsachlicher Stuss auf Zwangsgebührenkosten im ÖR-Verdummungs-TV verbreitet werden darf

Wilfried Strassnig Versicherungsmakler
Vor 4 Monaten

Null Ahnung, davon aber sehr viel. Alle dummen Regeln und zum Beispiel Garantie ab dem ersten Beitrag wurden von Beamten und Politikern erschaffen. Völliger Schwachsinn, oder kann man in der GRV die Beiträge ab Beginn sicherstellen. Jeder mit auch nur klitzekleinen Finanzkentnissen muss das wissen, dass Rendite damit schlicht niemals realisiert werde kann. Journalismus der untersten Ebene die einfach jeden Blödsinn über Jahre immer wieder verbreiten. Herr vergib Ihnen, gib Ihnen wenigstens ein Spatzenhirn!

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