Viele Menschen ziehen sich derzeit ins Digitale zurück – für Vermittler kann das Risiken, aber umso mehr Chancen, bieten. © dpa
  • Von Lorenz Klein
  • 14.04.2020 um 12:54
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Wie kann ich mich im Netz besser präsentieren und vermarkten? Das fragen sich Versicherungsvermittler in diesen Zeiten mehr denn je. Dabei lautet vor allem im Video-Marketing die Devise: Einfach mal anfangen und die Ausreden in dauerhafte Quarantäne schicken.

Was macht eine erfolgreiche Social-Media- Strategie für Versicherungsmakler aus? Hans Steup bringt seine Empfehlung in nur fünf Worten auf den Punkt: „Persönliches zählt, Geschäftliches ergibt sich“, sagt der Betreiber des Portals Versicherungskarrieren.

Die Aussage unterstreicht, dass Social-Media-Portale wie Facebook, Instagram oder Youtube im Grunde nichts anderes als digitale Autobahnen sind: Die Plattformen bereiten den Boden, darauf fahren müssen die Nutzer schon selbst. Doch viele Vermittler gehen erstaunlich passiv zu Werke, wenn sie sich zum Beispiel bei Facebook präsentieren. Heißt: Sie geben dort nichts oder viel zu wenig von sich preis.

„Wer als Vermittler etwas darstellt, gewinnt Neukunden“, sagt Philipp Kanschik, Mitglied der Geschäftsleitung bei Policen Direkt. Denn mehr als in anderen Branchen sei für die Kunden das Vertrauen bei der Auswahl des passenden Beraters entscheidend. „In der analogen Welt klappt das über Vereinsarbeit, ehrenamtliches Engagement und sonstige direkte Touchpoints mit potenziellen Kunden“, erläutert Kanschik. „Doch Vermittler erschließen gerade auch die Social-Media-Welt mit persönlichen Einblicken. Sie werden überhaupt nur sichtbar, wenn sie ihre eigene Person als Marke positionieren“, fährt der Social-Media-Experte fort.


Quelle: Eigene Recherchen

Als Bereichsleiter für das digitale Maklergeschäft bei Policen Direkt hat Kanschik jüngst zusammen mit dem Online-Marketingspezialisten MarKo Petersohn eine Studie begleitet, die sich vor allem darum drehte, wo Makler überhaupt in der Social-Media-Welt unterwegs sind – und wo nicht. Dieses Untersuchungsfeld ist bislang eher spärlich ausgeleuchtet worden – und umso gespannter schauten die Macher auf die Ergebnisse, die sich auf die Antworten von 144 teilnehmenden Vermittlern stützen.

Alle Macht für Facebook

Wenig überraschend dürfte der Fakt sein, dass 85 Prozent der Befragten Social Media als relevant für ihren Geschäftserfolg einstufen und nur rund 4 Prozent die Netzwerke in ihrem Berufsalltag komplett ausblenden. Das ist doch schon mal beruhigend. Weiter zeigt sich, dass mehr als 73 Prozent der Befragten bei Facebook geschäftlich präsent sind, wobei aber nur 52 Prozent die Plattform mindestens einmal pro Woche aktiv nutzen (siehe Grafik).


Quelle: Policen Direkt

Und nicht einmal jeder fünfte Makler (18 Prozent) setzt täglich einen Post ab. Dennoch laute die eindeutige Devise „Facebook First“, zieht Kanschik ein Zwischenfazit. Während nur 22 Prozent der Makler um Facebook einen Bogen machen, ist die Verweigerer-Quote bei Xing (40 Prozent), Instagram (47 Prozent), Youtube (69 Prozent) und Twitter (77 Prozent) weitaus höher. Und selbst wer einen entsprechenden Account besitzt, agiert dort in der Regel sehr zurückhaltend.

„Uns war klar, dass Facebook ein zentraler Bestandteil der Online-Kommunikation von Versicherungsvermittlern ist. Dass aber andere Kanäle wie Xing, Youtube oder Instagram von den meisten Vermittlern überhaupt nicht genutzt werden, hat uns doch sehr überrascht“, gibt sich Kanschik verwundert, der zudem nicht erwartet hätte, dass Vermittler Online- Werbung geradezu sträflich vernachlässigen.

„Mehr als 60 Prozent der Befragten investieren online überhaupt nicht. Und diejenigen, die Online-Maßnahmen schalten, planen hierfür fast alle ein monatliches Budget von unter 100 Euro ein.“ Offline seien hingegen Ausgaben für Flyer, Werbeanzeigen oder gar Trikotwerbung für die F-Jugend selbstverständlich, auch wenn deren Effekt meist kaum messbar sei. Dabei gilt: Wer systematisch in Online-Werbung investiert, profitiert davon. „Solche Versicherungsprofis haben in den vergangenen zwölf Monaten mitunter mehr als 50 Neukunden über Social-Media-Werbung gewinnen können – auch das ist ein Ergebnis unserer Umfrage“, berichtet Kanschik.

Es muss nicht immer gleich ein Feuerwerk sein

Die Ergebnisse machen deutlich, dass beispielsweise auch der Youtube-Experte Stephan Peters noch viel Pionierarbeit in der Vermittlerschaft zu leisten hat. Peters betreibt seit Mitte 2017 das Coaching-Unternehmen Checkauf, dessen Youtube-Kanal eine stetig wachsende Fangemeinde von aktuell 15.700 Abonnenten erreicht. Zum Jobprofil von Peters gehört auch, Maklern in virtuellen und persönlichen Vorträgen das kleine wie große Einmaleins des Video-Marketings zu erklären.

„Wenn du Videos machen willst, sei dir 100-prozentig bewusst, dass du DU sein musst. Verstellen geht nicht. Entweder du bist, wie du bist, oder du lässt es“, lautet seine vielleicht wichtigste Botschaft. Es geht also nicht darum, irgendwelchen Youtube-Stars oder -Sternchen nachzueifern. Sondern: authentisch bleiben. Und es muss auch nicht immer gleich ein Feuerwerk abgebrannt werden – zwar referierte und persiflierte Peters auch schon auf Youtube zum Thema „Polenböller, Finger Weg 4.0“. Doch manchmal tut’s eben auch ein kleines Filmchen, in welchem alle Riester-Kunden aus dem eigenen Bestand dazu aufgerufen werden, ihre Zulagen zu überprüfen.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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